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Israel-Gaza-Krieg: Israel wappnet sich für Kampf gegen Hisbollah im Libanon


Konflikt in Nahost
Israel rüstet sich für einen weiteren Krieg

  • Marianne Max
Von Marianne Max

16.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Israelischer Soldat im Gazastreifen (Archivbild): Halevi will weitere Rekrutierungsoptionen für die israelische Armee ausloten.Vergrößern des Bildes
Israelischer Soldat im Gazastreifen (Archivbild): Die israelische Armee will auch gegen Ziele im Libanon vorgehen, um die Hisbollah zurückzudrängen. (Quelle: ISRAEL DEFENSE FORCES/Reuters)

Die libanesische Terrororganisation Hisbollah hat ihre Angriffe auf Israel verschärft. Die Reaktion der israelischen Armee wird immer heftiger – und der Ton rauer.

Die Sirenen heulten laut in Kiriat Schmona. Etwa zwanzig Raketen gingen am Donnerstag auf die israelische Stadt nieder. In einigen Teilen des Ortes fiel der Strom aus, es gab zahlreiche Sachschäden. Doch weil die Stadt derzeit fast menschenleer ist, wurden keine Todesopfer gemeldet. Israel hatte den Ort unweit der Grenze zum Libanon bereits im vergangenen Jahr größtenteils evakuiert, kurz nachdem sich die Terrororganisation Hisbollah in den Gaza-Krieg eingeschaltet hatte.

Ihr Angriff am Donnerstag war eigenen Angaben zufolge ein Vergeltungsschlag. Denn auf der anderen Seite, im südlibanesischen Nabatäa, hatte zuvor das örtliche Krankenhaus bei einem israelischen Angriff zehn Tote, darunter sieben Zivilisten gemeldet. Das israelische Militär erklärte zu der Attacke, einen hochrangigen Kommandeur der Eliteeinheit der Hisbollah getötet zu haben. Auch seinen Stellvertreter und ein weiteres Mitglied der Terrororganisation habe die israelische Armee getötet.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben der zwei Konfliktparteien derzeit nicht. Doch sicher ist: Die Gefechte haben sich in den vergangenen Wochen zugespitzt und gelten als die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006. Auf beiden Seiten wurden seit Oktober bereits zahlreiche Zivilisten getötet. Zehntausende Anwohner mussten zudem auf beiden Seiten ihre Heimatorte verlassen. Der Schlagabtausch vom Donnerstag lässt nun erahnen, dass der Krieg im Nahen Osten neues Feuer fangen könnte.

Hisbollah kämpft nur mit halber Kraft

Bereits seit Oktober schießt die Hisbollah immer wieder Raketen über die Grenze nach Israel. Wie auch die Hamas in Gaza bekommt sie Unterstützung vom islamistischen Regime im Iran. Ihr Anführer, Hassan Nasrallah, fühlt sich der Hamas auch darum eng verbunden. Am Dienstag kündigte er an, dass die Angriffe seiner Gefolgsleute weitergehen würden, bis der Krieg in Gaza endet. "Die Front im Südlibanon ist eine Front der Unterstützung, Hilfe, Solidarität und Beteiligung an der Schwächung des israelischen Feindes, bis dieser den Punkt erreicht, an dem er überzeugt ist, dass er seine Aggression stoppen muss", erklärte Nasrallah.

Während der Hisbollah-Chef seine Anhänger mit einer "zweiten Front" anheizt, halten es Beobachter für eher unwahrscheinlich, dass der Machthaber tatsächlich an einem Kriegseintritt interessiert ist. Mit ihren knapp 40.000 Kämpfern gehört seine Hisbollah zu einer der mächtigsten Terrororganisationen im Nahen Osten. Ihre volle Stärke hat sie bislang noch nicht gezeigt. Der Grund: In der Bevölkerung würde Nasrallah sein ohnehin schon angeknackstes Ansehen riskieren. Er hat in den vergangenen Jahren an Beliebtheit eingebüßt, denn während die meisten Einwohner in Armut leben, schwelgt die Machtelite des Landes im Luxus.

Dazu äußerte sich bereits Ende Oktober der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad im Interview mit t-online: "Ein weiterer Krieg wäre für den Libanon in der jetzigen Situation katastrophal. Er könnte das Land in eine existenzielle Krise stürzen, die den wirtschaftlichen und politischen Kollaps beschleunigt", sagte er. Fathollah-Nejad ist Experte für den Nahen und Mittleren Osten und Direktor des Center for Middle East and Global Order (CMEG). Für die Hisbollah würde eine Kriegserklärung an Israel einen weiteren Verlust an Zustimmung im Land bedeuten, ist sich der Politologe sicher. Mehr zum Hisbollah-Chef Nasrallah lesen Sie hier.

Israels Armee wappnet sich für "den Krieg im Norden"

Doch ob Kriegseintritt oder nur einzelne Raketen und Gefechte – in Israel wächst die Wut auf die Hisbollah. So drohte Benny Gantz am Mittwoch etwa damit, den Konflikt noch weiter eskalieren zu lassen. Gantz ist Mitglied im Notstandskabinett von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die israelische Armee, sagte er, könnte neben der Hisbollah auch das libanesische Militär ins Visier nehmen. "Es ist wichtig, dass wir uns im Klaren sind: Verantwortlich für das Feuer aus dem Libanon sind nicht nur die Hisbollah oder die terroristischen Elemente, die es verüben, sondern auch die Regierung des Libanon und der libanesische Staat, der das Schießen von seinem Territorium aus zulässt", so Gantz.

Dass der Ton nun rauer wird, liegt allgemein an den verstärkten Raketenangriffen der Terroristen auf Israel. Im Besonderen liegt es jedoch auch an einer Hisbollah-Strategie, die in der israelischen Armee für Frustration sorgen dürfte, denn sie steht ihr bislang offenbar machtlos gegenüber: Die Terroristen schießen ungewöhnlich viele Panzerabwehrraketen auf Wohnhäuser im Norden Israels, berichtet die israelische Zeitung "Haaretz". Und zudem misslinge es Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome, die Geschosse abzufangen. Die Ortschaften nahe der Grenze zum Libanon seien somit ungeschützt und Zivilisten ist eine Rückkehr in ihre Wohnhäuser unmöglich. Mehr zu dem Hisbollah-Terror lesen Sie hier.

Die Hisbollah-Strategie steht dem Versprechen der israelischen Regierung im Weg, dass die 80.000 Bürgerinnen und Bürger, die aus dem Norden Israels fliehen mussten, sicher zurück in ihre Wohnhäuser könnten. Doch Herzi Halevi, Generalstabschef der israelischen Armee, erneuerte diese Zusage am Donnerstag: "Wir werden das nicht zu Ende bringen, ohne die Bewohner nach Metula und in alle Gemeinden im Norden mit einem sehr hohen Maß an Sicherheit zurückzubringen", zitiert ihn "The Times of Israel".

Die israelische Armee bereite sich auf einen Krieg mit der Terrororganisation vor. "Wir konzentrieren uns jetzt darauf, für den Krieg im Norden bereit zu sein", sagte Halevi. Mit der israelischen Armee wolle er die Hisbollah von der Grenze zurücktreiben und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger aus dem Norden Israels wiederherstellen. "Wird das morgen passieren?", so Halevi. "Wahrscheinlich nicht", sagte er. "Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen."

Verwendete Quellen
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