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Ukraine-Krieg: Drohne Baba Jaga trickst Russen aus


Diese neue Waffe soll die Russen austricksen


12.02.2024Lesedauer: 3 Min.
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Eine Vampir-Drohne: Ausgestattet mit Infrarotkamera und Geheimtechnologie wird sie zur "Hexe Baba Jaga", einer Waffe, die den russischen Soldaten Probleme bereitet.Vergrößern des Bildes
Eine Vampir-Drohne: Ausgestattet mit Infrarotkamera und Geheimtechnik wird sie zur "Hexe Baba Jaga", einer Waffe, die den russischen Soldaten Probleme bereitet. (Quelle: Dmytro Smolienko/imago images)

Die mythische Hexe "Baba Jaga" macht in slawischen Ländern eigentlich nur Kindern Angst. Doch auch eine ukrainische Drohne ist nach der Hexe benannt. Mit ihr überraschen die Ukrainer sowohl Experten als auch die Russen.

Sie gilt als unberechenbar und sehr gefährlich: Die Hexe Baba Jaga ist in slawischen Ländern wie der Ukraine und Russland ein weitverbreiteter Mythos, mit dem Eltern auch schon einmal unartigen Kindern drohen. Je nach Variante der Erzählung soll das Wesen sogar Menschen essen. Als ähnlich überraschend und tödlich gilt eine gleichnamige Kampfdrohne der Ukrainer.

Die Drohne könne aufgrund ihrer Größe bis zu 17 Kilogramm schwere Sprengköpfe tragen, schreibt das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes". Mit Nachtangriffen trägt sie dazu bei, dass die ukrainische Armee ihre Stellungen östlich des Flusses Dnipro in der Region Cherson halten kann. Dort sind die Ukrainer über den Fluss vorgestoßen und haben im November einen Brückenkopf im Dorf Krynky eingerichtet. Ein Brückenkopf ist eine Stellung auf der feindlichen Seite eines Flusses, wo von aus weitere Operationen vorgenommen werden sollen.

"Forbes" zufolge seien die Drohnenpiloten der Ukraine – zusammen mit ihren Spezialisten für elektronische Kriegsführung – die entscheidende Streitmacht in der Krynky-Operation. Diese Operation habe aufgrund ihrer Widerstandskraft sowohl die russischen Soldaten als auch ausländische Beobachter überrascht und die ukrainische Sommeroffensive ausgeweitet. Die Drohnenpiloten hätten zusammen mit Analysten für Aufklärung und Artillerieverbänden Krynky erobert.

Durch Geheimtechnik ist die Drohne schwer zu orten

"Baba Jaga" spielt dabei eine besondere Rolle. Eigentlich nutzen beide Kriegsparteien im Kampf insbesondere günstige, mit Sprengstoff ausgerüstete Einwegdrohnen: Sie fliegen auf den Feind zu und explodieren. Dadurch ist ihr Einsatz aber vor allem auf den Tag beschränkt. Denn nachts bräuchten die Fluggeräte eine Infrarotkamera, was die Kosten pro Drohne unwirtschaftlich machen würde.

Baba Jaga sei aber keine "Selbstmörderdrohne", sondern könne immer wieder zum Angriff fliegen, schreibt "Forbes". Die Ukrainer statteten dafür große sechsmotorige Drohnen mit Infrarotkameras aus, etwa solche vom Typ "Kazhan" oder "Vampir". Hinzu kommt laut der "Welt" eine Spezialtechnik im Prototyp-Status. Der ukrainische Techniker Ivan (Nachname unbekannt) beschrieb der Zeitung das Geheimnis der fliegenden "Hexe". Ihm zufolge hat "Baba Jaga" Elektronik an Bord, welche dafür sorge, dass die russischen Soldaten ihr Funksignal nicht stören können. Dadurch kann die Drohne an Orte gelangen, die die Besatzer eigentlich für sicher halten. Genaueres dürfe er aber aus Gründen der Geheimhaltung nicht sagen, erklärte Ivan.

Wie die Drohnenangriffe in der Region Cherson aussehen, sehen Sie in diesem Video aus dem Dezember 2023:

Video | Russland erleidet offenbar große Verluste bei Vorstoß
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Quelle: t-online

Laut der "Welt" sollen Drohnen vom Typ Baba Jaga so russische Fahrzeuge und Feldlager in noch nie dagewesenem Ausmaß zerstört haben. Die Drohne habe aber auch ihre Schwächen. Aufgrund ihrer schweren Bewaffnung und Ausrüstung sei ihre Reichweite eher gering.

"Forbes" zufolge sei zudem ein Nachteil, dass ihre Kameras nicht durch die dichten Wälder der Cherson-Region schauen könnten, die "Hexe" muss ihre tödliche Fracht häufig blind abwerfen. Hinzu kommt, dass die große Drohne vergleichsweise laut ist und die russischen Soldaten sie kommen hörten – was aber nicht heiße, dass sie die "Hexe" auch problemlos abschießen könnten.

Drohnenkampf im Fokus von Armee und Präsident

Laut der "Welt" gehören die Drohnenpiloten bei Cherson zum "Chartia"-Bataillon, das zu Beginn des Krieges ein Freiwilligen-Bataillon war, das der ukrainische Millionär und Geschäftsmann Vsevolod Kozhemyako organisiert und finanziert hat. Mittlerweile gehört "Chartia" als Brigade der ukrainischen Armee an. Insbesondere die Drohnentruppen seien ihm bei der Ausstattung wichtig gewesen.

Die elektronische Kriegsführung mit Drohnen wie "Baba Jaga" liegt auch im Blick des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Nach der Abwehr neuer russischer Drohnenangriffe hat Selenskyj am Sonntag einen Ausbau der elektronischen Kampfführung in seinem Land angekündigt. "Wir arbeiten daran, die Effektivität unserer mobilen Einsatztruppen zu erhöhen und noch mehr Regionen der Ukraine mit Systemen der elektronischen Kampfführung auszustatten", sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Das sei eine der Prioritäten in diesem Jahr.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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