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USA | Donald Trump vs. Joe Biden: Ein ultimatives Trauerspiel


Das Lachen bleibt im Hals stecken

  • Gerhad Spörl
Von Gerhard Spörl

12.02.2024Lesedauer: 4 Min.
Meinung
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US-Präsident Joe Biden (Archivbild): Sein Alter könnte ihm im Wahlkampf zum Problem werden.Vergrößern des Bildes
US-Präsident Joe Biden (Archivbild): Sein Alter könnte ihm im Wahlkampf zum Problem werden. (Quelle: KEVIN LAMARQUE/Reuters)

Alter? Ein Problem für Joe Biden, nicht für Donald Trump, auch wenn er dem US-Präsidenten in peinlichen Irrtümern keineswegs nachsteht. Die Welt muss sich auf seine Wiederkehr einstellen.

Zwei alte weiße Männer wollen Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Der eine verwechselt Mexiko mit Ägypten. Der andere preist Viktor Orbán für seine Führungskraft in der Türkei. Das Gedächtnis oder das Wissen oder die Konzentrationsfähigkeit der beiden Herren ist anscheinend nicht ganz wasserdicht.

Video | Journalisten fragen Biden nach Gedächtnis – der reagiert wütend
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Quelle: t-online

Wenn es nicht todernst wäre, wer am 5. November gewählt wird, könnten wir uns zwanglos über die Fehlleistungen von Joe Biden und Donald Trump amüsieren. Sie sind eben alt und Alter verzeiht man eigentlich Nachlässigkeit. Aber da beide das wichtigste Staatsamt der westlichen Welt anstreben, bleibt uns das Lachen im Halse stecken.

Der amerikanische Wahlkampf, der ohnehin ein erschreckendes Drama ist, hat gerade eine Zäsur erlebt. Die republikanische Partei, die Trump ergeben ist, wie die Todesser ihrem Lord Voldemort in den Harry-Potter-Romanen, ließ einen ungemein wichtigen Kompromiss platzen. So bleiben die 60 Milliarden Dollar an Militärhilfe weiterhin blockiert, auf welche die Ukraine existenziell angewiesen ist. Mehr dazu lesen Sie hier.

Donald Trump gab dazu einen seiner unnachahmlichen Kommentare ab: Er hätte schon damals, als er Präsident war, zu den Nato-Staaten gesagt, er werde Wladimir Putin "ermutigen, zu tun, was er verdammt noch mal tun wolle", weil sie dem Bündnis Geld schuldeten. Was er damit sagen will? Die Europäer sind angeblich selber schuld, dass Putin die Ukraine überfallen hat. Und außerdem konnte der russische Präsident es nur deshalb wagen, weil ihn Donald Trump dazu animiert hatte.

Kampf um die Kandidatur
US-Wahlen2024
Stand:Trump:Haley:
  • Trump
  • Haley

Donald Trump (77)

Der umstrittene Ex-Präsident will das Weiße Haus zurückerobern.

Nikki Haley (52)

Pragmatikerin, will Konservative gewinnen, denen Trump suspekt ist.

Die prozentualen Zustimmungswerte der Kandidaten beziehen sich auf die Wählerschaft innerhalb der eigenen Partei, nicht auf alle Wähler. Quelle: RealClearPolling (22.02.2024, ausgewählte Bewerber, Ergebnisse auf ganze Zahlen gerundet)

Was Biden schadet, ist gut für Trump

Was sich derzeit in Amerika abspielt, ist ein ultimatives Trauerspiel. Um die Ukraine weiterhin zu unterstützen, müsste sich die Demokratische Partei auf noch härtere Maßnahmen an der Grenze zu Mexiko einlassen. Dort am Rio Grande herrscht Ausnahmezustand aus mehreren Gründen. An der Südgrenze wurden im Jahr 2023 rund 2,5 Millionen Menschen ohne nötige Papiere gezählt. Sie kommen meistens aus Lateinamerika, aber auch Chinesen, Russen oder Menschen aus Afrika versuchten sich nach Amerika durchzuschlagen.

Grenzschutz auf den 3.200 Kilometern zwischen dem Golf von Mexiko und dem Pazifik ist eigentlich Sache der Washingtoner Regierung. Aber der texanische Gouverneur, ein Trump-Groupie, hat trotzdem die Nationalgarde und regionale Polizeieinheiten dorthin entsandt. Das ist illegal, aber in der Trump-Welt egal. Aus Mexiko kämen Vergewaltiger und Irre, Terroristen und Mörder, behaupten die Trumpisten – und Biden wolle die Grenzen nach seiner Wiederwahl für alle Emigranten öffnen.

Nichts davon stimmt, aber auch das ist egal. Die Logik der Trumpisten ist: Wir müssen unsere eigenen Grenzen schützen und was schert uns die Ukraine. Was Biden schadet, ist gut für Trump und damit für Amerika. Fuck you, Joe Biden!

