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Ertappt!

Von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 10.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Donald Trump im Weißen Haus: Auch seine Berater waren von GesprĂ€chen mit Bob Woodward ĂŒberrascht.
Donald Trump im Weißen Haus: Auch seine Berater waren von GesprĂ€chen mit Bob Woodward ĂŒberrascht. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters-bilder)
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Star-Journalist Bob Woodward beschĂ€digt Donald Trump mit einem neuen Buch. Im Unterschied zu anderen EnthĂŒllungsautoren hat er den PrĂ€sidenten auf Band – die achtzehn GesprĂ€che bieten reichlich Sprengstoff.

In den Wochen vor der US-PrĂ€sidentschaftswahl kommt alle paar Tage ein EnthĂŒllungsbuch ĂŒber Donald Trump auf den Markt. Die wenigsten davon liefern wirklich ĂŒberraschende und belastbare Informationen. Viele der Behauptungen lassen sich von Trump und seinen VerbĂŒndeten leicht dementieren.


Fotoshow: Die Chronologie von Trumps widersprĂŒchlichen Aussagen zum Coronavirus

Das Coronavirus hat die USA fest im Griff, nirgends steigen die Fallzahlen derart rapide wie in einigen Regionen des Landes. Der US-PrÀsident wollte von der Bedrohung lange nichts wissen. Eine Chronologie seiner Aussagen.
Am 21. Januar war Donald Trump sich sicher, dass das Virus in den USA unter Kontrolle gehalten werden kann: "Wir haben es vollkommen unter Kontrolle. Es geht um eine Person, die aus China gekommen ist. Wir haben es vollkommen unter Kontrolle. Alles wird gut sein."
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Beim Werk der Investigativ-Reporterlegende Bob Woodward ist das anders. Der Journalist, der in den Siebzigerjahren den Watergate-Skandal mit aufgeklĂ€rt hat, fĂŒhrte achtzehn Interviews mit dem PrĂ€sidenten und zeichnete sie auf. Er hat Trump auf Band, unter anderem dabei, wie er am Telefon EinschĂ€tzungen zur Corona-Krise gibt, die im krassen Widerspruch dazu stehen, wie er das Virus in der Öffentlichkeit zunĂ€chst wochenlang verharmloste.

Woodwards GesprĂ€che schlagen dementsprechend hohe Wellen in Washington – nicht nur bei den ĂŒblichen Trump-Gegnern, sondern auch im Weißen Haus. Die Mitarbeiter in der Regierungszentrale wurden kalt erwischt vom Umstand, dass der Boss ĂŒber Monate spĂ€tabends mit dem Reporter telefonierte. Trump hoffte wohl auf ein positives Buch, wollte die Reporterlegende mit exklusivem Zugang zum Weißen Haus umschmeicheln – doch der Plan ging laut den Vorab-EnthĂŒllungen nicht auf.

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"GefÀhrlich", "ungeeignet", wie "Alice im Wunderland"

Das Werk mit dem Titel "Rage" (Wut) erscheint am 15. September in den USA. Es gibt darin – wie in anderen BĂŒchern – vernichtende Äußerungen ĂŒber Trumps Charakter: Sein Verteidigungsminister Jim Mattis nennt ihn "gefĂ€hrlich" und "ungeeignet". Der frĂŒhere Geheimdienstdirektor Dan Coats unkt, der russische PrĂ€sident Wladimir Putin mĂŒsse etwas "gegen Trump in der Hand" haben. Selbst der sonst so schweigsame, aber mĂ€chtige Schwiegersohn Jared Kushner sprach ausfĂŒhrlich mit Woodward und empfahl das Buch "Alice im Wunderland", um den Trump-Kosmos zu verstehen.

