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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von dpa
Aktualisiert am 28.04.2022Lesedauer: 4 Min.
RettungskrĂ€fte und Anwohner von Saporischschja entfernen TrĂŒmmer zerstörter HĂ€user.
RettungskrĂ€fte und Anwohner von Saporischschja entfernen TrĂŒmmer zerstörter HĂ€user. (Quelle: Francisco Seco/AP/dpa./dpa)
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Kiew/Moskau (dpa) - Das russische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben erneut schwere Luftangriffe gegen die Ukraine gefĂŒhrt. "Die taktische Luftwaffe der russischen StreitkrĂ€fte hat 76 MilitĂ€robjekte beschossen", teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag mit.

Dabei seien zwei Munitionsdepots und eine Reihe von Truppenansammlungen und MilitÀrkonvois getroffen worden. Die gegnerischen Verluste bezifferte Konaschenkow dabei auf mehr als 320 Soldaten.

Durch Raketen wurden demnach weitere 38 MilitĂ€robjekte angegriffen. Unter anderem seien dadurch sechs Munitionsdepots vernichtet, aber auch mehrere ukrainische Raketen des Typs Totschka-U abgeschossen worden. UnabhĂ€ngig ließen sich diese Berichte nicht ĂŒberprĂŒfen.

VerstÀrkte russische Angriffe im Osten

Die russischen StreitkrĂ€fte haben nach Angaben des Generalstabs in Kiew das Tempo ihrer Angriffe im Osten der Ukraine deutlich erhöht. Die russischen Besatzer wĂŒrden praktisch von allen Seiten intensiv angreifen und Ziele unter Beschuss nehmen, teilte der Stab am Donnerstag in der ukrainischen Hauptstadt mit. Moskau ziehe zusĂ€tzliche KrĂ€fte in die NĂ€he von Isjum im Gebiet Charkiw zusammen - mit dem Ziel, die Verteidiger der Ukraine im Osten einzukreisen, hieß es weiter.

Der Gegner strebe vor allem weiter nach voller Kontrolle ĂŒber die Gebiete Luhansk und Donezk, um einen Landkorridor zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu etablieren. Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew nutzen die russischen StreitkrĂ€fte auch weiter den Flughafen von Melitopol im Gebiet Saporischschja als Basis fĂŒr ihre Kampfflugzeuge und –hubschrauber.

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Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, berichtete im Nachrichtenkanal Telegram von schweren Zerstörungen in den umkÀmpften StÀdten Lyssytschansk und Popasna. Vier Menschen seien bei russischen Angriffen im Gebiet Luhansk innerhalb eines Tages getötet und vier weitere verletzt worden. Die russische Armee habe mit LuftschlÀgen und Artillerie Dutzende Male zivile Ziele beschossen, sagte Hajdaj.

StĂ€dte in SĂŒdukraine melden russischen Beschuss

Die sĂŒdukrainische Hafenstadt Odessa ist am Donnerstagabend unter Raketenbeschuss geraten. Dabei habe die Luftabwehr drei russische Raketen abgeschossen, sagte der örtliche MilitĂ€rvertreter Maxim Martschenko. "Wir haben den Himmel unter Kontrolle." Zuvor sei bereits eine russische AufklĂ€rungsdrohne zerstört worden. In der Stadt seien am Abend jedoch mehrere Explosionen zu hören gewesen, berichtete unter anderem die "Ukrajinska Prawda".

