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Intrigen, Kämpfe und Feindschaften: Trumps Haifischbecken - Klimakrise im Weißen Haus

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Intrigen und Kämpfe im Weißen Haus  

Donald Trump duldet keine Verlierer

08.08.2017, 05:50 Uhr | dpa, pdi

Intrigen, Kämpfe und Feindschaften: Trumps Haifischbecken - Klimakrise im Weißen Haus. U.S. Präsident Donald Trump fördert Machtkämpfe im Weißen Haus. (Quelle: Reuters)

U.S. Präsident Donald Trump fördert Machtkämpfe im Weißen Haus. (Quelle: Reuters)

Wer gegen wen im Weißen Haus? Wer hält zu Trump, zu wem steht er? Fraktionen und Flügel, in ihrer Mitte der Präsident – ein offizielles Organigramm hilft in diesen Tagen nicht viel weiter. Der Versuch eines Lageplans.

Nach 200 Tagen der Regierung Donald Trump kann es niemanden wundern, dass dieses Weiße Haus eine Renovierung nötig hat. Es ist zwar nur die Klimaanlage, technisch gesehen. Doch was in diesem Sommer im Sitz des US-Präsidenten der dringenden Reparatur bedarf, dürfte komplexer sein als Probleme von warm und kalt. Unter Trump sind Seilschaften und Schützengräben ungeahnten Ausmaßes entstanden. Dies ist keine Regierungszentrale aus einem Guss. Trumps "Arbeitsurlaub" hin oder her, die Herzkammer der Supermacht hat tiefe innere Risse.

"Der General in seinem Labyrinth": Auf welchen der Trump'schen Ex-Militärs trifft der Titel des Romans von Gabriel García Márquez dieser Tage mehr zu? Der eine ist der neue Stabschef, Ex-General John F. Kelly. Als "Aufräumator" gekommen, soll er die Regierungsarbeit stabilisieren, muss als Externer aber erst mal das Geflecht der Macht verstehen und entwirren. Der andere ist H.R. McMaster, als Ex-General in sechs Monaten Regierung schon Trumps zweiter Sicherheitsberater. Er folgte Michael Flynn – einem weiteren Ex-General.

Chefstratege im Weißen Haus Steven Bannon. (Quelle: Reuters)Chefstratege im Weißen Haus Steven Bannon. (Quelle: Reuters)

Ausgerechnet McMaster musste zuletzt um seine Sicherheit fürchten. Als er aus dem – seinem – nationalen Sicherheitsrat drei Loyalisten des Chefstrategen Steve Bannon entfernte, ritten die sogenannten "Nationalisten" im Weißen Haus eine heftige Attacke gegen ihn, mit externer Unterstützung rechtsgerichteter Medien. Ständig widerspreche er Trump, zersetze dessen Agenda, sei zu international und zu bündnisorientiert ausgerichtet. Das letzte Gerücht: Wenn er die US-Truppen schon so gern in Afghanistan belassen wolle, statt sie abzuziehen, warum er sie dann nicht gleich anführe, also vor Ort?

Steve Bannon wackelt

Kaum im Amt, sprang Stabschef Kelly McMaster bei. Dann kehrte an dieser Front zunächst Ruhe ein. Die reichlich gute Presse über erste Erfolge Kellys wird Trump argwöhnisch verfolgen, will er doch immer selbst unangefochten das Zentrum aller Aufmerksamkeit sein.

Bannon und Stephen Miller werden von US-Medien als die Hauptgegner McMasters beschrieben. Der Chefstratege soll in den vergangenen Monaten ein paar Mal heftig gewackelt haben, agiert aber nach wie vor als eine Art dunkler Lord des Weißen Hauses. Berater Miller wurde zuletzt als Nachfolger des pompösen Anthony Scaramucci gehandelt, als bestallter Kommunikationschef binnen zehn Tagen verglüht. Das Lager Bannon/Miller kennt Berichten zufolge in seiner so rücksichtslosen wie geschickt ins Land verkauften Durchsetzung von Trumps Agenda keine Verwandten. In der Konfiguration des Weißen Hauses ist das aber ein Problem, denn Familienbande gibt es unter Trump ja reichlich.

Ivanka Trump und Jared Kushner, im promiverliebten Amerika als Tochter und Schwiegersohn des Präsidenten zärtlich mit dem glamourösen "Javanka" gestempelt, waren in sechs Monaten Trump schon vieles. Eigentliche Machtachse, die großen Präsidentenbesänftiger, New Yorks liberales Gegengewicht zur rechtsgelagerten Kernmannschaft - nichts davon stimmte wirklich. Ihr Einfluss ist offenkundig begrenzt, und Trumps vielgepriesener Allesberater Kushner kocht ersichtlich auch nur mit Wasser, manchmal sogar mit recht wenig.

Problem: Das Paar zählt zu den "Globalisten", die wie etwa auch Wirtschaftsberater Gary Kohn die USA gerne in Bündnissen verankert lassen wollen. In elektronischer Post wird Kohn von seinen Gegnern mit dem Symbol einer Weltkugel versehen, für die Bannons und Millers ist das in Zeiten von "Amerika zuerst" ein Kampfbegriff. Die Reibefläche "Globalisten" gegen "Nationalisten" gehört im Weißen Haus zu den größten und rauesten.

Die Tochter des US-Präsidenten, Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner. (Quelle: dpa)Die Tochter des US-Präsidenten, Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner. (Quelle: dpa)

Schon als Geschäftsmann war Trump dafür bekannt, Zwist unter sich bewusst zu erzeugen, möge der Stärkere gewinnen. Mit Verlierern konnte schon der Milliardär nichts anfangen, daran hat sich als Regent nichts geändert. Die Berichte in "New York Times", Politico, "Washington Post" oder Axios über das Weiße Haus als Schlangengrube, Haifischbecken, Raubtiergehege oder Piranhabecken sind Legion. Trump sieht sein Haus als "gut geölte Maschine".

Kampf gegen Trump?

Zu all den Gruppen und Anführern dieses massiven Gegeneinanders gesellen sich Einzelne aus dem weitverzweigten Regierungsapparat. So verschieden ihre Interessen sein mögen, eines eint sie: Der Kampf gegen Trump. Anders lässt sich der stete Fluss durchgestochener vertraulicher Informationen nicht erklären. Die US-Regierung hat diesem "Leaken" soeben den verschärften Kampf angesagt. Ob das dem belagerten Präsidenten hilft, kann noch nicht gesagt werden.

Kann Ex-General Kelly diese Schlachtordnung befrieden? Ohne den Chef sicher nicht. Trump aber wechselt Koalitionen, Sympathien und Interessen weiter nach Belieben. Auch aus dem Urlaub heraus twittert er, als gäbe es kein Morgen. Auch wenn der West Wing fertig renoviert sein wird - mit seinem Binnenklima wird das Weiße Haus weiter reichlich zu tun haben.

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