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Emp├Ârung ├╝ber Johnson und von der Leyen ÔÇô was ist dran?

Von dpa
Aktualisiert am 04.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Boris Johnson und Ursula von der Leyen beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow: "Das ist atemberaubende Heuchelei".
Boris Johnson und Ursula von der Leyen beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow: "Das ist atemberaubende Heuchelei". (Quelle: Christopher Furlong/dpa-bilder)
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Boris Johnson ist von Glasgow nach London geflogen, um sich mit einem Klimawandelskeptiker zu treffen. Ursula von der Leyen nahm f├╝r eine Strecke von 47 Kilometern das Flugzeug. D├╝rfen die das?

Wann ist es gerechtfertigt, dass Spitzenpolitiker einen Privatjet nutzen? Und wann sollten sie als Menschen mit besonderer Vorbildfunktion lieber verzichten? Enth├╝llungen ├╝ber klimasch├Ądliche Reisen von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Gro├čbritanniens Premier Boris Johnson haben eine hitzige Diskussion ├╝ber deren Glaubw├╝rdigkeit im Kampf gegen die Erderw├Ąrmung entfacht.

Ausgerechnet w├Ąhrend der UN-Klimakonferenz m├╝ssen sich EU-Kommissionspr├Ąsidentin Ursula von der Leyen und Gro├čbritanniens Premierminister Boris Johnson einer Glaubw├╝rdigkeitsdebatte als Vorbilder im Kampf gegen den Klimawandel stellen. Medien hatten zuvor enth├╝llt, dass die beiden alles andere als klimafreundlich unterwegs waren.

Keine hundert Kilometer

So musste die EU-Kommission am Donnerstag einr├Ąumen, dass von der Leyen im Juni mit einem Charterjet von Wien aus in die keine Hundert Kilometer entfernte slowakische Hauptstadt Bratislava geflogen war. In London stand unterdessen der britische Premierminister Boris Johnson im Kreuzfeuer der Kritik. Der konservative Politiker hatte am Dienstag den versammelten Staats- und Regierungschefs bei der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow geh├Ârig ins Gewissen geredet, beim Kampf gegen den Klimawandel den Worten Taten folgen zu lassen.

Einem Bericht des "Daily Mirror" zufolge setzte sich Johnson allerdings direkt danach in einen Privatjet und flog zu einem Dinner in einem exklusiven Club in London, dessen Mitgliedschaft M├Ąnnern vorbehalten ist. Er soll dort den fr├╝heren Chefredakteur des "Daily Telegraph" und bekennenden Klimawandelskeptiker Charles Moore getroffen haben.

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"Atemberaubende Heuchelei"

Die Reaktionen fielen emp├Ârt aus. "Das ist atemberaubende Heuchelei vom Premierminister", sagte Anneliese Dodds von der oppositionellen Labour-Partei dem "Mirror". Von der Leyen geriet ebenfalls unter Beschuss. Der rund 20-min├╝tige Flug von Wien nach Bratislava sei eine "├Âkologische S├╝nde", sagte der Generalsekret├Ąr des Steuerzahlerbundes, Michael J├Ąger, der "Bild"-Zeitung am Donnerstag. Neben Steuergeld koste dies "vor allem viel Glaubw├╝rdigkeit". Die CDU-Abgeordnete Jana Schimke kommentierte: "Wenn man Wandel will, dann muss man ihn auch vorleben. Ansonsten wird man unglaubw├╝rdig."

Beide Kritiker spielten darauf an, dass von der Leyen die EU zum Vorreiter beim Klimaschutz machen will und immer wieder zu mehr Engagement aufruft. "Wir alle, weltweit, m├╝ssen viel mehr Tempo machen", forderte sie erst Anfang der Woche bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow.

Brauchen Politiker klimasch├Ądliche Charterjet-Fl├╝ge?

Nun m├╝ssen sich die fr├╝here deutsche Verteidigungsministerin und der britische Premier unangenehme Fragen gefallen lassen. Ist es wirklich so, dass sie wegen voller Terminkalender oft keine anderen Reisem├Âglichkeiten haben als klimasch├Ądliche Charterjet-Fl├╝ge? Wie viele Termine sind wirklich notwendig und wie viele nur PR in eigener Sache? Kann man den normalen B├╝rger und Manager dazu bringen, Flugreisen einzuschr├Ąnken, wenn man es selbst offensichtlich nur in sehr begrenztem Umfang schafft?

Der Sprecher der EU-Kommissionspr├Ąsidentin bem├╝hte sich am Donnerstag um Schadensbegrenzung. Er argumentierte, dass ein Zur├╝cklassen des Charterflugzeugs in Wien eine Verz├Âgerung der geplanten Weiterreise nach Lettland zur Folge gehabt h├Ątte und dass die pers├Ânlichen Kontakte zu den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten sehr wichtig seien. Zudem seien die Reisen in die Mitgliedstaaten auch unabdingbar, um den B├╝rgern in der EU zu zeigen, dass die EU bei der Bew├Ąltigung der Corona-Krise eine wichtige Rolle spiele.

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Den deutschen Europaabgeordneten Martin Schirdewan ├╝berzeugte das allerdings nicht. "Sch├Âne Worte und echte Taten klafften bei Kommissionspr├Ąsidentin von der Leyen schon immer weit auseinander", kommentierte der Co-Chef der Linken im Parlament. Die europ├Ąische Spitzenpolitik habe aufgeh├Ârt, Vorbild zu sein. So gehe die Glaubw├╝rdigkeit europ├Ąischer Politik nachhaltig verloren.

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