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Irak: Kurden stimmen mit großer Mehrheit für Unabhängigkeit

Mit großer Mehrheit  

Kurden im Irak stimmen für Unabhängigkeit

27.09.2017, 22:02 Uhr | dpa, df

Irak: Kurden stimmen mit großer Mehrheit für Unabhängigkeit. Kurden in der Stadt Duhok schwenken Flaggen der Autonome Region Kurdistan, um für das Referendum zu werben. (Quelle: Reuters/Ari Jalal)

Kurden in der Stadt Duhok schwenken Flaggen der Autonome Region Kurdistan, um für das Referendum zu werben. (Quelle: Ari Jalal/Reuters)

Die Kurden im Nordirak haben sich mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan ausgesprochen.

Bei der Volksabstimmung Anfang der Woche votierten 92,3 Prozent der Wähler für eine Abspaltung vom Irak, wie die kurdische Wahlkommission in Erbil erklärte. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei rund 72 Prozent.

Flüge ins Kurdengebiet eingestellt

Die irakische Zentralregierung erhöhte jedoch den Druck, die kurdische Führung zum Einlenken zu bringen. Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi verlangte von der kurdischen Autonomieregierung, das Ergebnis der Volksabstimmung zu annullieren. Er werde nicht über eine Unabhängigkeit verhandeln.

Die Luftfahrtbehörde in Bagdad wies ausländische Airlines zugleich an, Flüge in die kurdischen Autonomiegebiete von Freitag an zu stoppen. Die ägyptische Fluglinie Egypt Air und die libanesische MEA erklärten, sie würden ihre Verbindungen einstellen.

Lufthansa fliegt weiter

Die Lufthansa erklärte allerdings, sie wolle trotz der irakischen Aufforderung weiter den Flughafen der kurdischen Stadt Erbil anfliegen. Den nächsten Flug werde es wie geplant am Samstag geben, sagte ein Sprecher des Unternehmens. "Wir gehen davon aus, dass es keine Beeinträchtigungen gibt." Auch Turkish Airlines teilte mit, die Flüge gingen weiter, da keine offizielle Mitteilung aus dem Irak eingetroffen sei.

Die Kurden im Nordirak genießen zwar weitgehende Autonomierechte, träumen aber seit Jahrzehnten von einem eigenen Staat. Mit dem Referendum will Kurden-Präsident Massud Barsani Fakten schaffen, um die Zentralregierung zu Verhandlungen über eine kurdische Unabhängigkeit zu zwingen.

Kurden widersetzen sich irakischen Forderungen

Die kurdische Autonomieregierung lehnte am Mittwoch die Forderung Al-Abadis ab, ihre Flughäfen innerhalb von drei Tagen an die Zentralregierung zu übergeben. Die Flughäfen in Erbil und der Stadt Sulaimanija seien "Besitz Kurdistans", der Betrieb gehe weiter, erklärte der kurdische Transportminister Maulud Bawa Murad.

Al-Abadi sagte vor dem irakischen Parlament, seine Regierung werde ihre Macht mit der Kraft der Verfassung in den kurdischen Autonomiegebieten durchsetzen. Zugleich verlangte er von der Kurden-Führung, alle Gebiete an die Zentralregierung zurückzugeben, die die kurdischen Peschmerga-Kämpfer während des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unter Kontrolle gebracht hatten.

Dabei geht es um Regionen im Nordirak, auf die sowohl die Zentralregierung als auch die Kurden Anspruch erheben. Dazu zählt etwa die ölreiche Provinz Kirkuk. Die Peschmerga waren dort eingerückt, nachdem die Armee 2014 vor dem IS geflohen war.

Außer der Zentralregierung in Bagdad sind auch die Nachbarländer Türkei und Iran gegen das Referendum. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte den Kurden im Nordirak mit einem Ende des Ölexports über sein Land und mit einer militärischen Intervention. Die Türkei und der Iran befürchten Auswirkungen auf die Autonomiebestrebungen der Kurden in ihren eigenen Ländern.

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