Berichte über Unfall

Der mysteriöse Tod eines mutmaßlichen Khashoggi-Killers

Von Lars Wienand

19.10.2018, 13:26 Uhr

Fall Khashoggi: Türkische Ermittler haben das saudiarabische Konsulat in Istanbul durchsucht. (Quelle: Reuters)

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15 Männer sollen zum Killerkommando gehört haben, das nach türkischen Angaben den Journalisten Jamal Khashoggi getötet hat. Einer davon lebt nun offenbar nicht mehr.

Neue bizarre Facette im Fall des mutmaßlich ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi: Ein angebliches Mitglied des Killerkommandos soll unter mysteriösen Umständen bei einem Verkehrsunfall gestorben sein. Das berichtet die Erdogan-nahe Tageszeitung "Yeni Safak". Es gebe Gerüchte, er sei zum Schweigen gebracht worden, schreibt die Zeitung. 

Die türkische Zeitung "Yeni Safak" berichtete am Donnerstag auf ihrer Titelseite über den Tod des mutmaßlichen Mitglieds des Killerkommandos. (Quelle: Screenshot Twitter)

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist der Journalist und Regierungskritiker verschwunden, der zuletzt im US-Exil gelebt hatte. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert dagegen die eigene Unschuld und bestreitet jede Mitverantwortung.

Soll bei einem Unfall ums Leben gekommen: Meshal Saad al-B., mutmaßliches Mitglied der saudischen Gruppe, die laut türkischen Berichten Jamal Khashoggi in der Botschaft in Istanbul getötet hat. (Quelle: Facebook)

Regierungsnahe Medien erhalten Infos zugespielt

In dem Fall erhalten regierungsnahe Zeitungen offenbar einfachen Zugang zu Erkenntnissen türkischer Sicherheitsdienste, die diese an die Öffentlichkeit bringen wollen. "Sabah" hatte bereits eine Liste mit Namen und Fotos der 15 angeblich beteiligten Saudis veröffentlicht. 

Darunter war auch Meshal Saad al-B., der nun bei dem Unfall sein Leben verloren habe. Seine Rolle bei dem Kommando sei unklar, es habe keine Hierarchie gegeben, berichtet "Yeni Safak". 

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Im mutmaßlichen Facebook-Profil von al-B. findet sich die Information, dass der Luftwaffenoffizier Schule und Universität in den USA besucht hat. Bereits am Dienstag hatten unbestätigte Berichte Wirbel ausgelöst, al-B. sei an Bord eines abgestürzten Flugzeugs der saudischen Luftwaffe gewesen. Das saudische Verteidigungsministerium hatte den Absturz gemeldet, ohne Angaben zur Identität der Besatzung zu machen.

"Yeni Safak" berichtet dagegen, zu den Umständen des Unfalls gebe es keine Erkenntnisse. Es könne jetzt spekuliert werden, ob andere Mitglieder der Gruppe auch beseitigt würden, schreibt die türkische Zeitung.

Konsul angeblich mit Tod bedroht

Die Zeitung hatte bereits berichtet, dass auf angeblichen Audioaufnahmen der Ermordung auch Todesdrohungen gegen den saudischen Konsul Mohammed al-Otaibi zu hören seien. Der habe protestiert, als ein Experte begonnen habe, mit einer mitgebrachten Knochensäge den noch lebenden Reporter auf dem Privatschreibtisch des Konsuls zu zerteilen. "Macht das draußen, ihr werdet mir Probleme bereiten." Daraufhin habe ihm ein Mann erwidert: "Wenn du leben willst, wenn du nach Saudi-Arabien zurückkehrst, sei still." Al-Otaibi verließ am Dienstag Istanbul in Richtung Riad. 

Unterdessen hat ein wichtiger saudischer Geistlicher dazu aufgefordert, zur Königsfamilie zu stehen, egal ob sie verantwortlich sei für die Tötung Khashoggis oder nicht. Für jeden Schaden, der dem Königshaus zugefügt werde, müsse die gesamte arabische Welt den Preis zahlen, schrieb Dr. Mohamed Saidi an seine fast eine Million Twitter-Follower.

Suche nach Spuren abgeschlossen

Am Donnerstagmorgen meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, dass die türkischen Ermittler die Suche nach Spuren des vermissten saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat sowie in der Residenz des Konsuls abgeschlossen haben.



Alle Beamten hätten am frühen Morgen sowohl das Gelände des Konsulats als auch das der Residenz des Konsuls verlassen. Zu Ergebnissen der Suche gab es zunächst keine Angaben.

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