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Tausende in Washington ÔÇô wieder spricht ein Martin Luther King

Von t-online, dpa
Aktualisiert am 29.08.2020Lesedauer: 3 Min.
Martin Luther King III.: Zum 57. Jahrestages der ber├╝hmten "I Have A Dream"-Rede seines Vaters sprach er zu den Demonstranten in Washington.
Martin Luther King III.: Zum 57. Jahrestages der ber├╝hmten "I Have A Dream"-Rede seines Vaters sprach er zu den Demonstranten in Washington. (Quelle: Olivier Douliery/dpa-bilder)
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Die Polizeigewalt gegen Schwarze hat in den USA in den vergangenen Monaten das Land schwer getroffen. Die Proteste kochten immer wieder hoch. An einem historischen Tag gingen Tausende auf die Stra├če

Tausende Menschen haben in Washington f├╝r ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt gegen schwarze US-Amerikaner demonstriert. "Genug ist genug", rief der afroamerikanische B├╝rgerrechtler Al Sharpton, einer der Organisatoren der Kundgebung, den Versammelten am Lincoln-Memorial im Herzen der US-Hauptstadt am Freitag zu.

"Wir fordern echten, dauerhaften, strukturellen Wandel", sagte der B├╝rgerrechtler Martin Luther King III bei der Kundgebung. Er ist der ├Ąlteste Sohn von Martin Luther King Jr., der auf den Tag genau vor 57 Jahren an selber Stelle seine ber├╝hmte Rede mit den Worten "Ich habe einen Traum" hielt. "Wir werden diesen Traum erf├╝llen", verk├╝ndete Sharpton.

Auch Pfarrer und B├╝rgerrechtler Al Sharpton sprach zu den Demonstranten.
Auch Pfarrer und B├╝rgerrechtler Al Sharpton sprach zu den Demonstranten. (Quelle: Jacquelyn Martin/dpa-bilder)

Martin Luther King III. rief die Afroamerikaner auf, bei der Pr├Ąsidentenwahl am 3. November ihre Stimme abzugeben, "als w├╝rden unser Leben, unsere Existenzen und unsere Freiheiten davon abh├Ąngen ÔÇô weil das so ist". M├Âglichst viele sollten auch ihre Hilfe bei der Durchf├╝hrung der Wahl anbieten, "damit jede Stimme gez├Ąhlt" werde. "Wir m├╝ssen entschieden unsere Wahlrechte verteidigen, weil sie mit dem Blut derer erkauft wurden, die daf├╝r gelyncht wurden, dass sie ihre Verfassungsrechte aus├╝ben wollten." Seine Tochter, die zw├Âlfj├Ąhrige Yolanda Renee King, versprach: "Wir werden die Generation sein, die diesen Rassismus ein und f├╝r alle Mal beendet."

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Sch├╝sse auf Jacob Blake sorgen f├╝r neue Proteste

Die Kundgebung war dem Jahrestag des "Marsches auf Washington" von 1963 gewidmet und stand im Zeichen der j├╝ngsten F├Ąlle von Polizeigewalt, die f├╝r Emp├Ârung in den USA gesorgt hatten. Das war vor allem der Tod von George Floyd. Er starb bei seiner Festnahme, nachdem ein Polizist mehr als acht Minuten lang sein Knie auf Floyds Hals gehalten hatte. Erst am Wochenende hatten sieben Sch├╝sse in den R├╝cken des Schwarzen Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz in der Stadt Kenosha (Wisconsin) f├╝r neue Proteste gesorgt.

"Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden!", rief Blakes Vater auf der Kundgebung aus. Die Menschenmenge wiederholte den Slogan, der auf Proteste in den 80er Jahren zur├╝ckgeht. In den USA gebe es zwei Justizsysteme ÔÇô eins f├╝r wei├če, eins f├╝r schwarze, kritisierte Jacob Blake Senior.

