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Chronik im Fall Jamal Khashoggi (†): Die Geschehnisse im Überblick

Chronik im Fall Khashoggi  

Wie Saudi-Arabien immer weitere Todes-Versionen verbreitete

26.10.2018, 08:45 Uhr | dpa, rtr

Saudischer Regierungsvertreter schildert neue Version im Fall Khaschoggi (Screenshot: Reuters)
Saudischer Regierungsvertreter schildert neue Version im Fall Khashoggi

Die Leiche sei in einen Teppich eingewickelt und in einem Auto des Konsulats weggeschafft worden.

Der Fall Khashoggi: Saudischer Regierungsvertreter schildert neue Version. (Quelle: Reuters)


Drei Wochen nach dem Tod des Journalisten Jamal Khashoggi sind viele Fragen noch immer ungeklärt. Der Fall hat eine diplomatische Krise ausgelöst. Das saudische Königshaus steht am Pranger. Ein Überblick. 

Saudi-Arabien hat Mitte Oktober die Tötung des prominenten Dissidenten und Journalisten Jamal Khashoggi eingestanden. Nachdem Riad zunächst erklärte, der 59-Jährige sei nach einer Auseinandersetzung im Konsulat des Königreichs in Istanbul gestorben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft inzwischen, Khashoggi sei vorsätzlich getötet worden. Sie lenkte damit auf die Linie der türkischen Ermittler ein, die schon länger von Mord sprachen. Eine Chronologie der letzten Wochen.

2. Oktober: Khashoggi, Kritiker des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, betritt das saudische Konsulat in Istanbul, um Dokumente für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Diese wartet vergeblich auf seine Rückkehr.

3. Oktober: Die Verlobte und die "Washington Post", für die Kashoggi als Kolumnist schrieb, melden ihn als vermisst.

4. Oktober: Saudische Behörden behaupten, Khashoggi sei verschwunden, nachdem er das Konsulatsgebäude verlassen habe. Das türkische Außenministerium beruft den saudischen Botschafter wegen des Verschwindens ein.

5. Oktober: Die "Washington Post", in der Kashoggi regelmäßig schrieb, druckt aus Solidarität eine leere Kolumne auf der Meinungsseite, mit der Überschrift "Eine Stimme, die fehlt".

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman: Viele zweifeln daran, dass er von nichts gewusst haben will. (Quelle: Reuters/Charles Platiau)Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman: Viele zweifeln daran, dass er von nichts gewusst haben will. (Quelle: Charles Platiau/Reuters)

6. Oktober: Die Türkei leitet formelle Ermittlungen zum Verschwinden Khashoggis ein. Prinz Mohammed bin Salman gibt an, Khashoggi sei nicht im Konsulat, und bietet den türkischen Behörden an, das Gebäude zu durchsuchen. "Wir haben nichts zu verbergen", sagt er in einem Interview.

7. Oktober: Ein enger Freund Khashoggis sagt der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf vertrauliche Informationen der türkischen Polizei, der Journalist sei im Konsulat getötet und zerstückelt worden.

9. Oktober: US-Präsident Donald Trump sagt, er sei "besorgt". US-Außenminister Mike Pompeo ruft Saudi-Arabien auf, eine "gründliche Untersuchung" durchzuführen.

10. Oktober: Türkische Medien veröffentlichen Material über ein angebliches saudisches Mordkommando, das nach Istanbul gereist sei, um Khashoggi umzubringen.

12. Oktober: Ein Team aus Saudi-Arabien kommt in Ankara an, um zusammen mit türkischen Ermittlern das Verschwinden Khashoggis zu untersuchen. Das Königreich gerät immer stärker unter internationalen Druck, sich zu erklären.

14. Oktober: Trump kündigt eine "harte Bestrafung" an, sollte sich herausstellen, dass die Führung in Riad hinter Khashoggis Verschwinden stecken.

15. Oktober: Türkische Ermittler beginnen, das Konsulat in Istanbul nach Beweisen für das Verschwinden des Journalisten zu durchsuchen.

US-Außenminister Mike Pompeo, Außenminister aus den USA, in Ankara.  (Quelle: dpa/Cem Ozdel/pool Turkish Foreign Ministry Press Service)US-Außenminister Mike Pompeo, Außenminister aus den USA, in Ankara. (Quelle: Cem Ozdel/pool Turkish Foreign Ministry Press Service/dpa)

16. Oktober: US-Außenminister Pompeo trifft König Salman in Riad. Der US-Diplomat fliegt danach in die Türkei und trifft Präsident Recep Tayyip Erdogan.

17. Oktober: Türkische Ermittler durchsuchen die Residenz des saudischen Botschafters in Istanbul.

Türkische Polizeibeamte durchsuchen die Residenz des Konsuls in Istanbul nach Spuren des vermissten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. (Quelle: dpa/Petros Giannakouris)Türkische Polizeibeamte durchsuchen die Residenz des Konsuls in Istanbul nach Spuren des vermissten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. (Quelle: Petros Giannakouris/dpa)

18. Oktober: US-Finanzminister Steven Mnuchin sagt seine Teilnahme an einer großen Investoren-Konferenz in Riad ab. Er reiht sich damit in eine große Zahl von Politikern und Wirtschaftsvertretern ein, die die Veranstaltung boykottieren.

20. Oktober: Saudi-Arabien räumt den Tod Khashoggis im saudischen Konsulat ein, spricht von einem "Faustkampf" im Konsulat. König Salman entlässt mehrere Geheimdienstler und einen Hofberater, der dem Kronprinzen nahesteht.

21. Oktober: Ein saudischer Regierungsbeamter schildert, Khashoggi starb nicht bei einem Faustkampf. Er soll erwürgt worden sein. Kanzlerin Angela Merkel schließt vorerst weitere Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien aus.

23. Oktober: Der türkische Präsident Erdogan nennt den Tod Khashoggis einen "barbarischen geplanten Mord". Einen Bericht vom Fund von Teilen der Leiche des Journalisten dementieren türkische Behörden. Die USA erlassen eine Einreisesperre gegen 21 Saudis.

24. Oktober: CIA-Chefin Gina Haspel soll in Ankara eine Tonaufnahme von der Ermordung Khashoggis vorgespielt worden sein. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman äußert sich erstmals öffentlich zum Tod des Journalisten und spricht von einem abscheulichen Verbrechen.

25. Oktober: Saudi-Arabien ändert erneut seine Version der Ereignisse im Istanbuler Konsulat am 2. Oktober. Die Generalstaatsanwaltschaft des Königreichs spricht nun auch von einer vorsätzlichen Tötung.

Hinweis: In früheren Artikeln wurde der Name des verschwundenen saudischen Journalisten entsprechend der deutschen Transkriptionsregel Dschamal Chaschukdschi geschrieben. Wegen der hõheren Verbreitung der international gebräuchlichen Transkription haben wir uns in diesem Fall – wie die Deutsche Presse-Agentur – inzwischen für die Schreibweise Jamal Khashoggi entschieden.

Verwendete Quellen:
  • dpa, Reuters

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