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Enthüllungsbuch von Trumps Ex-Anwalt: "Der Präsident wollte mich tot sehen"

Enthüllungsbuch von Michael Cohen  

"Der Präsident der USA wollte mich tot sehen"

15.08.2020, 17:06 Uhr | AFP, dru

Enthüllungsbuch von Trumps Ex-Anwalt: "Der Präsident wollte mich tot sehen". Michael Cohen, Donald Trump: Viele Jahre arbeitete Cohen als Privatanwalt für den Immobilienunternehmer. Später wechselte er die Seiten. (Archivbild) (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)

Michael Cohen, Donald Trump: Viele Jahre arbeitete Cohen als Privatanwalt für den Immobilienunternehmer. Später wechselte er die Seiten. (Archivbild) (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Er log, betrog, mobbte und ging sogar ins Gefängnis für Donald Trump. Nun hat Michael Cohen, der frühere Privatanwalt des US-Präsidenten, seine Erinnerungen über die gemeinsame Zeit aufgeschrieben.

Die Liste der Enthüllungsbücher über Donald Trump wird um ein weiteres Exemplar länger. Diesmal ist es der frühere Privatanwalt des US-Präsidenten, der derzeit eine Freiheitsstrafe wegen Falschaussage im Hausarrest absitzt, der auspackt – und von Mobbing, Korruption und speziellen Sexpraktiken berichtet.

"Ich weiß, wo seine Leichen im Keller sind – weil ich sie vergraben habe", kündigte Michael Cohen am Donnerstag sein Buch mit markigen Worten an. Einen ersten Vorgeschmack veröffentlichte er im Internet, wo das Vorwort von "Disloyal: A Memoir" (zu deutsch etwa: "Illoyal – Memoiren") zu lesen ist. Mit vernichtender Kritik am Präsidenten, soviel ist zu sagen, spart er jedenfalls nicht. 

"Ich habe für ihn gelogen, betrogen, gemobbt"

"Auf gewisse Weise kannte ich ihn besser als seine Familie, denn ich wurde Zeuge des echten Mannes, in Stripteaseklubs, bei zwielichtigen Geschäftstreffen, und in den unbedachten Momenten, in denen er enthüllte, wer er wirklich war: ein Schwindler, ein Lügner, ein Betrüger, ein gemeiner Kerl, ein Rassist, ein Raubtier, ein Hochstapler", schreibt der einstige Trump-Vertraute in dem Vorwort.

"Ich habe für ihn Auftragnehmer betrogen, seine Geschäftspartner abgezogen, seine Frau Melania belogen, um seine Seitensprünge zu verstecken, und jeden gemobbt und angeschrien, der Trumps Weg an die Macht bedrohte." Er habe "Golden Showers" – Sexpraktiken mit Urinieren – in Sexclubs in Las Vegas miterlebt, Steuerbetrug, Deals mit korrupten Beamten aus der früheren Sowjetunion und Verschwörungen, um Trumps heimliche Geliebte zum Schweigen zu bringen.

"Disloyal – A Memoir" soll noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November erscheinen. (Quelle: AP/dpa)"Disloyal – A Memoir" soll noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November erscheinen."Disloyal – A Memoir" soll noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November erscheinen. (Quelle: AP/dpa)

Cohen schreibt auch, dass Trump vor der Präsidentschaftswahl 2016 heimlich mit Russland zusammengearbeitet habe – allerdings nicht auf die "ausgeklügelte Art", wie es seine Kritiker ihm vorwerfen. Der Rechtspopulist habe bei der Wahl "mit russischer Duldung geschummelt" – "denn alles – und ich meine alles – zu tun, um zu gewinnen, war schon immer sein Geschäftsmodell und seine Lebensweise." Ins Detail ging Cohen an dieser Stelle zunächst nicht.

Das Weiße Haus bezeichnete das Buch laut dem Nachrichtensender CNN als reine "Erfindung". Cohen sei als Lügner bekannt.

Spät wendete er sich von Trump ab

Cohen war lange Zeit Trumps "Ausputzer" und Mann für zwielichtige Angelegenheiten. Im Zuge der Russland-Affäre kooperierte er dann aber mit Sonderermittler Robert Mueller und sagte vor dem Kongress aus. Trump bezeichnete ihn deswegen als "Ratte", was soviel wie Verräter bedeutet.

Zu Beginn seines Vorworts schreibt Cohen, er habe vor seiner Aussage vor dem US-Repräsentantenhaus Angst um sein Leben gehabt. "Der Präsident der USA wollte mich tot sehen", schreibt Cohen. "Oder wie Donald Trump sagen würde: Es würde ihn nicht stören, wenn ich tot wäre. So redete Trump. Wie ein Mafiaboss."

Wegen Falschaussage verurteilt

Cohen wurde im Dezember 2018 wegen Steuer- und Finanzdelikten sowie Falschaussagen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Anwalt hatte unter anderem vor der Präsidentschaftswahl 2016 Schweigegelder an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und ein früheres Playboy-Model gezahlt, die nach eigenen Angaben Affären mit Trump gehabt hatten. Cohen verstieß damit gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung.

Wegen der Corona-Krise wurde Cohen im Mai aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen. Im Juli wurde er dann aber wieder in Haft genommen – nach Angaben seiner Anwälte, um sein Buchprojekt zu behindern. Ein Richter schloss sich dieser Auffassung an, sprach von einer "Vergeltungsmaßnahme" der Behörden und ordnete an, Cohen wieder in den Hausarrest zu entlassen.


Das Enthüllungsbuch soll noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November in den Handel kommen.

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