Tote und Verletzte durch weiteren Beschuss

Ukrainischen Angaben zufolge wurden durch neuen Beschuss in der Region Charkiw mindestens drei Menschen getötet und sechs verletzt, darunter ein 14 Jahre altes Kind. Die örtliche Verwaltung machte Russland fĂŒr die zivilen Opfer verantwortlich. Aus der Stadt Cherson, deren Einnahme Russland gemeldet hatte, wurden mehrere Explosionen berichtet. Die Detonationen hĂ€tten sich unweit des Fernsehzentrums ereignet, teilten ukrainische Medien mit. Danach sei ein Feuer ausgebrochen. In der NĂ€he von Odessa schoss die Luftabwehr eine russische Spionagedrohne ab, wie die ukrainische Armee mitteilte. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Kiew hat "BrĂŒckenkopf" Transnistrien im Blick

"Wir haben Transnistrien immer als BrĂŒckenkopf betrachtet, von dem gewisse Risiken fĂŒr uns ausgehen können", sagte PrĂ€sidentenberater Mychajlo Podoljak nach Angaben der Agentur Unian am Mittwochabend. Die ukrainische FĂŒhrung sei sich der von Transnistrien ausgehenden Gefahren bewusst, weshalb in den ukrainischen Regionen Odessa und Winnyzja "unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung alles gut durchdacht" sei. Die jĂŒngsten Explosionen bezeichnete er als Versuch der Provokation. "Es ist alles so, wie es die Russische Föderation immer macht." RĂŒckhalt der Separatisten in der von Moldau abtrĂŒnnigen Region ist ein Kontingent dort stationierter russischer Soldaten.

Kiew: Verwaltungschefs in Cherson von Russen entfĂŒhrt

WĂ€hrend der russischen Besatzung wurden im sĂŒdukrainischen Gebiet Cherson nach Angaben aus Kiew die Chefs von 35 der 49 Verwaltungseinheiten entfĂŒhrt. "17 von ihnen wurden freigelassen, aber viele sind in Gefangenschaft", schrieb die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denisowa, am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram. Die russischen Truppen "entfĂŒhren und foltern die Bewohner der vorĂŒbergehend besetzten ukrainischen Gebiete, sie plĂŒndern WeltkulturerbestĂ€tten".

Das Gebiet Cherson ist fast vollstĂ€ndig von Russland besetzt. Seit Kriegsbeginn gibt es immer wieder Berichte ĂŒber Verschleppungen von demokratisch gewĂ€hlten BĂŒrgermeistern und Gebietsvorstehern in besetzten Gebieten, die eine Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht verweigern. Besonders bekannt wurde vor einigen Wochen der Fall des Stadtoberhaupts von Melitopol im Gebiet Saporischschja, der von den Ukrainern gegen mehrere russische Kriegsgefangene freigetauscht wurde.

"Russland betrachtet jeglichen Handel als Waffe"

PrĂ€sident Selenskyj kritisierte unterdessen den russischen Lieferstopp fĂŒr Gas an Polen und Bulgarien scharf. "In dieser Woche hat die russische FĂŒhrung eine neue Serie von Energieerpressungen gegenĂŒber den EuropĂ€ern begonnen", sagte er in einer Videobotschaft. "Russland betrachtet nicht nur Gas, sondern auch jeden anderen Handel als Waffe." DafĂŒr warte Moskau nur auf einen gĂŒnstigen Moment.

"Entweder um die EuropĂ€er damit politisch zu erpressen. Oder um die russische Kriegsmaschinerie zu stĂ€rken, die ein geeintes Europa als Ziel ansieht", meinte Selenskyj. Je frĂŒher Europa erkenne, dass es im Handel nicht von Russland abhĂ€ngig sein könne, desto eher werde die StabilitĂ€t der europĂ€ischen MĂ€rkte gewĂ€hrleistet sein.

UN-GeneralsekretÀr fordert AufklÀrung von KriegsgrÀueln

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres unterstĂŒtzte bei einem Besuch in der ukrainischen Stadt Butscha die Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofs zu den dortigen KriegsgrĂ€ueln. Es sei wichtig, den Horror "sorgfĂ€ltig aufzuklĂ€ren" und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Guterres in der Vorortgemeinde von Kiew. Er appellierte an Russland, mit dem Gericht zusammenzuarbeiten. Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus Butscha hatten Anfang des Monats rund um die Welt fĂŒr Entsetzen gesorgt.

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