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Nordkorea-Gipfel: Über manches reden Kim Jong Un und Trump lieber nicht

Gipfel-Tabu Giftmord  

Über manches reden Kim und Trump lieber nicht

27.02.2019, 07:14 Uhr | Christoph Sator, dpa

Trump und Kim Jong Un - so kam es zum zweiten Treffen

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un treffen sich am 27. und 28. Februar in Vietnam. Es ist der zweite Gipfel der ungewöhnlichen Staatsmänner. t-online.de zeigt, wie sich das Verhältnis der beiden entwickelt hat. (Quelle: t-online.de)

Donald Trump und Kim Jong Un: Die beiden ungewöhnlichen Staatsmänner treffen sich zum zweiten Mal. Wie kam es dazu? (Quelle: t-online.de)


Nach dem Auftakt in Singapur soll der zweite Gipfel zwischen Kim und Trump in Hanoi nun Konkretes bringen. Deshalb schweigt man manche Themen lieber aus. Dazu gehört ein Giftmord – und auch die Frage, ob der Gastgeber wirklich als Vorbild taugt.

Was diese Woche in ihrer Heimat geschieht, wird die Vietnamesin Doan Thi Huong im Unterschied zum Rest der Welt wohl überhaupt nicht mitbekommen. Die 30-Jährige aus der Nähe von Hanoi sitzt in Malaysia in einem Frauengefängnis: Einzelzelle, kein Fernseher, auch sonst kaum Kontakt zur Außenwelt. Vom Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong Un wird sie wenig bis gar nichts erfahren.

Der Mord an Kims Halbbruder

Dabei hat ihre Geschichte sehr viel mit der großen Politik zu tun: Doan Thi Huong ist eine der zwei Frauen, die 2017 bei einem Giftanschlag auf dem Flughafen Kuala Lumpur den älteren Halbbruder von Nordkoreas Machthaber töteten, Kim Jong Nam. Beiden droht die Todesstrafe. Für Kim Jong Un hingegen, den mutmaßlichen Auftraggeber, wurde in Hanoi am Dienstag der rote Teppich ausgerollt.

Der Fall zeigt, wie sehr sich der Umgang mit dem Mann aus Pjöngjang geändert hat: Aus einem übel beschimpften Diktator ist – zumindest für den US-Präsidenten – ein viel gelobter Gesprächspartner geworden. Trump wie Kim haben großes Interesse daran, ihren zweiten Gipfel als Erfolg zu verkaufen. Nach dem Auftakt in Singapur erwartet die Welt Konkretes. Deshalb werden Themen wie der Giftmord ausgeblendet – auch wenn das gerade mal zwei Jahre her ist.

Die Vietnamesin Doan Thi Huong: Verhaftet wegen des Giftmordes an Kim Jong Uns Halbbruder wird sie wohl kein Gesprächsthema beim Gipfel sein – obwohl der Diktator mutmaßlich den Auftrag zum Mord gab. (Quelle: Reuters/Lai Seng Sin)Die Vietnamesin Doan Thi Huong: Verhaftet wegen des Giftmordes an Kim Jong Uns Halbbruder wird sie wohl kein Gesprächsthema beim Gipfel sein – obwohl der Diktator mutmaßlich den Auftrag zum Mord gab. (Quelle: Lai Seng Sin/Reuters)

PR-Ziel: Grundstimmung

Seit Monaten arbeitet eine Heerschar an Beratern an der richtigen Grundstimmung. Zur Gipfel-PR gehört auch die Erzählung, warum das Treffen in Vietnam stattfindet. Nach amerikanischer Lesart soll Kim damit ein weiterer Anreiz geboten werden, sich auf eine Partnerschaft einzulassen. Was zwischen den einstigen Kriegsgegnern Vietnam und USA möglich war, soll auch mit Nordkorea möglich sein. Oder, wie US-Außenminister Mike Pompeo zu Kim sagte: "Präsident Trump glaubt, dass Ihr Land diesen Weg wiederholen kann."
 

 
Mehr noch: Vietnam wird als Modell dafür beschrieben, wie ein einst geteilter und jämmerlich armer kommunistischer Staat durch wirtschaftliche Öffnung zum Boom-Land werden kann. Tatsächlich gehört die Sozialistische Republik Vietnam zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaften der Welt. Niemand bestreitet, dass es den inzwischen fast 100 Millionen Einwohnern materiell deutlich besser geht als der vorigen Generation.

Nordkorea hat bessere Verhandlungsposition

Allerdings meinen viele Experten, dass die "Bruderstaaten" wegen sehr unterschiedlicher Ausgangslagen nicht wirklich miteinander zu vergleichen sind. Der vietnamesische Wirtschaftsdozent Le Dang Doanh – ehemals Berater von fünf Premierministern – sagt: "Die Herausforderungen ähneln sich. Aber die Bedingungen sind ganz anders." Als Atommacht habe Nordkorea heute eine viel bessere Verhandlungsposition.

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Viele zweifeln jedoch, ob Kim, dessen Familie in Pjöngjang schon seit Gründung der "Demokratischen Volksrepublik" 1948 an der Macht ist, tatsächlich Veränderungen will. Angesichts der Armut in seinem Land hat er mehrfach eine Modernisierung der Wirtschaft in Aussicht gestellt. Bislang ist jedoch überhaupt nicht absehbar, wozu er bereit ist. Von gesellschaftlichen Reformen ist nicht einmal die Rede.

Auch Vietnam ist nicht demokratisch

Andere halten es für grundsätzlich falsch, Vietnam als Modell für die Nordkoreaner anzupreisen. Trotz des wirtschaftlichen Aufbruchs hält die Partei dort an einem politischen System fest, das keine Opposition zulässt. Kritiker landen im Gefängnis. Die Presse steht unter staatlicher Kontrolle. Die Entführung eines ehemaligen KP-Funktionärs aus Berlin, der dann in Hanoi zu lebenslang verurteilt wurde, machte Schlagzeilen rund um die Welt.

Deshalb warnte der amerikanische Politik-Wissenschaftler Andrew Yeo soeben in der "Washington Post": "Das "Modell Vietnam" zeigt Kim, dass wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen ohne Verbesserungen bei den Menschenrechten möglich ist." Und Amnesty International meint: "Wenn Vietnam als Beispiel dafür dienen soll, welchen Pfad Nordkorea einschlagen könnte, sollten wir uns große Sorgen machen."


Von all dem hat Doan Thi Huong in ihrer Einzelzelle vermutlich noch nie etwas gehört. Ihr nächster Termin vor Gericht ist am 11. März. Aus Sorge vor möglicherweise von Nordkorea engagierten Attentätern, die sie töten könnten, wird sie auf dem Weg dorthin wieder eine schusssichere Weste tragen. Das Urteil wird im Laufe des Jahres erwartet. Der Gipfel ist dann längst vorbei.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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