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Jagd auf Angreifer hat begonnen – immer mehr Festnahmen

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 11.01.2021Lesedauer: 4 Min.
Videos sorgen fĂŒr Aufsehen: Ein Pilot droht Trump-AnhĂ€ngern in der Flugzeugkabine mit drastischen Maßnahmen – andere, an der Kapitol-ErstĂŒrmung beteiligte Personen dĂŒrfen gar nicht mitfliegen und erfahren das am Flughafen. (Quelle: t-online)
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Einige der Extremisten, die das US-Parlament gestĂŒrmt haben, erlebten in den letzten Tagen ein böses Erwachen. Immer mehr werden festgenommen. Auch bei FlĂŒgen tun sich Probleme auf, wie Videos zeigen.

Sie brachen gewaltsam in das US-Parlament ein, griffen Polizisten an, zerstörten öffentliches Eigentum, brachten zum Teil Waffen, SprengsĂ€tze und SchutzausrĂŒstung mit, töteten einen Polizisten, drohten mit Morden und Geiselnahmen: Den Angreifern, die sich am Sturm auf das US-Kapitol beteiligt haben, drohen enorme Strafen. Seit viele von ihnen nahezu unbehelligt das GebĂ€ude verlassen konnten, hat sich allerdings einiges getan. Die Strafverfolgungsbehörden haben ihre FĂ€hrte aufgenommen – und nehmen mithilfe von Hinweisen aus der Bevölkerung immer mehr VerdĂ€chtige fest.

Staatsanwalt: Hunderte Verfahren möglich

Schon jetzt haben Ermittler Dutzende der MĂ€nner und Frauen ausfindig gemacht, der zustĂ€ndige US-Bundesstaatsanwalt Michael Sherwin rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit möglicherweise Hunderten weiteren Verfahren. Die Geschehnisse seien in ihrem Umfang beispiellos. "Ich glaube nicht, dass es einen vergleichbaren Fall in der Geschichte des Justizministeriums gibt", sagte Sherwin in einem Interview mit dem "National Public Radio". Dazu trage die schiere Anzahl möglicher VerdĂ€chtiger und die große Anzahl und breite FĂ€cherung der StraftatbestĂ€nde bei.

Zur ersten Welle der Festnahmen zĂ€hlen viele von jenen, die sich beim Angriff auf das Kapitol besonders exponierten. So sind mittlerweile beide MĂ€nner in Haft, die in paramilitĂ€rischer AusrĂŒstung und mit Spezialhandschellen bewaffnet die Senatskammer stĂŒrmten. Einer von ihnen ist ein Ex-MilitĂ€r der US-Luftwaffe aus Texas. Der Sicherheitsforscher John Scott-Railton hatte beide mithilfe zahlreicher Twitter-Nutzer identifiziert. Der Ex-Offizier war aber bereits von seiner Ex-Frau angezeigt worden. Der zweite Mann war in Begleitung seiner Mutter aus Tennessee nach Washington gereist und auf Bildern maskiert mit den Handschellen zu sehen.

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Der Maskierte mit den Spezialhandschellen ist verhaftet: Eric Munchel wurde durch einen kanadischen Forscher identifiziert.
Der Maskierte mit den Spezialhandschellen ist verhaftet: Eric Munchel wurde durch einen kanadischen Forscher identifiziert. (Quelle: Metro Government of Nashville and Davidson County/ap-bilder)

Ebenfalls verhaftet wurde der Mann, der prominent als einer der ersten Eindringlinge einen Polizisten der Capitol Police ĂŒber mehrere TreppenaufgĂ€nge jagte. WĂ€hrend der Polizist nun als Held gefeiert wird, da er seine Verfolger von der Senatskammer ablenkte und damit die Evakuierung verbliebener Parlamentarier ermöglichte, werden dem VerdĂ€chtigen mit dem "QAnon"-Shirt bislang fĂŒnf Verbrechen zur Last gelegt. Er wurde in seiner Heimatstadt in Iowa festgenommen.

Douglas Jensen jagte einen Polizeibeamten durch das Kapitol: Ihm werden nun fĂŒnf StraftatbestĂ€nde vorgeworfen.
Douglas Jensen jagte einen Polizeibeamten durch das Kapitol: Ihm werden nun fĂŒnf StraftatbestĂ€nde vorgeworfen. (Quelle: Polk County (Iowa) Jail/ap-bilder)

Von der Heldenpose zum Foto seiner Festnahme ging es auch fĂŒr den Mann, der seine FĂŒĂŸe auf dem Schreibtisch der Chef-Demokratin Nancy Pelosi ablegte und ein Schreiben aus ihrem BĂŒro stahl. Er hatte dazu Interviews gegeben, nachdem das Bild von ihm um die Welt ging. Er ist in seiner Heimatstadt im US-Bundesstaat Arkansas verhaftet worden. In Unterlagen zu den VorwĂŒrfen gegen ihn werden auch seine Stellungnahmen Medien gegenĂŒber erwĂ€hnt. Er soll bald nach Washington ĂŒberstellt werden.

