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Als Trump versuchte, mit dem Volk zu sprechen

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 16.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Donald Trump und Moderator George Stephanopoulos: Der PrÀsident hörte nicht richtig zu.
Donald Trump und Moderator George Stephanopoulos: Der PrÀsident hörte nicht richtig zu. (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters-bilder)
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Donald Trump stellt sich selten seinen BĂŒrgern. Nun versuchte er es und reagierte auf seine ganze eigene Weise. Doch beim emotionalen Höhepunkt hörte der PrĂ€sident nicht richtig zu.

US-PrĂ€sident Donald Trump spricht gern und hĂ€ufig zu seinen treuen AnhĂ€ngern und mit ihm freundlich gesonnenen Moderatoren bei "Fox News". Doch mit BĂŒrgern, die ihm kritisch gegenĂŒberstehen, redet er Ă€ußerst selten.

Deshalb war es eine ungewohnte Situation, als Trump sich am Dienstagabend (Ortszeit) im Fernsehsender ABC den Fragen von WĂ€hlern aller Couleur in Pennsylvania stellte – ein sogenanntes "Town Hall"-Treffen, also eine BĂŒrgersprechstunde. Laut ABC waren die Fragesteller allesamt noch unentschiedene WĂ€hler aus dem hart umkĂ€mpften Bundesstaat im Nordosten der USA, der beim Ausgang der PrĂ€sidentschaftswahl eine wichtige Rolle spielen wird.

So lief die ungewohnte Runde ab:

Das Setting: "Der PrĂ€sident und das Volk" nannte der Sender das Format. Die BĂŒrger, darunter welche, die 2016 fĂŒr ihn gestimmt hatten, und solche, die es nicht getan haben, stellten ihre Fragen. Trump antwortete – auf seine Weise. Meist beantwortete er die Fragen nicht ausdrĂŒcklich, sondern nahm ein Stichwort zum Anlass, um seine eigene Bilanz zu loben. ABC schnitt Trump und die Reaktion des guten Dutzend an Fragestellern nebeneinander. Manchen konnte man ihre EnttĂ€uschung, dass der PrĂ€sident nicht auf ihr Anliegen einging, direkt aus dem Gesicht ablesen.

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Das grĂ¶ĂŸte Thema: Immer wieder ging es um das Coronavirus, in manchen der Fragen – aber in noch mehr Antworten des PrĂ€sidenten, der immer wieder darauf zurĂŒckkam, auch wenn danach nicht ausdrĂŒcklich gefragt wurde. "China ist schuld", sagte Trump immer wieder, wenn man ihn auf UnterstĂŒtzung von Arbeitslosen ansprach oder auf die tiefe Wirtschaftskrise, in dem das Land seit der Pandemie steckt. Trump wies wie hĂ€ufig jegliche Verantwortung fĂŒr die hohe Todesrate im Lande zurĂŒck – knapp 200.000 Amerikaner sind an Covid-19 gestorben. GegenĂŒber dem Journalisten Bob Woodward hatte Trump eingerĂ€umt, das Thema "heruntergespielt zu haben". Von einer jungen Frau darauf angesprochen behauptete Trump, er habe das nicht "heruntergespielt" oder "hochgespielt". Auf ihren Einwand, er selbst habe das doch eingerĂ€umt, ging der PrĂ€sident nicht ein.

Interessieren Sie sich fĂŒr die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Die doppelte Irritation: Als es um das Tragen einer Gesichtsmaske ging, verwirrte Trump gleich zweimal. Zum einen warf er seinem Kontrahenten Joe Biden vor, dass dieser keine nationale Pflicht zum Tragen von Masken erlassen habe – wie ein Kandidat ohne Amt das bewerkstelligen soll, blieb das Geheimnis des PrĂ€sidenten. Trump selbst ist es natĂŒrlich, der dies hĂ€tte auf den Weg bringen können. Dann sagte er, viele wĂŒrden das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als gefĂ€hrlich ansehen. "Wer?", fragte ihn darauf ABC-Moderator George Stephanopolous. Trump antwortete: "Kellner". Die wĂŒrden sich an die Maske fassen und dann die Teller der GĂ€ste berĂŒhren. Trump selbst trĂ€gt so gut wie nie eine Maske und missachtet auf seinen Wahlkampfveranstaltungen teilweise die örtlichen Corona-Richtlinien.

Der typische Moment: Das "Town Hall"-Format lebt von den unerwarteten Momenten der Interaktionen zwischen PrĂ€sident und Fragestellern. Solch ein Augenblick ergab sich, als eine Einwanderin aus Lateinamerika das Wort ergriff und unter TrĂ€nen ĂŒber ihre Mutter sprach, die im Vormonat an Krebs gestorben sei.

Trump sagte, dass die Mutter wohl eine tolle Frau gewesen sein mĂŒsse. Doch immer wieder nahm er fĂ€lschlicherweise darauf Bezug, dass die Mutter an Covid-19 gestorben sei und zeigte sich ĂŒberrascht, dass die Tochter sich selbst nicht damit infiziert habe. Der PrĂ€sident hörte nicht zu – dieser Eindruck des gesamten Abends fand hier seinen Höhepunkt.

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