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Heimat-Kritik an Donald Trumps US-Truppenabzug: "Schwerer Schlag für die Nato"

US-Kritik am Deutschland-Abzug  

"Das ist der Versuch, sich an Frau Merkel und Deutschland zu rächen"

30.07.2020, 09:55 Uhr
USA: Trump rechtfertigt Truppenabzug aus Deutschland

US-Präsident Donald Trump hat den Truppenabzug aus Deutschland gerechtfertigt. Die USA wollen nicht mehr "der Dumme" sein, so Trump. (Quelle: t-online.de)

Klare Aussage: Hier erklärte Donald Trump vor wenigen Tagen, warum er rund 12.000 Soldaten aus Deutschland abzieht. (Quelle: t-online.de)


Der Ex-Kommandeur der US-Armee in Europa übt bei t-online.de scharfe Kritik an Donald Trumps Truppenabzug. Aus der Politik kommt erster Widerstand. Stoppt der US-Kongress das Ganze noch? 

In den USA erfahren die Pläne Donald Trumps, knapp 12.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, deutliche Kritik. Der frühere Kommandeur der US-Armee in Europa, Mark Hertling, sprach bei t-online.de von einem "schweren Schlag für die Nato".

Hertling sagte, er setze darauf, dass das US-Parlament die Pläne noch unterbinde. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Kongress dies stoppen kann, weil vielen Abgeordneten klar ist, dass dies ein Alleingang ist, bei dem es nicht in erster Linie um nationale Sicherheitsinteressen geht." Das Vorhaben sei stattdessen ein "Versuch des Präsidenten, sich an Frau Merkel und Deutschland zu rächen". Hertlings Kritik wurde auch von mehreren Militärexperten gestützt.

"Geschenk an Russland"

Tatsächlich hat der Kongress über seine Haushalts- und Kontrollrechte die Möglichkeiten, Teile des Abzugsplans zu stoppen. Nicht nur von den oppositionellen Demokraten kam dabei Kritik auf. "Das ist ein Geschenk an Russland", gab Mitt Romney, der republikanische Senator aus Utah und parteiinterne Trump-Kritiker, bei Twitter zu Protokoll. "Der Schritt mag kurzfristig innenpolitisch gut ankommen", schrieb Romney mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November. "Aber die Folgen werden andauern und amerikanischen Interessen schaden."

Truppenübungsplatz der US-Armee in Grafenwöhr: Abzugspläne stellen Einrichtung in Frage.  (Quelle: dpa/Daniel Karmann)Truppenübungsplatz der US-Armee in Grafenwöhr: Abzugspläne stellen Einrichtung in Frage. (Quelle: Daniel Karmann/dpa)

Donald Trump hatte den Wählern versprochen, Truppen aus dem Ausland heimzuholen. Laut den Pentagon-Plänen würden 6.400 der knapp 12.000 in Deutschland abzuziehenden Soldaten in die USA verlegt. 

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, der Republikaner James Inhofe, sagte hingegen, die Pläne Trumps und Verteidigungsminister Mark Esper gingen "in die richtige Richtung". 

Parlament könnte Gelder verweigern

Auch wenn Esper ankündigte, mit dem Abzug in den kommenden Wochen zu beginnen, wird sich die Umsetzung nach Ansicht von Experten über mehrere Jahre ziehen und Kosten in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar verursachen.

Der Kongress könnte dafür notwendige Gelder verweigern. Nachdem Trumps Abzugspläne im Juni bekannt geworden waren, protestierten bereits mehrere Fachpolitiker von Trumps Republikanern in offenen Briefen gegen das Vorhaben.

Interessieren Sie sich für US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Die Demokraten sind ohnehin gegen Trumps Pläne. Der Senats-Außenpolitiker Chris Murphy sagte, Trump habe den Umbau mit Berlin wohl deshalb nicht abgesprochen, weil er "Deutschland wahrscheinlich bloßstellen" wolle.

Laut dem früheren Europa-Kommandeur Hertling wird das Vorgehen Trumps das Vertrauen der Nato-Partner in die USA nachhaltig erschüttern. So schade man einem "Bündnis, das ohnehin schon vielen Belastungen ausgesetzt" sei, sagte der pensionierte Drei-Sterne-General t-online.de. "Es wird sehr schwer, die engen Verbindungen, die wir so viele Jahre genossen haben, wiederherzustellen."

Wird Grafenwöhr aufgegeben?

Hertling prognostizierte, dass durch den geplanten Abzug von 4.500 Soldaten aus dem bayerischen Vilseck auch der große Truppenübungsplatz im nahen Grafenwöhr aufgegeben werden könnte. "Da dort multinationale Einheiten trainieren, wäre das ein erheblicher Nachteil für die gesamte Nato."

Hertling, der die US-Armee in Europa in den Jahren 2011 und 2012 befehligte und auch zuvor mehrfach in Deutschland stationiert war, bemängelte einen mangelnden Austausch der USA mit der Bundesregierung. "Es braucht viel stärkere Koordinierung mit der deutschen Regierung, um solch einen jahrelangen Prozess umzusetzen". Vor der ursprünglichen Ankündigung des Abzugs im Juni hatte die Trump-Regierung Berlin nicht informiert.

Verwendete Quellen:
  • Telefoninterview mit Mark Hertling
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa

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