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"Markus Lanz": CDU-Politikerin Kinnert wirft Markus Söder "Sabotage" vor


Bei "Markus Lanz"
CDU-Politikerin Kinnert wirft Söder "Sabotage" vor

Eine TV-Kritik von Christian Bartels

Aktualisiert am 07.10.2021Lesedauer: 3 Min.
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Diana Kinnert (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung kritisierte die CDU-Politikerin Machtkämpfe in ihrer Partei.Vergrößern des Bildes
Diana Kinnert (Archivbild): In der jüngsten Lanz-Sendung kritisierte die CDU-Politikerin Machtkämpfe in ihrer Partei. (Quelle: imago images)

Bei "Markus Lanz" ging es um den Fortgang der Koalitionsgespräche und grundsätzliche Zukunftsfragen der Menschheit – keine ideale Mischung für eine Talkshow. Immerhin präsentierte sich ein junger FDP-Vertreter schon mal staatsmännisch.

Gab es ein "Gemetzel" in den Unionsparteien, weil CSU-Chef Söder Jamaika-Koalitions-Hoffnungen "ganz brutal" "beerdigt" hatte? Und hatte es viel zu bedeuten, dass die Pressekonferenz der Grünen früher stattfand als die der FDP? Zumindest Talkshowmoderator Markus Lanz schien ob der Entwicklungen bei den Koalitions-Sondierungsgesprächen am Mittwoch ganz aus dem Häuschen zu sein. Er warf mit scharfen Formulierungen nur so um sich.

Weil FDP-Vertreter Johannes Vogel souverän bei seinem Vorsatz blieb, nichts aus vertraulichen Gesprächen auszuplaudern, hatte Lanz aber nicht die richtige Gästerunde, um eine sehr spannende Diskussion zu entfesseln.

Die Gäste

  • Johannes Vogel, Politiker (FDP)
  • Diana Kinnert, Politikerin (CDU)
  • Markus Feldenkirchen, Journalist
  • Harald Welzer, Soziologe und Buchautor

Der junge stellvertretende FDP-Vorsitzende Vogel hatte gerade mit seinem "Es nervt"-Tweet Aufsehen erregt, in dem er den Unionsparteien vorwarf, vertrauliche Gesprächsinhalte an die Medien weiterzureichen. Bei Lanz lobte er nun die bisherigen Grünen-FDP-Gespräche als "sehr diskret gelaufen" – und ließ die hartnäckigen Zuspitzungsversuche des Moderators an sich abperlen. Vielmehr verstand es Vogel, "Hätte-wäre-wenn-Fragen" so umzubiegen, dass er immer wieder seine Lieblingsformulierungen unterbringen konnte.

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"Ganz neues Parteiensystem" mit "vier mittelgroßen Parteien", lautet die eine (die die Rolle seiner FDP noch etwas größer erscheinen lässt, als sie ist). "Ermattung" lautet die andere. Darunter leide Deutschland nach der langen Groko-Regierung.

"Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen konstatierte bei den Unionsparteien "ein Trauerspiel, eine Selbstdemontage". Viele Unionsmitglieder wollten geradezu verhindern, dass Laschet noch Bundeskanzler einer Jamaika-Koalition werden könne, darunter der "Vorsitzende einer bayrischen Regionalpartei".

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Diana Kinnert, die stets mit Hut auftretende junge CDU-Politikerin, beklagte, dass "viele Figuren in der CDU sich nicht als gemeinsame Führung verstehen" und nannte dann die Namen Merz und Röttgen.

Und Lanz ließ immer wieder Ausschnitte aus Pressekonferenzen des Mittwochs einblenden, darunter von Armin Laschet und Markus Söder. Während Vogel Söders Äußerungen nicht überinterpretieren wollte ("Ausgeschlossen hat er nichts"), tat Kinnert Lanz endlich den Gefallen, Söders Auftritt "offene Sabotage" zu nennen. Der CSU-Chef habe "offenbar die Niederlage gegen Laschet nicht verkraftet", pflichtete Feldenkirchen bei.

Erst als diese Fragen sich zum überdehnten Klein-Klein entwickelten, bezog der Moderator seinen vierten Gast mit ein. Der Soziologe Harald Welzer, der gerade ein "tolles Buch" mit dem "bisschen ironisch" (Lanz) gemeinten Titel "Nachruf auf mich selbst" veröffentlicht hat, hob die Diskussion auf eine völlig andere Ebene: Die "Endlichkeitsprobleme", die das 21. Jahrhundert bestimmen, ließen sich "nicht im Modus des permanenten Wachstums" lösen, sagte Welzer.

Dass Wirtschaftspolitik noch immer auf Wachstum setzt, sei eine "kollektive Lebenslüge", ergänzte er später – und bezog sich damit ausdrücklich auch auf das "grüne Wachstum", das die FDP propagiert.

Zumindest einer nutzte seine Chance

Begann damit eine größere Grundsatzdebatte über Zukunftsfragen der Menschheit und Möglichkeiten der nächsten Bundesregierung, zur Lösung beizutragen? Nein, alles wurde doch schnell wieder runtergebrochen auf die Frage, warum so viele Erstwähler FDP wählten. Welzers Antwort: Da die Kandidaten der FDP noch nicht so alt sind wie die von Union und SPD.

Vogel widersprach natürlich. Er erlebe eine "junge Generation, die hochinteressiert ist" an Politik. Und Lanz' Rezepte, erstens noch weitere Interviewausschnitte einzuspielen (in diesem Fall mit Wolfgang Schäuble) und zweitens "großartige Sätze" aus Welzers Buch vorzulesen, statt den eloquenten Autor einfach unmittelbar zu befragen, erwiesen sich als kontraproduktiv für ein fruchtbares Studiogespräch.

Diese Markus-Lanz-Sendung irrlichterte seltsam fahrig zwischen der Zukunft der Menschheit an sich, dem Fortgang der Koalitionssondierungen in den nächsten Tagen und kurzen Fragen nach der mittleren Zukunft Armin Laschets. Zumindest FDP-Mann Vogel konnte aber zufrieden sein. Er hat die Gelegenheit, sich schon mal staatsmännisch zu geben ("Politik ist die Kunst des genauen Hinhörens", "Lagerdenken passt nicht mehr in die heutige Zeit"), ziemlich perfekt genutzt.

Verwendete Quellen
  • "Markus Lanz" vom 6. Oktober 2021
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