US-Präsident mit neuem Ton

Trump: Coronavirus "könnte sich weiter ausbreiten"

22.07.2020, 13:08 Uhr | dpa

Trump rudert kräftig zurück: Der US-Präsident gesteht ein, Corona werde sich schlimmer ausbreiten – und berichtet, wann er selbst "gern" eine Maske trage. (Quelle: t-online.de)

Die USA sind das am stärksten von der Pandemie betroffene Land. Präsident Donald Trump hatte die Gefahr allerdings immer wieder heruntergespielt. Nun scheint er seine Strategie zu ändern.

US-Präsident Donald Trump hat vor einer weiteren Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den Vereinigten Staaten gewarnt. "Es wird wahrscheinlich leider schlimmer werden, bevor es besser wird", sagte er am Dienstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Ich sage das nicht gerne über Dinge, aber so ist es", sagte Trump. Gegenwärtig sei die Lage vor allem im Süden und Westen des Landes problematisch, aber das Virus "könnte sich weiter ausbreiten", warnte Trump.

Die Äußerung des Präsidenten markierte für Trump einen neuen Tonfall

Zuletzt hatte er die Zuspitzung der Lage in Teilen des Landes eher als örtlich begrenztes Problem heruntergespielt und auf eine rasche Wiederöffnung von Wirtschaft und Schulen gedrängt. Die Regierung helfe den betroffenen Bundesstaaten, sagte er. Das Ziel sei es, die Pandemie nicht nur einzudämmen, "sondern sie loszuwerden", sagte er.

Fotoshow: Die Chronik der Pandemie

November/Dezember 2019: In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan treten erstmals Fälle einer unbekannten Lungenerkrankung auf. Am 31. Dezember wird die Weltgesundheitsorganisation informiert. (Quelle: Imaginechina-Tuchong/imago images)

Am 15. Januar gibt es die erste bestätigte Infektion mit dem neuartigen Virus außerhalb Chinas: Ein Fall in Thailand wird bekannt. (Quelle: Chalinee Thirasupa/Reuters)

Am 9. Januar 2020 melden die chinesischen Behörden den ersten Todesfall. Experten identifizieren ein neuartiges Coronavirus als Ursache der Lungenkrankheit. Es stammt wahrscheinlich von einem Fisch- und Wildtiermarkt in Wuhan. (Quelle: Kyodo News/imago images)

Am 21. Januar wird der erste Fall in den USA bekannt. Es handelt sich um einen Mann, der von einer Reise aus Wuhan nach Seattle zurückgekehrt war. (Quelle: David Ryder/Reuters)

Am 24. Januar wird das neuartige Coronavirus in Frankreich nachgewiesen. Damit ist offiziell in Europa angekommen. Später werden Spuren des Erregers jedoch in Abwasserproben aus Norditalien nachgewiesen, die aus dem Dezember stammen. (Quelle: Benoit Tessier/Reuters)

Im Kreis Starnberg wird am 27. Januar die erste Infektion in Deutschland bekannt. Ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto hatte sich bei einer Fortbildung bei einer Kollegin aus Shanghai angesteckt. (Quelle: Michael Dalder/Reuters)

Am 30. Januar erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite". (Quelle: Denis Balibouse/Reuters)

Nachdem mehrere Fälle im Land bekannt wurden, ruft Italien am 31. Januar den Notstand aus. In den kommenden Monaten wird das Land mit am stärksten mit der Krankheit zu kämpfen haben. (Quelle: Guglielmo Mangiapane/Reuters)

Am 11. Februar erhält die neue Lungenerkrankung den Namen Covid-19 von der WHO. Das Virus heißt nun Sars-Cov-2. (Quelle: NEXU Science Communication/Reuters)

Mit Ägypten erreicht das Coronavirus am 14. Februar Afrika. Auf dem Kontinent werden in den folgenden vier Monaten mehr als 200.000 Fälle nachgewiesen, 5.600 Infizierte sterben. (Quelle: Amr Abdallah Dalsh/Reuters)