(Quelle: privat-bilder)

Zur Person

Gerhard Spörl interessiert sich seit jeher für weltpolitische Ereignisse und Veränderungen, die natürlich auch Deutschlands Rolle im internationalen Gefüge berühren. Er arbeitete in leitenden Positionen bei der "Zeit" und dem "Spiegel", war zwischendurch Korrespondent in den USA und schreibt heute Bücher, am liebsten über historische Themen.

Dann werden wir Trump in Reinkultur erleben

Amerika ist schon länger ein schwieriges, unberechenbares, gespaltenes Land. Vielleicht begann mit den Lügen der Regierung Bush, die im Jahr 2003 zur Invasion im Irak führten, die Entfesselung und Enthemmung. Wahrscheinlich hat das weiße Amerika nicht ertragen, dass Barack Obama Präsident wurde. Warum sich aber die stolze republikanische Partei diesem Trump so unterworfen hat, dass er sie wie eine Marionette tanzen lassen kann, bleibt ein Rätsel.

Auch verfiel Amerika im Laufe seiner Geschichte immer mal wieder seiner eigenen Paranoia. Aber es raffte sich nach Joseph McCarthys Kommunisten-Verfolgungswahn in den 1950er-Jahren oder Richard Nixons kriminellem Handeln oder auch nach dem Vietnam-Krieg wieder auf. Nun aber ist Trumps zweite Amtszeit eine reale Möglichkeit – trotz des Sturms auf das Kapitol, trotz der anhängigen Prozesse, trotz der Erfahrungen mit ihm im Weißen Haus.

Amerika scheint bereit zu sein, ihm freie Hand zu geben, denn von Pragmatikern und Realisten wird er sich diesmal nicht einmauern lassen. Wird er gewählt, werden wir Trump in Reinkultur erleben.

Trumps vier Gebote

Trumps Gebote lassen sich so zusammenfassen:

Erstens: Demokratie ist was für Weicheier. Denn Demokratie bedeutet Kompromisse und Trump ist ein Extremist, dessen Wort zu gelten hat und damit basta.

Zweitens: Trump verfügt über ein jubelbereites Publikum, das er wie ein Entertainer bei Stimmung hält, wobei er sein eigener Anheizer ist.

Drittens: Vergesst die Welt dort draußen, dieses Europa/EU/Nato-Gesocks, auf uns kommt es an, auf Amerika, das ist die Botschaft.

Viertens: Lügen ist wie Wahrheit, Lügen verwandeln sich in Wahrheit, wenn Trump sie ausspricht, und sie werden durch andere Lügen abgelöst, die wiederum zur Wahrheit werden.

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Das Alter ist ein Problem für Biden, nicht für Trump

Zur tatsächlichen Wahrheit gehört, dass Amerika gerade eine seiner größten Wachstumsperioden erlebt. Dafür sorgen Gesetze der Regierung Biden, zum Beispiel der Inflation Reduction Act über 433 Milliarden Dollar für Investitionen auf dem heimischen Markt. Außenpolitisch handelt die Supermacht in der Ukraine wie in Israel auf vernünftige und traditionelle Weise. Sie tritt sowohl militärisch als auch politisch entschlossen auf. Diese Aktionen auf der Weltbühne sind mit Joe Biden aufs Engste verbunden. Ohne ihn sähe die Welt anders aus, keine Frage.

Doch nichts davon wirkt sich zu Hause positiv für den US-Präsidenten aus. Seine Beliebtheitswerte sind unterirdisch. Dass ein Untersuchungsbericht ihn als wohlwollenden älteren Herren mit einem löchrigen Gedächtnis charakterisiert, bekräftigt viele Vorurteile, die ihm anhängen. Es ist ja auch wahr, kurz nach der Wahl wird Joe Biden 82, kein Alter für einen Präsidenten.

Donald Trump wird im Juni 78, auch kein Alter für einen Präsidenten. Ronald Reagan war übrigens 77 Jahre alt, als er aus dem Amt schied. Aber Trump ist nach wie vor ein Großmaul und ein Lügenbold und eben ein Entertainer, bei dem das Alter Nebensache ist, jedenfalls für seine Jünger (Frauen kommen in diesem Orbit nur als Sexualobjekt vor). Das Alter ist ein Problem für Biden, nicht für Trump. Mehr dazu lesen sie hier.

Amerika ist wie im Fieberrausch und schaut zu, wie sich zwei betagte Herren mit schwankendem Erinnerungsvermögen einen schaurigen Wahlkampf liefern. Und der Rest der Welt, also wir, wartet apathisch ab, wen sich dieses seltsame Land ins Weiße Haus wählen wird.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen und Recherchen
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