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Isolation ĂŒber Monate: Bewohner "sterben an gebrochenen Herzen"

Von David Heisig

Aktualisiert am 17.12.2020Lesedauer: 4 Min.
Blick in ein unter QuarantÀne stehendes Pflegeheim: In den Einrichtungen sind besonders viele TodesfÀlle zu beklagen.
Blick in ein unter QuarantÀne stehendes Pflegeheim: In den Einrichtungen sind besonders viele TodesfÀlle zu beklagen. (Quelle: Andre MÀrz/imago-images-bilder)
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Auch Markus Lanz kam nicht um das Thema Corona herum. Wie geht es den Alten und PflegebedĂŒrftigen in den Einrichtungen? Was geschieht, wenn das Virus dort ausbricht? Es wurde emotional.

Die GĂ€ste

  • Bernhild Braun, Leiterin einer Mainzer Senioreneinrichtung
  • Theo Waigel, CSU-Ehrenvorsitzender
  • Martin Suter, Autor
  • Benjamin von Stuckrad-Barre, Autor

Starker Tobak erster Teil: die Corona-Krise

Gerade mit Braun und Waigel erörterte Lanz das Thema sehr emotional: eben mit dem Blick auf die Ă€ltere Generation. Deren Isolation ĂŒber Monate hinweg – etwa in Pflegeeinrichtungen – fĂŒhre dazu, dass diese irgendwann "an gebrochenen Herzen sterben." Der Umgang mit Menschen dĂŒrfe nicht fehlen, erklĂ€rte Braun. Sie blickte mit gemischten GefĂŒhlen auf die KrisenbewĂ€ltigung zurĂŒck. "Die Perspektive, was den Schutz in Altenheimen angeht, ist nicht so positiv". Vor allem gebe es ein personelles Dilemma. Wobei ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "extrem viel geleistet haben". Ein Umstand, den die Gesellschaft als zu selbstverstĂ€ndlich hinnehme.

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Lanz versuchte, die Diskussion dahin zu lenken, dass viele in der Risikogruppe gar keine Isolation wollten. Braun differenzierte hier. Einige wollten ohne Kontakte nicht leben. Andere forderten geradezu, die Gemeinschaft zu schĂŒtzen. Fakt sei, wenn es einen Fall in einer Einrichtung gebe, sei "es nicht mehr aufzuhalten". Aufteilung und Isolation der Betroffenen sei zudem ein schwerer Eingriff in das Private. Allerdings sei die Neuausrichtung des Schutzes mit kontinuierlichen Test von Pflegepersonal und Bewohnerinnen und Bewohnern und der Ausgabe von FFP2-Masken strategisch richtig, so Braun. Allerdings fehle es an personellen Ressourcen. So ĂŒbernehme aktuell ihre Pflegeleitung das Testen. Richtig sei die Entscheidung der Politik – im Gegensatz zur ersten Welle – Besuche und NĂ€he zu erlauben.

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Waigel war geladen, um ĂŒber einen dunklen Punkt in der Geschichte zu sprechen: den Mord an Treuhand-Chef Detlev K. Rohwedder 1991, als der CSU-Mann Bundesfinanzminister war. "Ich war die Nummer eins im Fadenkreuz der RAF", erklĂ€rte Waigel. Er berichtete von Warnungen von Klaus Kinkel, der damals Bundesjustizminister war, er sei in großer Gefahr. Die RAF habe in ihrem Bekenntnis zur Tat betont, sie hĂ€tten Rohwedder getötet, weil sie "an Waigel nicht rangekommen sind".

Schwere Kost – wie Lanz befand – fĂŒr Waigel im Umgang mit seiner Verantwortung gegenĂŒber Rohwedders Familie. Von dieser sei nie ein Wort des Vorwurfs gekommen, so Waigel. Man merkte dem Bayer aber an: Das Thema arbeitet noch gut 30 Jahre spĂ€ter an ihm. Weil Rohwedder als erfolgreicher Wirtschaftsmann die Aufgabe bei der Treuhand "gar nicht nötig gehabt" habe. Aus Enthusiasmus fĂŒr die Wiedervereinigung habe Rohwedder den Job ĂŒbernommen. Schnell habe sich Desillusionierung bei ihm eingestellt, weil sich die Volkswirtschaft der DDR als unmöglich zu sanieren erwies. Einen Umstand, den man zu Beginn falsch eingeschĂ€tzt habe. Als Rohwedder dann hinschmeißen wollte, hĂ€tten er und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ihn zum Weitermachen ĂŒberredet, so Waigel.

Waigels VerhĂ€ltnis zu anderen GrĂ¶ĂŸen der Politik

Lanz kam nicht umhin – auch in Bezug auf Markus Söders Performance in der aktuellen KrisenbewĂ€ltigung – Waigel ĂŒber dessen VerhĂ€ltnis zum CSU-Freund zu fragen. "Ich finde, der macht das gut", so der Minister a.D. Er tausche sich aktuell per SMS mit ihm aus. Lanz verwunderte das. Er zeigte ein Bild von einem Bezirksparteitag in NĂŒrnberg, auf dem sich Söder damals gegen Waigel als bayerischen MinisterprĂ€sidenten ausgesprochen hatte. "Der klatscht gegen Sie", so Lanz' Conclusio. Waigel sah es gelassen. Zu versöhnlich blickt er auf seine Politikkarriere zurĂŒck. Auch mit Helmut Kohl und Helmut Schmidt habe er Fehden ausgetragen und sich am Ende mit ihnen versöhnt. Einen kleinen Seitenhieb auf Söder musste er aber setzen. Der werde nur Bundeskanzler, wenn er "nach Stuttgart" gehe und "bei den GrĂŒnen eintrete".

Und Lanz?

Dem Talkmaster merkte man an, dass ihn mit seinen GĂ€sten eine bestimmte NĂ€he verband. Er war ĂŒber alle sehr gut informiert, kannte viele Nuancen aus ihren Leben. Was nicht verwundern mag, weil alle schon mal bei ihm in der Sendung zu Gast waren. Dennoch hatte man das GefĂŒhl, dass sich hier Freunde nach langer Zeit wieder treffen und auf die Frage "Wie geht es Dir so?" mit Vertrautheit antworten. Das vermittelte – jedenfalls zum Ende im Talk mit den beiden Autoren – auch eine gewisse Heiterkeit.

Den Zuschauerinnen und Zuschauern eröffnete es auch Einblicke in die Lebenswelt der GÀste. Da mag man dem Moderator seine systemimmanente Hektik, die oftmalige Suche nach einem roten Faden im GesprÀch oder die stÀndige Wiederholung, er finde Dinge "interessant" auch verzeihen.

Suter und von Stuckrad-Barre berichteten, wie sie sich am Ostseestrand in Heiligendamm kennenlernten. "Er kam also in einer knallorangenen Badehose angeschwankt und ich dachte: Das ist doch mal ein niedrigschwelliges Angebot", so von Stuckrad-Barre ĂŒber das erste Treffen.

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Aus dem Austausch zwischen der "Großvater-Figur" Suter und dem Pastorensohn entstand dann das Buch "Alle sind so ernst geworden". Was auch fĂŒr von Stuckrad-Barre galt. Zumindest als Lanz ihn auf seine ernste Kindheitsgeschichte ansprechen wollte. Da wich der Autor aus. Wenn er aber am Ende ĂŒber Waigel sagte, wie ĂŒberrascht er sei, wie belesen der Minister a.D. sei, dann ist das doch auch eine Erkenntnis.

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