Am 15. Februar meldet Frankreich einen Todesfall – es ist der erste Corona-Tote in Europa. (Quelle: Gonzalo Fuentes/Reuters)

Ab dem 23. Februar ergreift Italien drastische Maßnahmen: Städte im Norden des Landes werden abgeriegelt. (Quelle: Manuel Silvestri/Reuters)

Am 8. März wird bekannt, dass ein Deutscher in Ägypten an seiner Corona-Infektion gestorben ist. Der Urlauber ist der erste deutsche Corona-Tote. (Quelle: Mohamed Abd El Ghany/Reuters)

Am 9. März gibt Nordrhein-Westfalen bekannt, dass zwei Corona-Patienten verstorben sind. Zum ersten Mal sind damit in Deutschland Menschen an Covid-19 gestorben. Einer von ihnen kam aus dem Kreis Heinsberg – hier entwickelt sich der erste deutsche Hotspot. (Quelle: CHROMORANGE/imago images)

Mit Bekanntwerden eines Corona-Falls in Sachsen-Anhalt am 10. März sind alle deutschen Bundesländer betroffen. In den nächsten Wochen beginnen immer mehr Menschen, Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs zu hamstern. Zeitgleich weitet Italien die Sperrzone vom Norden auf das ganze Land aus. (Quelle: Steffen Schellhorn/imago images)

Ab dem 11. März spricht die WHO offiziell von einer Pandemie. Zu diesem Zeitpunkt sind Fälle in 115 Ländern bekannt. (Quelle: Lindsey Wasson/Reuters)

Die für den Sommer 2020 geplante Europameisterschaft wird am 17. März um ein Jahr verschoben. Später werden auch die Olympischen Spiele in Tokio verlegt. Der Sport kommt in den folgenden Monaten weltweit zum Erliegen. (Quelle: Alexander Demianchuk/TASS/imago images)

Am 18. März gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum ersten Mal eine Fernsehansprache abgesehen von den traditionellen Neujahrsansprachen. Sie mahnt zu Solidarität und Disziplin. (Quelle: IPON/imago images)

News Bilder des Tages Ponte San Pietro Bergamo. Mortuary Chamber of the Ponte San Pietro Hospital in the Province of Ber (Quelle: Independent Photo Agency Int./imago images)

Am 22. März werden zur Eindämmung der Infektionsgefahr in Deutschland zwischenzeitlich Ansammlungen von mehr als zwei Personen aus verschiedenen Haushalten verboten. Tags darauf zieht die britische Regierung mit ähnlich weitreichenden Ausgangsbeschränkungen nach. (Quelle: MiS/imago images)

May 18, 2020, New York, New York, United States of America: View from The Oculus WTC, the station that connects New York (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Am 6. April muss der britische Premierminister Boris Johnson wegen seiner Covid-19-Erkrankung für drei Tage auf die Intensivstation. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Am 9. April schnürt die Europäische Union ein Corona-Rettungspaket mit Kredithilfen von etwa einer halben Billion Euro für Kurzarbeiter, Unternehmen und verschuldete Staaten. Ein EU-Gipfel billigt das erste Hilfspaket am 23. April. (Quelle: Hans Lucas/imago images)

Am 7. April meldet China erstmals seit Ausbruch der Pandemie keine neuen Corona-Toten. Am Folgetag wird nach mehr als zweieinhalb Monaten ab Mitternacht (Ortszeit) die Abriegelung Wuhans komplett aufgehoben. In Deutschland sind zu diesem Zeitpunkt mehr als 100.000 Infektionen nachgewiesen. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Am 10. April begeht Papst Franziskus Karfreitag und die folgenden Osterfeierlichkeiten weitgehend allein im Vatikan. Weltweit lauschen die Menschen seinen Worten via Videoübertragung. (Quelle: UPI Photo/imago images)