Bob Woodward (Archivfoto von 2011): Der PrÀsident wollte ihn, offenbar vergeblich, umschmeicheln.
Bob Woodward (Archivfoto von 2011): Der PrÀsident wollte ihn, offenbar vergeblich, umschmeicheln. (Quelle: Alex Gallardo/Reuters-bilder)

Doch am stĂ€rksten belastend ist das, was Trump Woodward selbst ĂŒber das Coronavirus verriet. Die Episoden verdeutlichen, dass der US-PrĂ€sident wohl viele Leben hĂ€tte retten können, hĂ€tte er öffentlich vor dem Virus gewarnt. Die USA ĂŒberschritten am Mittwoch die Schwelle von 190.000 Covid-Toten.

Trump sagte zu einem sehr frĂŒhen Zeitpunkt, am 7. Februar 2020, zu dem Reporter, dass sich das Virus einfach ĂŒber die Atemluft verbreite. "Es ist tödlicher als eine heftige Grippe (
) Das ist tödliches Zeug." Trump schien also frĂŒh zu wissen, wie gefĂ€hrlich das Virus ist. Doch öffentlich setzte er es eben doch noch wochenlang mit einer herkömmlichen Grippe gleich oder behauptete gar wie hier im MĂ€rz, das Virus sei ungefĂ€hrlicher.

Ende Februar sagte er, die Fallzahlen wĂŒrden bald wieder auf null zurĂŒckgehen – mittlerweile sind mehr als sechs Millionen Covid-FĂ€lle in Amerika nachgewiesen.

Eine frĂŒhe Warnung

Woodward berichtete, der nationale Sicherheitsberater Robert O'Brien habe Trump bereits am 28. Januar eindringlich vor dem Virus gewarnt: "Dies wird die grĂ¶ĂŸte Bedrohung nationaler Sicherheit sein, der du in deiner PrĂ€sidentschaft ausgesetzt bist."

In einem GesprĂ€ch mit Woodward am 19. MĂ€rz rĂ€umte Trump ein, dass er die Gefahr durch Corona verharmlose: "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es gern weiter runter, weil ich keine Panik heraufbeschwören will." Diese Zitate sind nicht die ersten, aber wohl die bislang eindrĂŒcklichsten Belege dafĂŒr, wie Trump wider besseres Wissen das Coronavirus in der Öffentlichkeit herunterspielte.

Politisch gefÀhrlich

Die Aussagen sind politisch gefĂ€hrlich, weil eine Mehrheit der Bevölkerung ohnehin unzufrieden mit seinem Management in der Corona-Krise ist – und sein Kontrahent Joe Biden das Thema Corona ins Zentrum seines Wahlkampfs stellt. Am Mittwoch sagte der Demokrat, Trumps Vorgehen habe "Zehntausenden Amerikanern das Leben gekostet".

Interessieren Sie sich fĂŒr die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Das Weiße Haus, das am Mittwoch hektisch eine Antwort auf die EnthĂŒllungen suchte, fand sie in der Sprachregelung, dass der PrĂ€sident die Nation vor allem beruhigen wollte. Trump selbst dementierte bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt im Weißen Haus nicht, dass er das Virus heruntergespielt habe. Er sagte, er wolle nun einmal nicht, "dass sich die Menschen Ă€ngstigen".

Die Ausschnitte der Tonaufzeichnungen liefen am Mittwoch in den US-Fernsehsendern rauf und runter, auch beim Trump-freundlichen Sender "Fox News". Der PrĂ€sident steht seit Tagen ohnehin in der Defensive. Laut einem Artikel des Magazins "Atlantic" hat Trump verwundete und gefallene US-Soldaten als "Verlierer" und "Trottel" verspottet. Auch das ist gefĂ€hrlich, weil fehlender Respekt vor dem MilitĂ€r bei Trumps WĂ€hlern nicht gut ankommt. Doch die VorwĂŒrfe waren anonym vorgebracht. Die Aufzeichnungen Woodwards sind da von anderer QualitĂ€t.

Dem Weißen Haus bleibt die nicht unbegrĂŒndete Hoffnung, dass sich die allermeisten WĂ€hler lĂ€ngst ihre Meinung ĂŒber Trump gebildet haben – unabhĂ€ngig davon, was der einem EnthĂŒllungsjournalisten preisgibt.

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