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Bestattung in Medina: Khashoggis Söhne fordern Herausgabe des Leichnams

Khashoggis Söhne bei CNN  

"Warte darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen"

05.11.2018, 11:35 Uhr | dpa, aj

Die Bilder der Überwachungskameras im Fall des getöteten Journalisten Khashoggi

Ein Fall wie in einem Agenten-Thriller – der Realität zu sein scheint und unvorstellbare Ausmaße angenommen hat.

Der Fall Khashoggi: Das sind die Bilder der Überwachungskameras im Fall des getöteten Journalisten. (Quelle: t-online.de)


Gut vier Wochen nach dem gewaltsamen Tod von Jamal Khashoggi melden sich nun seine Söhne zu Wort. Sie warten noch immer auf Klarheit – und betonen dabei ihr Vertrauen in den saudischen Kronprinzen.

Die Söhne des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben Riad aufgefordert, ihnen den Leichnam ihres Vaters zu übergeben. Sie wollten ihren Vater auf einem Friedhof im saudi-arabischen Medina beisetzen, auf dem auch andere Familienangehörige bestattet sind, sagte Salah Khashoggi dem US-Nachrichtensender CNN in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview. "Ich habe darüber mit den saudi-arabischen Behörden gesprochen und ich hoffe, dass es bald passiert."

Noch immer kämpfe die Familie mit der quälenden Ungewissheit, was wirklich im saudischen Generalkonsulat in Istanbul geschah. "Ich warte einfach darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen", sagte Khashoggis Sohn Salah in einem am Sonntagabend veröffentlichten CNN-Interview. Sein Bruder Abdullah sagte dem US-Sender: "Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war – oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb."

Bisherige Berichte und Behördenerklärungen zum Schicksal Khashoggis geben dieser Hoffnung wenig Nahrung. Eindeutig fest steht nur, dass er am 2. Oktober in das Konsulat in Istanbul ging, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen – und danach nicht mehr auftauchte.

Riad änderte Version von Khashoggis Tod mehrfach

Ursprünglich hatten die Behörden in Riad abgestritten, etwas mit seinem Verschwinden zu tun zu haben. Später hieß es, der 59-Jährige sei bei einer Schlägerei in der diplomatischen Vertretung ums Leben gekommen. Nun stützt auch die Staatsanwaltschaft in Riad die These eines Mordes. 18 Verdächtige wurden in Saudi-Arabien festgenommen. Die Türkei fordert ihre Auslieferung. Khashoggi war ein Kritiker des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Dieser hat bestritten, irgendetwas mit der Tat zu tun zu haben.

Nach Darstellung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde der Mord an dem Regierungskritiker von höchster Stelle der saudi-arabischen Führung angeordnet. Erdogan schrieb in einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag für die "Washington Post", er glaube allerdings "keine Sekunde lang", dass der Mordauftrag von König Salman ausgegangen sei. Er beschuldigte auch den De-facto-Machthaber Kronprinz bin Salman nicht direkt.

Salah Khashoggi: Habe Vertrauen in das Versprechen Riads

Nach jüngsten Angaben der Istanbuler Staatsanwaltschaft wurde Khashoggi unmittelbar nach dem Betreten des Konsulats in Istanbul erwürgt. Ein Erdogan-Berater sagte der Tageszeitung "Hürriyet", die Leiche des Journalisten sei zerstückelt und in Säure aufgelöst worden.


Viele sehen in dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman den Verantwortlichen hinter Khashoggis Tod. Salah Khashoggi hatte den Kronprinzen am 24. Oktober in Riad getroffen. Das Foto der beiden beim Händeschütteln sorgte für internationales Aufsehen. "Sie haben die ganze Situation überbewertet", sagte Salah Khashoggi dazu in dem Interview. Der saudische König Salman habe betont, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. "Und ich vertraue darauf. Das wird passieren. Ansonsten hätten die Saudis keine interne Untersuchung eingeleitet."

Salah Khashoggi (l.) mit Mohammed bin Salman. (Quelle: Reuters/Archivbild)Salah Khashoggi (l.) mit Mohammed bin Salman. (Quelle: Archivbild/Reuters)

UN-Menschenrechtsrat prüft die Lage in Saudi-Arabien

Die Regierung von Saudi-Arabien muss am heutigen Montag außerdem vor dem Menschenrechtsrat in Genf Rede und Antwort stehen.

Es geht um eine Prüfung der Menschenrechtslage, wie sie alle Länder regelmäßig durchlaufen müssen. Der Termin stand lange vor der Ermordung Khashoggis im saudischen Konsulat in Istanbul fest.

Das Land berichtet vor dem Rat über seine Fortschritte in Sachen Menschenrechte. Die anderen Länder können anschließend Fragen stellen und den Fall Khashoggi dabei zur Sprache bringen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte vor wenigen Tagen Zweifel an einer unabhängigen saudischen Untersuchung genährt und die Beteiligung internationaler Experten gefordert.

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