Richard Barnett drang in Pelosis BĂŒro ein und stahl ein offizielles Schreiben: Nach Interviews stand das FBI bei ihm vor der TĂŒr.
Richard Barnett drang in Pelosis BĂŒro ein und stahl ein offizielles Schreiben: Nach Interviews stand das FBI bei ihm vor der TĂŒr. (Quelle: Reuters-bilder)

Ebenfalls in Untersuchungshaft befindet sich der Mann, den Bilder zeigen, wie er das Sprecherpult des US-ReprĂ€sentantenhauses entwendete. Auch er hatte in sozialen Medien ĂŒber seine Reise nach Washington berichtet. Das FBI stieß auf ihn durch eine Auswertung öffentlich verfĂŒgbarer Informationen. Er hatte Ă€hnlich große Aufmerksamkeit erfahren wie der "QAnon"-Schamane, der mit Fell, Hörnern und Speer ausgestattet das GebĂ€ude betreten hatte. Auch dieser skurrile Trump-UnterstĂŒtzer wurde mittlerweile verhaftet.

Adam Christian Johnson spazierte mit Pelosis Rednerpult ab: Dieses Foto wurde nach seiner Festnahme gemacht.
Adam Christian Johnson spazierte mit Pelosis Rednerpult ab: Dieses Foto wurde nach seiner Festnahme gemacht. (Quelle: Pinellas County Sheriff's Office/Reuters-bilder)

Neben jenen, die sich besonders exponierten, sind mittlerweile auch mehrere MĂ€nner angeklagt, die schwerstbewaffnet nach Washington kamen. Im Truck eines Mannes aus Alabama fand die Polizei ein M4-Sturmgewehr, eine Pistole und elf Molotow-Cocktails mit einem Napalm-Ă€hnlichen Gemisch. Ein weiterer Mann ist angeklagt, im Kapitol eine scharfe Schusswaffe mitgefĂŒhrt zu haben. Bislang ist von mehr als 80 Festnahmen und Anklagen auszugehen, darunter ein republikanischer Abgeordneter des Parlaments im US-Bundesstaat West-Virginia.

VorfÀlle an FlughÀfen auf Video

FĂŒr Furore sorgten zu Wochenbeginn auch Videos in sozialen Medien von mutmaßlichen Teilnehmern des Kapitol-Sturms, wie sie aus Flugzeugen geleitet und zum Teil festgenommen werden. Mehrere Personen in den Videos geben an, auf der sogenannten "No-Fly-List" zu stehen. "Sie haben mich einen Terroristen genannt", ruft ein sichtlich aufgebrachter Mann, von dem angenommen wird, dass er in Washington in das Kapitol eingedrungen ist. Die UmstĂ€nde dieses Videos waren fĂŒr t-online nicht nĂ€her verifizierbar. Andere Filme haben allerdings einen konkreten Bezug zum Sturm aufs Kapitol, wĂ€hrend mindestens einer von diesen einen Ă€lteren Vorfall zeigt, der nicht mit dem Angriff in Washington in Verbindung steht.

Welche Probleme Trump-AnhĂ€nger derzeit auf FlĂŒgen haben, sehen Sie hier oder oben im Video.

Bei den berĂŒchtigten Listen handelt es sich um eine Art GefĂ€hrderdokumentation: Menschen auf dieser Liste werden als Sicherheitsrisiko betrachtet und dĂŒrfen deswegen nicht an Bord eines Linienflugzeugs gelassen werden. WĂ€hrend es zwar bereits im GesprĂ€ch war, VerdĂ€chtige des Kapitol-Sturms in die Liste aufzunehmen, galt es als unwahrscheinlich, dass das kurzfristig noch vor der AmtseinfĂŒhrung von Joe Biden geschehen könne.

In den vergangenen Tagen waren allerdings auch mehrere FĂ€lle bekannt geworden, in denen UnterstĂŒtzer Trumps Menschen an FlughĂ€fen und wĂ€hrend des Fluges belĂ€stigten und einschĂŒchterten, darunter die republikanischen Senatoren Mitt Romney und Lindsey Graham, denen sie "Verrat" vorwarfen. Einige Fluglinien hatten daraufhin auffĂ€llig gewordene Passagiere bereits von ihren FlĂŒgen ausgeschlossen.

Aufgrund der Vorkommnisse hatten die großen Flugbegleitergewerkschaften nicht nur gefordert, Beteiligte am Sturm auf das Kapitol auf die "No-Fly-List" zu setzen, sondern auch, dass sich Fluggesellschaften darĂŒber austauschen, wen sie aus welchen GrĂŒnden nicht mehr befördern. So sollte unter anderem verhindert werden, dass die Personen erneut nach Washington reisen oder fĂŒr ZwischenfĂ€lle wĂ€hrend der FlĂŒge sorgen. Auch die Bundesluftfahrtbehörde hatte angekĂŒndigt, Sicherheitsrichtlinien streng durchzusetzen.

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Bei dem Angriff auf das Kapitol waren ein Polizeibeamter und eine Angreiferin getötet worden. Vier weitere Demonstranten starben aufgrund medizinischer NotfĂ€lle. Ein zweiter Polizeibeamter der Capitol Police beging kurz nach der Attacke Suizid. Mehrere Beamte wurden durch Angreifer verletzt. Das FBI fahndet weiterhin mit Bildmaterial nach vielen VerdĂ€chtigen, darunter ein Mann, der mehrere Rohrbomben platziert haben soll. FĂŒr seine Ergreifung ist eine Belohnung von 50.000 US-Dollar ausgelobt.

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