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Taliban-Vormarsch in Afghanistan: EU warnt vor "massiven Migrationsfluss"


Vormarsch der Taliban
EU warnt vor "massiven Migrationsfluss" aus Afghanistan

Von afp, rtr, dpa, mam

10.08.2021Lesedauer: 3 Min.
Geflüchtete Familien aus den nördlichen Provinzen Afghanistans: Die EU befürchtet, dass es zu einem Bürgerkrieg kommen könnte.Vergrößern des BildesGeflüchtete Familien aus den nördlichen Provinzen Afghanistans: Die EU befürchtet, dass es zu einem Bürgerkrieg kommen könnte. (Quelle: Stringer/Reuters-bilder)
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Die Taliban haben eine weitere Provinzhauptstadt Afghanistans erobert. Inzwischen kontrollieren sie fast zwei Drittel des ganzen Landes. Zehntausende Menschen flüchten vor der gewaltbereiten Terrorgruppe.

Die Europäische Union (EU) warnt vor einem weiteren Vormarsch der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan. Die Extremisten kontrollierten bereits 65 Prozent der Landesfläche, sagte ein hochrangiger EU-Vertreter am Dienstag. Es gelte, einen Bürgerkrieg in dem Land zu verhindern. Ein solcher könnte auch dazu führen, dass es zu einem "massiven Migrationsfluss" komme oder in Afghanistan noch mehr Drogen produziert werden, sagte der EU-Vertreter.

Die Taliban haben seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen in den vergangenen Wochen immer mehr Gebiete erobert. In den vergangenen Tagen waren die Aufständischen in mehrere Provinzhauptstädte vorgerückt. Ihr größter militärischer Erfolg war die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus, die lange Zeit Bundeswehrstandort war. Um drei weitere Hauptstädte, Pol-e-Chomri Faisabad und Masar-i-Scharif, wurde in den vergangenen Tagen ebenfalls heftig gekämpft. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde die Miliz jedoch zurückgeschlagen.

Taliban erobert weitere Provinzhauptstadt

Die indische Regierung hatte ein Militärflugzeug in den Norden Afghanistans geschickt, um seine Bürger aus der Stadt Masar-i-Scharif in die Heimat zurückzufliegen, hieß es aus Regierungskreisen. Dort gab es in der Nacht zum Dienstag Gefechte am Stadtrand. Bereits am Montag hatten die Taliban über soziale Netzwerke angekündigt, die Stadt von vier Seiten aus angreifen zu wollen. Die Bundeswehr hatte ihre letzten Soldaten Ende Juni aus Camp Marmal bei Masar-i-Scharif ausgeflogen.

Masar-i-Scharif ist eine der größten Städte Afghanistans und von großer wirtschaftlicher Bedeutung für das Land. Sollte es der Taliban gelingen die Stadt sowie die Hauptstadt der Provinz Balch, einzunehmen, wäre dies ein harter Schlag für die Regierung. Damit würde Kabul die Kontrolle über den Norden des Landes endgültig verlieren.

Auch die im Westen gelegene Stadt Farah wurde von der Miliz angegriffen, nach Polizeiangaben konnten die Taliban am Vormittag zunächst zurückgedrängt werden. Wenig später sei die Stadt jedoch von der Miliz erobert worden sein, meldeten die Extremisten sowie ein Provinzabgeordneter. "Heute Nachmittag sind die Taliban nach kurzen Kämpfen mit den Sicherheitskräften in die Stadt Farah eingedrungen", sagte Schala Abubar, Mitglied im Provinzrat von Farah, der Nachrichtenagentur AFP. "Sie haben den Gouverneurssitz und das Polizeipräsidium übernommen. Die Sicherheitskräfte haben sich in Richtung eines Armee-Stützpunkts zurückgezogen."

Geflüchtete: "Die Taliban prügeln und plündern"

Der Vormarsch der radikalislamischen Gruppierung hat innerhalb Afghanistans zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Familien flohen aus den kürzlich von der Miliz eroberten Städten in die Hauptstadt Kabul und weitere Großstädte, viele berichteten vom brutalen Vorgehen der Islamisten.

"Die Taliban prügeln und plündern", erzählte Rahima, die nach der Flucht aus der Provinz Scheberghan gemeinsam mit hunderten weiteren Flüchtlingen in einem Park von Kabul campierte. "Wenn es in einer Familie ein junges Mädchen oder eine Witwe gibt, nehmen sie sie mit Gewalt. Wir sind geflohen, um unsere Ehre zu schützen."

Farid, ein Flüchtling aus Kundus, sagte: "Wir sind so erschöpft." Die Miliz konzentriere sich laut den Bewohnern der Stadt derzeit auf Regierungsstreitkräfte, die sich am Flughafen zurückgezogen hatten. "Die Menschen öffnen ihre Läden und Geschäfte wieder, aber man kann immer noch die Angst in ihren Augen sehen", sagte der Ladenbesitzer Habibullah.

US-Außenministerium: "Ein Frieden auf dem Verhandlungswege"

Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 eine strenge Auslegung des islamischen Rechts in Afghanistan eingeführt. Mädchen waren von Bildung, Frauen vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Straftaten wurden mit öffentlichen Auspeitschungen oder Hinrichtungen geahndet.

In der katarischen Hauptstadt Doha berieten am Dienstag Vertreter von Katar, aus den USA, aus China, Großbritannien, Usbekistan, Pakistan, der UNO und der EU über die Lage in Afghanistan. Regierungsvertreter aus Kabul wurden ebenfalls erwartet. Am Mittwoch sollen die Gespräche fortgesetzt werden.

Das US-Außenministerium hatte am Montag erklärt, "ein Frieden auf dem Verhandlungswege ist der einzige Weg zur Beendigung des Krieges". Allerdings erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby auch, es liege in der Hand der afghanischen Regierung und des Militärs, das Blatt zu wenden. Es gebe "nicht viel", was die USA tun könnten. Der Friedensprozess für Afghanistan war im September in Katar angestoßen worden. Die Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban sind jedoch ins Stocken geraten.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters
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