Sharpton nahm bei seinem Auftritt Bezug auf den Tod Floyds: "Wir k├Ânnten genauso erfolgreich sein wie andere. Aber die Gesellschaft hielt das Knie in unserem Nacken." Das m├╝sse jetzt ein Ende haben. "Ich bin es leid, Gerechtigkeit zu verlangen", sagte Aktivist Frank Nitty. "Wir marschieren schon seit 60 Jahren mit denselben Forderungen. Schwarze Menschen sollten nicht immer noch f├╝r dasselbe auf die Stra├če gehen wie Martin Luther King."

Auch die 24-j├Ąhrige Angelica Watson aus Philadelphia sagte, ihr Vater und ihr Onkel seien 1963 bei dem Marsch dabei gewesen. "Aber wir k├Ąmpfen heute noch mit denselben Problemen", betonte sie. "Das Wichtigste f├╝r mich ist Gleichberechtigung ÔÇô denn der Rest, jedes weitere Problem, nimmt den Ursprung darin.

Zahlreiche Menschen versammeln sich vor dem Lincoln Memorial in Washington DC.
Zahlreiche Menschen versammeln sich vor dem Lincoln Memorial in Washington DC. (Quelle: Carolyn Kaster/ap-bilder)

Hohe Sicherheitsma├čnahmen ÔÇô doch es blieb ruhig

Viele Teilnehmer der Kundgebung trugen Masken, auch wenn viele Menschen entgegen der Empfehlungen von Gesundheitsexperten dicht gedr├Ąngt standen. Dennoch war es ein Kontrast zur Nominierungsrede von Pr├Ąsident Donald Trump im Garten des Wei├čen Hauses am Vortag, wo die rund 1500 geladenen G├Ąste eng nebeneinander sa├čen und kaum jemand mit Maske zu sehen war.

Vor dem Protesttag war die Umgebung des Wei├čen Hauses weitr├Ąumig mit hohen Z├Ąunen und Betonpollern abgesichert worden. Einige Gesch├Ąfte in der N├Ąhe deckten ihre Schaufenster mit Holzplatten ab. Nach der Kundgebung zogen Gruppen von Demonstranten durch die zum Teil abgeriegelte Innenstadt. Die Lage blieb ruhig.

Trump begnadigt afroamerikanische Frau

Als die Kundgebung fast vorbei war, kam aus dem nur wenige hundert Meter entfernten Wei├čen Haus die Nachricht, dass Trump die schwarze Amerikanerin Alice Johnson begnadigt habe. Sie war in den 90er Jahren wegen einer Beteiligung am Drogenschmuggel zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden und verbrachte mehr als 20 Jahre im Gef├Ąngnis. Ihr Fall gilt als ein Beispiel f├╝r eine ├╝berm├Ą├čige H├Ąrte des US-Justizsystems. Trump erlie├č Johnson den Rest der Haftstrafe, nachdem Society-Promi Kim Kardashian sich bei ihm f├╝r sie eingesetzt hatte. Johnson trat diese Woche auf dem Parteitag der Republikaner auf, der Trump zum Pr├Ąsidentschaftskandidaten k├╝rte.

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Trump und die Republikaner sind derzeit bem├╝ht, Vorw├╝rfe zu widerlegen, der Pr├Ąsident spreche rassistische W├Ąhler an. Biden ist unterdessen allein schon als Vize von Pr├Ąsident Barack Obama bei schwarzen W├Ąhlern popul├Ąr. Auf dem Parteitag der Republikaner traten viele schwarze US-Amerikaner auf. Trump selbst sagte bei seiner Nominierungsrede am Donnerstagabend: "Ich sage mit gro├čer Bescheidenheit, dass ich mehr f├╝r die afroamerikanische Community getan habe als jeder Pr├Ąsident seit Abraham Lincoln." Unter Lincoln wurde vom Kongress der 13. Zusatz zur US-Verfassung angenommen, mit dem die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde.

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