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"Trump signalisiert seinen Fans: Ihr macht alles richtig"

  • Tim Kummert
Von Tim Kummert

Aktualisiert am 07.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Donald Trump: Hier stachelte der ehemalige US-Präsident zum Sturm aufs Kapitol an. (Quelle: t-online)
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Donald Trump hielt eine Rede dann stürmten seine Anhänger das Kapitol in Washington. Wie facht der Präsident die Wut an? Ein Gespräch mit dem Politikberater Martin Fuchs.

Am gestrigen Mittwoch trugen sich im Kapitol in Washington unglaubliche Szenen zu: Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump stürmten das Gebäude, verbarrikadierten Türen, die Polizei erschoss eine Anhängerin, es sah fast nach Umsturz aus. Angefeuert hatte die Radikalen der Präsident persönlich: In einer Rede kurz zuvor forderte Trump die Leute auf, zum Kapitol zu gehen.

Inwiefern stiftet Trump aber seine Anhänger an? Martin Fuchs kennt sich mit Sprache und ihrer Wirkung für die Politik aus. Fuchs lebt in Hamburg, er arbeitet als Berater für diverse Bundes- und Landespolitiker. Ein Gespräch über die Frage der Wirkung von Trumps Sprache.

Herr Fuchs, gestern hielt Trump eine Rede, in der er sagte: "Und dann laufen wir nach unten zum Kapitol. (…) Und ich werde dabei sein." War das die Aufforderung, den Kongress zu stürmen?

Diese Sätze werden jetzt oft zitiert, um die Eskalation in den USA zu erklären. Doch ich glaube, sie werden überbewertet. Was genau Trump gestern gesagt hat, war fast egal – entscheidend ist das Gift, das er in den letzten Wochen gesät hat. Seine Anhänger werden die ganze Zeit schon von ihm eingelullt und ihnen wird immer wieder die Lüge vorgetragen, dass die Wahl "gestohlen" worden sei von den Demokraten. Die Mobilisierung, um Tausende Menschen nach Washington zu bewegen, läuft also schon viel länger. Das folgt einer genauen Dramaturgie, die sich immer weiter steigert – und das war die Gemengelage, von der die Eskalation dann ausging.

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Sie waren also vom Sturm auf das Kapitol nicht überrascht?

Nicht wirklich, aber die Radikalität hat mich auch überrascht. Die Menschen haben schon verstanden, dass Trump von ihnen erwartet, dass sie jetzt ihre eigene Kraft einsetzen, um auch öffentlichkeitswirksame Aktionen zu starten – der Sturm auf eine der Herzkammern der US-amerikanischen Demokratie gehört da natürlich dazu.

Wobei Trump zu solchen Aktionen nie explizit aufrief.

Das stimmt, er ist in der Hinsicht ein Kommunikationsprofi, das wissen wir ja auch seit vier Jahren. Als er erklärte, er könne auf offener Straße einen Menschen erschießen, war das schon eine Wegmarke. Es war damit der Ton gesetzt, dass Gewalt für diesen Präsidenten ein legitimes Mittel in seinem Politik-Kosmos ist. Trump vermittelt das weiterhin, auch in seiner Ansprache gestern Abend, doch ohne es direkt auszusprechen.

Nach der Eskalation rief Trump in einem Twitter-Video seine Anhänger auf, "nach Hause zu gehen" – setzte aber hinzu: "Wir lieben euch".

Das ist ziemlich clever. So kann Trump sagen: Seht her, liebe Kritiker, ich wasche meine Hände in Unschuld – mit schmutzigen, gewaltbereiten Aktionen habe ich nichts zu tun. Gleichzeitig signalisiert er seinen Fans: Ihr macht alles richtig.

Jetzt ist Trump für zwölf Stunden auf Twitter gesperrt. Welche Rolle spielt das für seine Kommunikation?

Eine unbedeutende. Twitter ist zwar das digitale Sprachrohr des Präsidenten, seine Kommunikationsart mit der Welt – doch gleichzeitig twittern jetzt einfach viele Berater und Vertraute von Trump. Seine Nachrichten finden auch so den Weg in die Welt. Und die Sperre seines Hauptaccounts dürfte auch bald wieder aufgehoben werden.

Rechnen Sie jetzt mit weiteren Eskalationen?

Leider ja, denn: Dieser dunkle Tag in der Geschichte der USA hat doch den Demonstranten gezeigt, dass sie den Sturm solcher wichtigen Institutionen schaffen können. Es wurde auch eine Frau erschossen, die sicherlich jetzt zur Märtyrerin hochstilisiert wird. Und nun könnten viele der radikalen Trump-Fans glauben: Wenn wir das sogar im Kapitol in Washington geschafft haben, dann lasst uns doch jetzt mal die Regierungsgebäude von Texas oder Wisconsin ins Visier nehmen.

Am 20. Januar wird Joe Biden dann als neuer Präsident vereidigt. Wird die Gewalt dann enden?

Das ist noch offen. Trump hat gerade zwar zugesichert, dass er eine Übergabe einleiten wird – doch er macht eigentlich jetzt schon Oppositionspolitik, direkt aus dem Weißen Haus. Ab dem 20. Januar wird er das fortsetzen, nur sitzt er dann eben wieder in einem seiner Hotels, statt im Oval Office. Und er wird seine Anhänger weiterhin vor sich hertreiben, und natürlich weiter anfachen. Ob es auch zu Gewalt kommt, wird man dann sehen.

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Von Lisa Becke
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