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Trump kritisiert Fed-Chef: Powell "hat uns im Stich gelassen"

Leitzins erstmals seit 2008 gesenkt  

Trump kritisiert Fed-Chef: Powell "hat uns im Stich gelassen"

31.07.2019, 23:55 Uhr | rtr, dpa, dru, aj

Trump kritisiert Fed-Chef: Powell "hat uns im Stich gelassen". Donald Trump: Der US-Präsident hat die Leitzinssenkung der Fed als unzureichend kritisiert. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Donald Trump: Der US-Präsident hat die Leitzinssenkung der Fed als unzureichend kritisiert. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Der Schritt kommt nicht überraschend – und ist dennoch historisch. Erstmals seit 2008 senkt die US-Notenbank Fed wieder ihren Leitzins. US-Präsident Trump reicht das aber nicht aus.

Erstmals seit der globalen Finanzkrise vor rund einem Jahrzehnt hat die US-Notenbank ihren Leitzins wieder gesenkt. Die Federal Reserve (Fed) senkte den Zinssatz am Mittwoch erwartungsgemäß um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. Angesichts anhaltender Handelskonflikte und des langsameren globalen Wirtschaftswachstums signalisierte die Zentralbank auch die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen.

Fed-Chef Jerome Powell erklärte, es gehe darum, "angemessen zu handeln", um den Aufschwung der US-Wirtschaft "zu erhalten". Zugleich kündigte er an, die Drosselung des Anleihenprogramms der Notenbank schon im August zu beenden, zwei Monate früher als geplant. 

US-Präsident Donald Trump warf dem Chef der US-Notenbank Fed dagegen vor, das Land mit seiner Leitzinssenkung um ein Viertel Prozent im Stich gelassen zu haben. "Was der Markt hören wollte von Jay Powell und der Fed war, dass dies der Beginn eines langatmigen und aggressiven Zins-Kürzungs-Zyklus werden sollte, damit wir Schritt halten können mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern auf der Welt", twitterte Trump wenige Stunden nachdem die Fed die Zinssenkung bekannt gegeben hatte.

Trumps Politik als größte Belastung

Die von der Notenbank eingeleitete Zinswende dürfte der Börse und der US-Wirtschaft trotz Trumps Kritik neuen Schwung verleihen. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China, den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, hatte die globalen Wachstumsaussichten zuletzt ausgebremst. Zudem belasten Erwägungen der Trump-Regierung, Strafzölle auf den Import von Autos aus der EU zu verhängen.

Fed-Chef Powell ließ die von Trump angezettelten Handelskonflikte bei seiner Pressekonferenz nicht unerwähnt. "Die von Handelsfragen bestimmte Unsicherheit war größer als erwartet", sagte er. Die Zinsentscheidung sei in gewisser Weise eine Absicherung gegen globale Risiken. "Wir gucken uns die globale Wirtschaft genau an. Wir gucken uns auch den Handel genau an."

Fed-Chef Jerome Powell: Erste US-Leitzinssenkung seit über zehn Jahren. (Quelle: Reuters/Archivbild/Leah Millis)Fed-Chef Jerome Powell: Erste US-Leitzinssenkung seit über zehn Jahren. (Quelle: Archivbild/Leah Millis/Reuters)

Powell bezeichnete die US-Konjunktur als weiterhin robust. Abgesehen von den globalen Gegebenheiten gebe es nach seiner Einschätzung kurzfristig keine Risikofaktoren. Er machte zugleich klar, dass die Zinssenkung wahrscheinlich weder ein alleinstehendes Ereignis noch der Beginn einer "langen Serie von Absenkungen" sein werde. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.

Kurswechel in der Zinspolitik?

Die Entscheidung der Fed markiert eine zinspolitische Zäsur: Im Zuge der verheerenden globalen Finanzkrise 2008/2009 senkte die Notenbank die Zinsen aggressiv, um die Wirtschaft zu stabilisieren. 2015 begann sie, den Leitzins wieder sukzessive zu erhöhen. Allein im vergangen Jahr gab es vier Erhöhungen.

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für Schuldendienst ausgeben müssen und damit mehr Einkommen zur Verfügung haben.

Mit der Zinssenkung kam die unabhängige Notenbank wohl auch ein stückweit Präsident Trump entgegen, auch wenn Fed-Chef Powell dies ausdrücklich zurückwies. Trump hatte seit Monaten öffentlich harsche Kritik am Kurs der Notenbank geäußert und niedrigere Zinsen gefordert. Die Fed bezeichnete er als "völlig ahnungslos" und als "hartnäckigstes Problem" der US-Wirtschaft. Noch am Dienstag hatte er die Notenbank angesichts der erwarteten leichten Senkung des Leitzinses zu einem größeren Einschnitt aufgefordert.
 

 
Die US-Arbeitslosenquote lag im Juni bei nur 3,7 Prozent. Das Wachstum der Wirtschaft ist noch robust, verlangsamt sich aber. Die Inflation indes liegt unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Einige Analysten hatten daher argumentiert, es brauche eine größere Zinssenkung um 0,5 Prozent, um Inflation und Wirtschaft anzuheizen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters

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