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Donald Trumps Anhänger in Kentucky: Gott, Waffen und der US-Präsident

Ortsbesuch in Kentucky  

Gott, Waffen und Trump

Donald Trumps Anhänger in Kentucky: Gott, Waffen und der US-Präsident. Trump-Anhängerinnen in Kentucky: Die Verteidigungstaktik verfängt. (Quelle: AP/dpa/Susan Walsh)

Trump-Anhängerinnen in Kentucky: Die Verteidigungstaktik verfängt. (Quelle: Susan Walsh/AP/dpa)

In Washington steht Trump unter extremem Druck – nun sucht er den Kontakt zur seiner Wählerbasis. Die hat ihre ganz eigene Sicht auf die Impeachment-Krise.

Donald Trump stehe in seinem Leben ganz oben, sagt der kräftige Mann. "Das ist die Reihenfolge meiner Prioritäten: Ich bete jeden Abend zu Gott, ich schätze meine Waffen, und Gott möge Donald Trump segnen." Gott, Waffen und Trump, so steht es auf dem blauen T-Shirt, das John Charles an diesem sonnigen Herbsttag trägt.

Für Charles ist der Tag gekommen, um seinem Präsidenten Solidarität zu zeigen. Er hat einen Tag Urlaub vom Job in einer Lebensmittelfabrik genommen, um Trump zu erleben, der in seinem Heimatstaat Kentucky einen Wahlkampfauftritt abhält. "Das ist doch eine Farce", sagt er zu dem, was sie mit Trump in Washington machen würde. "Sie wollen ihn des Amtes entheben? Aber weswegen denn bitteschön?"

In Washington ist aus der Ukraine-Affäre längst Trumps größte Krise geworden. Er ist jetzt der erst vierte Präsident, gegen den das Repräsentantenhaus eine Untersuchung zur Amtsenthebung durchführt. Kaum jemand zweifelt daran, dass es Trump auch anklagen wird. 

Die belastenden Indizien, die einen Amtsmissbrauch nahelegen, haben sich in den vergangenen Wochen rasch gemehrt – und nun werden auch noch die Protokolle der Befragungen hinter verschlossenen Türen öffentlich. Zudem sollen bald schon öffentliche Aussagen folgen, die die Nation im TV verfolgen kann.

Trumps Verteidigungsstrategie verfängt

In Washington steht Trump also unter erheblichem Druck. Er reagiert unter anderem damit, in diesen Wochen mehr Wahlkampfveranstaltungen im Land abzuhalten als zuletzt. In Lexington, Kentucky, wo er am Montagabend auftritt, ist Trump nicht der Übeltäter, sondern das Opfer einer Intrige.

Wer sich mit seinen Anhängern dort unterhält, merkt, wie Trumps Verteidigungsstrategie verfängt. Die Treue zu Trump kann der Ukraine-Skandal dort kaum erschüttern.

Den Staat Kentucky gewann der Präsident bei der Wahl 2016 mit 62 Prozent der Stimmen – das fünftbeste Ergebnis in der Nation. Nun stehen Hunderte schon seit den Morgenstunden auf einem Parkplatz für die 19-Uhr-Veranstaltung an, viele tragen T-Shirts, auf denen "Trump 2020" steht – das Projekt Wiederwahl.

Dort kann Charles, der kräftige Mann im "Gott, Waffen und Trump"-Shirt, kein Fehlverhalten des Präsidenten erkennen. "Ich habe das Transkript gelesen, ich habe darin nichts Verwerfliches entdecken können." 

Trump-Anhänger John Charles: "Eine Farce." (Quelle: Fabian Reinbold)Trump-Anhänger John Charles: "Eine Farce." (Quelle: Fabian Reinbold)

Charles meint die Zusammenfassung des Telefonats zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymr Selenskij vom 25. Juli, das im Zentrum der Affäre steht. Dieses Memorandum zeigt immerhin, dass Trump Selenskij ausdrücklich dazu ermutigte, Ermittlungen gegen die Demokraten und seinen möglichen Gegenkandidaten bei den kommenden Präsidentschaftswahlen, Ex-Vizepräsident Biden, einzuleiten. Doch Trump behauptet, es zeige keinerlei direkte Absprache eines "Quid pro quo". 

Die Rolle des Transkripts

Es ist kein Zufall, dass Charles das Transkript erwähnt, schließlich ist dies ein zentraler Pfeiler von Trumps Verteidigungstaktik. Bei Trumps Auftritt in einer Basketballarena in Lexington werden hinter dem Präsidenten ein Dutzend Leute drapiert, die einen neuen Slogan auf dem T-Shirt tragen. "Read the transcript," heißt es auch hier. Soll bedeuten: Lest das Memorandum, und ihr werdet erkennen, hier gibt es nichts zu sehen.

So einfach ist es indes nicht. Vergangene Woche gab ein Offizier aus dem Weißen Haus vor dem Kongress an, dass dort problematische Informationen herausgestrichen worden seien. Und zudem gibt es noch zahlreiche andere belastende Indizien. Doch diese Themen interessieren Trumps Anhänger nur bedingt.

Interessieren Sie sich für US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Stattdessen greifen sie gern Trumps weitere Argumente auf: nämlich dass Biden selbst korrupt sei und die Demokraten den Skandal nur vorschöben, um ihn aus dem Amt zu befördern.

"Die schäumen noch über 2016"

Bill Snapp, ein freundlicher Rentner, der gerade seine erste Trump-Wahlkampfveranstaltung besucht, betont, dass der Präsident doch mit der Ukraine nur der Korruption Bidens auf den Grund habe gehen wollen. Zur Motivation der Demokraten, eine Impeachment-Untersuchung durchzuführen, sagt er: "Die schäumen noch immer über das Wahlergebnis 2016, und jetzt kommen sie mit diesem Trick um die Ecke, um ihn aus dem Amt zu entfernen."

Trump wird dieses Argument später ganz ähnlich vorformulieren. Die Demokraten versuchten, "die Wahlentscheidungen von 63 Millionen Menschen zu annullieren", sagt er unter Verweis auf die Zahl seiner Wähler im Jahr 2016.

Trumps Verteidigungsstrategie verfängt also bei seinen Anhängern. 

Eine zornige Mehrheit?

In seiner Rede muss Trump gar nicht groß auf die Untersuchung und die Ukraine-Affäre eingehen. Er sagt lediglich, der Schachzug der Demokraten im Kongress habe "eine zornige Mehrheit geschaffen, die die nichts tuenden Demokraten abwählen" werde.

Eine Mehrheit ist es wohl nicht. Laut den aktuellen Umfragen ist die Hälfte der Amerikaner dafür, den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Doch unter seinen Anhängern hat die Untersuchung zu einer Amtsenthebung ganz sicher den Zorn auf die Gegner noch ein bisschen angefacht.
 

 
Auch der freundliche Rentner Snapp äußert sich so. "Die Demokraten wollen, dass wir unsere Meinung über Trump ändern." Aber den Gefallen wolle er ihnen nicht tun, im Gegenteil. "Ich stehe jetzt noch klarer hinter Trump als zuvor."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen vor Ort

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