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Bis zu 27 Millionen könnten Krankenversicherung verlieren

Von dpa
Aktualisiert am 14.05.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Mann mit Schutzmaske in New York: Die Corona-Krise hat vor allem die Menschen in den USA stark getroffen
Ein Mann mit Schutzmaske in New York: Die Corona-Krise hat vor allem die Menschen in den USA stark getroffen. (Quelle: John Marshall Mantel/ imago images)
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Die US-Wirtschaft befindet sich auf Talfahrt. Als Folge der Rekordarbeitslosigkeit verlieren viele Amerikaner ihre Krankenversicherung. Trump macht unterdessen Druck, die Beschränkungen möglichst schnell zu lockern.

Wegen des enormen Anstiegs der Arbeitslosigkeit in den USA könnten einer Studie zufolge fast 27 Millionen Menschen mitten in der Corona-Pandemie ihre Krankenversicherung verlieren. Der Grund dafür ist, dass die meisten Menschen dort über den Arbeitgeber krankenversichert sind, wie eine Studie der Kaiser Family Foundation erklärt. US-Präsident Donald Trump machte unterdessen erneut Druck auf die Bundesstaaten, ihre Corona-Beschränkungen möglichst bald aufzuheben, damit sich die Wirtschaft erholen kann.

Wie könnten Arbeitslose versichert bleiben?

Nach dem Verlust eines Jobs in den USA endet die Krankenversicherung über den Arbeitgeber oft sehr schnell. Viele Arbeitnehmer können es sich dann schlicht nicht leisten, die Police für sich und mitversicherte Familienangehörige privat weiter zu bezahlen. Die am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichte Studie geht allerdings davon aus, dass rund 21 Millionen Menschen nach dem Verlust der Versicherung des Arbeitgebers auf staatliche Hilfe hoffen können, darunter auch rund 6 Millionen mitversicherte Kinder. Wegen bürokratischer Hürden oder ungenügenden Subventionen dürften viele aber trotzdem mitten in der Coronavirus-Pandemie ohne Versicherungsschutz bleiben, hieß es. Zudem hätten rund 6 Millionen Menschen gar keinen Anspruch auf Hilfen.

Wieso ist das Problem in den USA so akut?

In den Vereinigten Staaten haben wegen der Corona-Krise seit März mehr als 33 Millionen Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt. Die USA sind praktisch das einzige entwickelte Industrieland ohne eine allgemeine staatliche Krankenversicherung. Selbst vor der Corona-Krise hatten rund 28 Millionen Menschen – fast jeder Zehnte im Land – keine Krankenversicherung.

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War da nicht was mit Obama?

Unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama wurden die Optionen für eine Krankenversicherung deutlich ausgeweitet. Die Zahl der Menschen ohne Versicherungsschutz hatte 2010 noch bei rund 46 Millionen gelegen. Das neue System, oft einfach "Obamacare" genannt, gekoppelt mit einem langen wirtschaftlichen Aufschwung, ließ die Zahl der unversicherten Amerikaner dann bis 2018 auf 28 Millionen sinken. Doch jetzt steht die Wirtschaft vor einer schweren Rezession. Das werde ein Härtetest für das Obama-Versicherungssystem sein, erklärte die Stiftung. Trump wiederum, der sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt, will die sogenannte "Obamacare" abschaffen.

Interessieren Sie sich für US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Was sagt der Demokrat Biden dazu?

Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, warf Trump vor, selbst angesichts der "größten Gesundheitskrise seit einem Jahrhundert" weiterhin Parteipolitik und die Interessen der Gesundheitslobby über jene der Menschen in Amerika zu stellen. In der Krise dürfe "Obamacare" nicht weiter gestutzt werden, mahnte er. Die 27 Millionen Menschen, die jetzt ihre Versicherung verlieren könnten, seien keine Statistik, erklärte Biden. "Das sind unsere Verwandten, unsere Freunde, unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen, die alle hart gearbeitet haben und sich an die Regeln gehalten haben und jetzt unverschuldet vor katastrophalen Herausforderungen stehen."

Trump drängt auf Lockerungen der Beschränkungen

Schulen und Universitäten in den USA sollten Trump zufolge trotz der Pandemie ab dem Herbst wieder für den Unterricht öffnen. Das neue Schuljahr solle wie geplant losgehen, zumal das Coronavirus "sehr wenig Auswirkungen" auf jüngere Menschen habe, sagte Trump im Weißen Haus. Die Entscheidung zur Lockerung der Corona-Auflagen liege bei den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten, Schulen seien dabei aber wichtig. "Ein Staat ist nicht offen, wenn die Schulen nicht geöffnet sind", sagte Trump. Er will am Donnerstag in den Bundesstaat Pennsylvania reisen, um dort ein Unternehmen zu besuchen, das Schutzausrüstungen für den Gesundheitssektor bereitstellt.

Donald Trump: Der US-Präsident will die Corona-Beschränkungen so schnell wie möglich aufheben.
Donald Trump: Der US-Präsident will die Corona-Beschränkungen so schnell wie möglich aufheben. (Quelle: Doug Mills/ imago images)

Wie ist die Lage in den Bundesstaaten?

Trump macht weiter Druck auf die Gouverneure, die Corona-Auflagen zu lockern. Viele Bundesstaaten haben damit nun begonnen – obwohl die Pandemie in vielen Landesteilen noch gar nicht unter Kontrolle ist. Andere Staaten und Städte, darunter zum Beispiel die Hauptstadt Washington und die stark betroffene Metropole New York, wollen ihre Auflagen aber frühestens im Juni lockern.

Und wie sieht es mit den Infektionen im Weißen Haus aus?

Trump vermisst wegen des Coronavirus seinen Vize. "Ich habe Mike Pence nicht gesehen und ich vermisse ihn", sagte Trump. Pences Pressesprecherin war vergangene Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Test von Pence sei zwar negativ ausgefallen und Pence sei in guter Verfassung, sagte Trump. Dennoch habe man entschieden, dass die beiden eine Weile getrennt voneinander bleiben, "weil man nicht weiß, was mit dieser sehr verrückten und schrecklichen Krankheit passiert", sagte Trump. "Wir sprechen oft am Telefon." Trump zufolge arbeitet Pence weiterhin in seinem Büro, hält aber weitestgehend Abstand zu anderen Leuten. Fotos zeigten, wie Pence am Mittwoch mit Gesichtsmaske am Weißen Haus ankam.

Trump, Pence und Top-Mitarbeiter werden inzwischen täglich mit Hilfe eines Schnelltests auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet. Eine am Mittwoch bekanntgewordene Studie warf jedoch Zweifel an der Zuverlässigkeit des Schnelltests auf. Der Studie aus New York zufolge erkannte der Test vom Typ Abbott ID Now zahlreiche Infektionen nicht.

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Von Lisa Becke
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