Am 14. April stoppen die USA ihre Beitragszahlungen an die WHO, weil sie nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump unter anderem den Corona-Ausbruch vertuscht haben soll. Ende Mai beendet er die Zusammenarbeit. (Quelle: MediaPunch/imago images)

Corona-Krise: Deutschland erweitert Luftbrücke für Urlauber - größte Rückholaktion in der Geschichte, Barbados, GRANTLE (Quelle: localpic/imago images)

June 18, 2020, Malaga, Spain: Cyclist are seen riding at sunset along the walk Muelle Uno during eased restrictions..Mos (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Am 22. Mai löst Brasilien mit mehr als 330.000 Infizierten Russland auf Platz zwei nach den USA ab. Ab 13. Juni steht das südamerikanische Land mit rund 42.000 Toten auch bei den Totenzahlen hinter den USA auf Platz zwei. Am 28. Mai wird in den USA die Marke von 100.000 coronainfizierten Toten überschritten. (Quelle: Agencia EFE/imago images)

Am 27. Mai schlägt die EU-Kommission ein 750 Milliarden Euro schweres Programm zur wirtschaftlichen Erholung Europas vor. Doch unter den 27 EU-Staaten gibt es Streit – etwa über das Volumen, das Verhältnis zwischen Zuschüssen und Krediten oder die Verteilung des Geldes. (Quelle: Xinhua/imago images)

Am 3. Juni beschließen die Koalitionsspitzen zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft ein Konjunkturpaket von 130 Milliarden Euro für die Jahre 2020 und 2021. (Quelle: Bildgehege/imago images)

Coronavirus - Quarantänezone in der Stadt Verl (Quelle: dpa)

Ab dem 16. Juni ist in Deutschland die lange erwartete Corona-Warn-App verfügbar. Die Kritik fällt überwiegend positiv aus, Millionen Menschen laden sich die App herunter. Chinas Hauptstadt Peking kontrolliert nach einem erneuten Corona-Ausbruch auf einem Großmarkt wieder die Ein- und Ausreisen. (Quelle: Michael Weber/imago images)

Werkverträge und Leiharbeit sollen vom kommenden Jahr an in der Fleischindustrie verboten sein. Die Bundesregierung bringt am 27. Juli Regierungskreisen zufolge einen entsprechenden Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf den Weg. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Am 1. August sind Tausende Menschen in Berlin zu einer Großdemonstration gegen Corona-Einschränkungen zusammen gekommen. Der Protest muss von Polizisten aufgelöst werden. (Quelle: Müller-Stauffenberg/imago images)

Am 13. August wird bekannt, dass Tausende Menschen in Bayern keine Testergebnisse übermittelt bekommen haben. Darunter 908 Infizierte. Ministerpräsident Söder entschuldigt sich für diese enorme Panne öffentlich. (Quelle: Sammy Minkoff)

Am 16. September registrierte Deutschland das erste Mal seit April wieder über 20.000 Neuinfektionen pro Tag. Die Kurve begann erneut zu steigen. (Quelle: ActionPictures/imago images)

Anfang Oktober sind die Zahlen so hoch, dass sich Bund und Länder auf erneute Einschränkungen einigt. Darunter auch eine Sperrstunde ab 23 für die Gastronomie. (Quelle: Seeliger/imago images)

Ende Oktober einigen sich Bund und Länder auf einen Teil-Lockdown, der für den November gelten sollte. Die Gastronomie- und Touristenbranche musste schließen, zudem wurden härtere Kontaktbeschränkungen beschlossen. Am Laufen gehalten werden, sollte hingegen die Wirtschaft. (Quelle: Bildgehege/imago images)

Großbritannien beginnt am 8. Dezember bereits mit der Impfung. Die 90-jährige Margaret Keenan ist die erste Britin, die den Impfstoff erhält. (Quelle: Jacob King/dpa)

Fast zeitgleich mit Moderna beantragt Biontech und Pfizer am 1. Dezember die EU-Zulassung des Corona-Impfstoffes in der EU. (Quelle: Hans Lucas/imago images)

