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Donald Trump in der "Town Hall": Der US-Präsident hört nicht richtig zu

US-Präsident trifft Wähler  

Als Trump versuchte, mit dem Volk zu sprechen

16.09.2020, 14:59 Uhr
Donald Trump in der "Town Hall": Der US-Präsident hört nicht richtig zu. Donald Trump und Moderator George Stephanopoulos: Der Präsident hörte nicht richtig zu. (Quelle: Reuters/Kevin Lamarque)

Donald Trump und Moderator George Stephanopoulos: Der Präsident hörte nicht richtig zu. (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters)

Donald Trump stellt sich selten seinen Bürgern. Nun versuchte er es und reagierte auf seine ganze eigene Weise. Doch beim emotionalen Höhepunkt hörte der Präsident nicht richtig zu.

US-Präsident Donald Trump spricht gern und häufig zu seinen treuen Anhängern und mit ihm freundlich gesonnenen Moderatoren bei "Fox News". Doch mit Bürgern, die ihm kritisch gegenüberstehen, redet er äußerst selten.

Deshalb war es eine ungewohnte Situation, als Trump sich am Dienstagabend (Ortszeit) im Fernsehsender ABC den Fragen von Wählern aller Couleur in Pennsylvania stellte – ein sogenanntes "Town Hall"-Treffen, also eine Bürgersprechstunde. Laut ABC waren die Fragesteller allesamt noch unentschiedene Wähler aus dem hart umkämpften Bundesstaat im Nordosten der USA, der beim Ausgang der Präsidentschaftswahl eine wichtige Rolle spielen wird.

So lief die ungewohnte Runde ab:

Das Setting: "Der Präsident und das Volk" nannte der Sender das Format. Die Bürger, darunter welche, die 2016 für ihn gestimmt hatten, und solche, die es nicht getan haben, stellten ihre Fragen. Trump antwortete – auf seine Weise. Meist beantwortete er die Fragen nicht ausdrücklich, sondern nahm ein Stichwort zum Anlass, um seine eigene Bilanz zu loben. ABC schnitt Trump und die Reaktion des guten Dutzend an Fragestellern nebeneinander. Manchen konnte man ihre Enttäuschung, dass der Präsident nicht auf ihr Anliegen einging, direkt aus dem Gesicht ablesen.

Das größte Thema: Immer wieder ging es um das Coronavirus, in manchen der Fragen – aber in noch mehr Antworten des Präsidenten, der immer wieder darauf zurückkam, auch wenn danach nicht ausdrücklich gefragt wurde. "China ist schuld", sagte Trump immer wieder, wenn man ihn auf Unterstützung von Arbeitslosen ansprach oder auf die tiefe Wirtschaftskrise, in dem das Land seit der Pandemie steckt. Trump wies wie häufig jegliche Verantwortung für die hohe Todesrate im Lande zurück – knapp 200.000 Amerikaner sind an Covid-19 gestorben. Gegenüber dem Journalisten Bob Woodward hatte Trump eingeräumt, das Thema "heruntergespielt zu haben". Von einer jungen Frau darauf angesprochen behauptete Trump, er habe das nicht "heruntergespielt" oder "hochgespielt". Auf ihren Einwand, er selbst habe das doch eingeräumt, ging der Präsident nicht ein.

Interessieren Sie sich für die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Die doppelte Irritation: Als es um das Tragen einer Gesichtsmaske ging, verwirrte Trump gleich zweimal. Zum einen warf er seinem Kontrahenten Joe Biden vor, dass dieser keine nationale Pflicht zum Tragen von Masken erlassen habe – wie ein Kandidat ohne Amt das bewerkstelligen soll, blieb das Geheimnis des Präsidenten. Trump selbst ist es natürlich, der dies hätte auf den Weg bringen können. Dann sagte er, viele würden das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als gefährlich ansehen. "Wer?", fragte ihn darauf ABC-Moderator George Stephanopolous. Trump antwortete: "Kellner". Die würden sich an die Maske fassen und dann die Teller der Gäste berühren. Trump selbst trägt so gut wie nie eine Maske und missachtet auf seinen Wahlkampfveranstaltungen teilweise die örtlichen Corona-Richtlinien.

Der typische Moment: Das "Town Hall"-Format lebt von den unerwarteten Momenten der Interaktionen zwischen Präsident und Fragestellern. Solch ein Augenblick ergab sich, als eine Einwanderin aus Lateinamerika das Wort ergriff und unter Tränen über ihre Mutter sprach, die im Vormonat an Krebs gestorben sei.

Trump sagte, dass die Mutter wohl eine tolle Frau gewesen sein müsse. Doch immer wieder nahm er fälschlicherweise darauf Bezug, dass die Mutter an Covid-19 gestorben sei und zeigte sich überrascht, dass die Tochter sich selbst nicht damit infiziert habe. Der Präsident hörte nicht zu – dieser Eindruck des gesamten Abends fand hier seinen Höhepunkt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen

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