Da die Infektionszahlen nicht sinken beschließen Bund und Länder am 2. Dezember eine Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 10. Januar. Nur über Weihnachten wurden Lockerungen angekündigt. (Quelle: Olaf Döring/imago images)

Am 13. Dezember einigen sich Bund und Länder auf einen harten Lockdown. Geschlossen werden bis zum 10. Januar Gastronomie, Einzelhandel, Kultureinrichtungen und Schulen. 1,3 Millionen Menschen haben sich bislang mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 22.000 Menschen sind an der Infektion gestoben. (Quelle: Fotostand/imago images)

In den USA haben die Behörden in den vergangenen zwei Wochen zwischen 60.000 und 77.000 Neuinfektionen sowie Hunderte Todesfälle gemeldet. Betroffen sind vor allem die Bundesstaaten Florida, Georgia, Texas, Arizona und Kalifornien. Trump bezeichnete den jüngsten Anstieg als "besorgniserregend". Experten zufolge ist die Pandemie in den betroffenen Gebieten inzwischen völlig außer Kontrolle. Auch andere Bundesstaaten melden seit Tagen eine Zunahme an Neuinfektionen.

Trump will dennoch keine Verantwortung übernehmen

Dennoch sieht der US-Präsident die Verantwortung für die Bewältigung der Pandemie nicht allein bei sich. Er arbeite Hand in Hand mit den Gouverneuren der Bundesstaaten. "Ich denke, wir sind alle verantwortlich." Es sei ein Jammer, dass das Virus die USA erreicht hätte, sagte Trump. Zugleich betonte er, dass er die Grenzen geschlossen und viele Dinge getan habe, "die sehr gut waren". Erneut sagte er: "Das Virus wird verschwinden, es wird verschwinden."

Die Wähler würden ihn und seine Regierung bei der Präsidentenwahl am 3. November nach dem Umgang mit der Pandemie beurteilen –  aber nicht nur, sagte Trump. Sie würden ihn auch an "rekordhaften" Zahlen auf dem Arbeitsmarkt, der Lage der Wirtschaft, Steuersenkungen oder der Stärkung des Militärs messen.

Der Republikaner will für eine zweite Amtszeit kandidieren. Umfragen sehen Trump derzeit hinter seinem Herausforderer Joe Biden von den Demokraten. Bei den Erhebungen ist allerdings Vorsicht geboten – und in mehr als drei Monaten bis zur Wahl gibt es noch viel Raum für Veränderungen und Überraschungen.

Trump: Masken haben eine Wirkung

Auch beim Tragen von Mundschutz hatte Trump zuletzt einen Sinneswandel. Bei seiner Pressekonferenz forderte er die Amerikaner sogar zum Tragen von Schutzmasken auf: "Wir bitten alle, dass Sie eine Maske tragen, wenn Sie nicht in der Lage sind, Abstand zu halten", sagte Trump. "Ob Sie die Masken mögen oder nicht, sie haben eine Wirkung, sie werden einen Effekt haben und wir brauchen alles, was wir kriegen können." 

Trump sagte erneut, er habe kein Problem mit Masken, und holte einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Präsidentenlogo hervor. "Ich habe die Maske hier", sagte er und fügte hinzu, er trage sie, wenn es angemessen sei.

In den USA gibt es keine landesweite Maskenpflicht. Angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen ordneten zahlreiche Gouverneure der Bundesstaaten aber zuletzt an, dass der Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit getragen werden muss.

Trump hatte im April Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC vorgestellt, die das Tragen einer Schutzmaske empfehlen. Er machte umgehend deutlich, dass er selbst keine Maske tragen werde. Weil er bei den allermeisten öffentlichen Auftritten ohne Maske auftritt, werfen Kritiker ihm vor, ein schlechtes Vorbild in der Pandemie abzugeben. Bei einem Krankenhausbesuch am vorvergangenen Samstag hatte Trump dann einen Mund-Nasen-Schutz getragen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und afp
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