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Angriffe auf Synagogen: So bricht sich der Antisemitismus in Deutschland Bahn

Brennende Flaggen, Angriffe auf Synagogen  

So bricht sich der Antisemitismus gerade in Deutschland Bahn

13.05.2021, 16:43 Uhr | dpa, rtr, cck

Was auf dieser Demo passiert, ist eine Schande

"Scheiß Jude" ruft eine Gruppe in Gelsenkirchen. In Berlin wünschen sich Demonstranten Krieg gegen Israel. Antisemitismus tritt mitten in Deutschland offen zu Tage.

Offene Hassparolen: Auf diesen Demos ist es zu antisemitischen Ausfällen gekommen. (Quelle: t-online)


Angriffe auf Synagogen, angezündete israelische Flaggen, judenfeindliche Sprechchöre: In Deutschland häufen sich derzeit antisemitische Vorfälle. Ein Überblick über Vorfälle im ganzen Land. 

Angriffe auf Synagogen, antisemitische Sprechchöre auf Demonstrationen – in Deutschland kommt es derzeit zu einer Häufung von Angriffen auf jüdisches Leben. In Gelsenkirchen etwa skandierten am Mittwochabend 180 Menschen antisemitische Sprüche bei einer nicht angemeldeten Demonstration.

Ein Video des Zentralrats der Juden in Deutschland zeigt, wie eine Gruppe von Menschen, ausgestattet mit palästinensischen und türkischen Flaggen, im Chor "Scheiß Juden" ruft. Die Gruppe bewegte sich in Richtung der Synagoge und wurde auf dem Weg von der Polizei aufgehalten. 

Die Polizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Videos aus Gelsenkirchen. Es sei vermutlich aus der Synagoge heraus aufgenommen worden, sagte ein Sprecher. Auf dem Video ist zu sehen, dass Beamte trotz der Parolen nicht eingriffen. Das oberste Ziel sei der Schutz der Synagoge gewesen, erklärte der Polizeisprecher. Es seien zunächst nicht genug Beamte vor Ort gewesen, um gleichzeitig Tatverdächtige aus der Menge zu ziehen. Als weitere Beamte eingetroffen seien, habe sich der Demozug bereits wieder aufgelöst.

Auch in Hannover stoppte die Polizei eine Demonstration. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 550 Menschen teil. Teilnehmer von ihnen versuchten, Israelflaggen zu verbrennen, und wurden von der Polizei daran gehindert. Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus RIAS wurde in Parolen Israel das Existenzrecht abgesprochen. 

Zudem gibt es vermehrt Angriffe auf Synagogen und israelische Symbole. Am Donnerstagmorgen wurde die Mannheimer Synagoge von einem Unbekannten angegriffen, eine Scheibe wurde zerstört. Laut Polizei ist das Fenster mit einem stumpfen Gegenstand beschädigt worden.

 
In Berlin stahlen Unbekannte die Israel-Flagge von der CDU-Bundesgeschäftsstelle. Es gebe Videoaufzeichnungen, auf denen zwei Menschen beim Entwenden der Fahne vor dem Konrad-Adenauer-Haus zu sehen seien, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak twitterte, die CDU habe die Fahne umgehend ersetzt. 

Wie die Berliner Polizei weiter mitteilte, sollen Unbekannte zudem offenbar versucht haben, eine Israel-Fahne vor dem Rathaus Berlin-Pankow zu entzünden, indem sie einen Müllcontainer darunter schoben und anzündeten. Die Flagge habe aber keinen Schaden genommen.

Mehrere Angriffe auf Synagogen in NRW

In Solingen ist ebenfalls eine vor dem Rathaus gehisste israelische Flagge angezündet worden. Die Fahne war erst am Mittwoch gehisst worden. Die Stadtverwaltung habe damit an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland am 12. Mai 1965 erinnern wollen, hieß es. Die Polizei ermittelt nun gegen unbekannt. Auch in Würzburg riss ein Unbekannter die vor dem Landratsamt gehisste israelische Flagge vom Mast und beschädigte sie massiv.

Am Dienstagabend legte ein Unbekannter ein Feuer auf dem Denkmal für die ehemalige große Synagoge in Düsseldorf. Sie war im Zuge der Novemberpogrome 1938 von Nazis in Brand gesetzt und völlig zerstört worden. In Bonn und Münster waren zudem am Dienstag vor Synagogen israelische Flaggen angezündet worden, das Gebäude in Bonn wurde zudem mit Steinen beworfen und schwer beschädigt. Die Polizei konnte mehrere Männer festnehmen, der Staatsschutz ermittelt. 

Rias: Viele Meldungen von antisemitischen Vorfällen

Der Zentralrat der Juden zeigte sich am Mittwoch entsetzt. "Die Bedrohung gegen die jüdische Gemeinschaft wächst", sagte der Präsident des Zentralrats, Joseph Schuster. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus RIAS, die ein Meldesystem für antisemitische Vorfälle betreibt, schrieb am Donnerstag auf Twitter, dass sie derzeit viele Meldungen über Social Media erhält. 

Die Initiative kulturelle Integration mit Mitgliedern aus Staat, Zivilgesellschaft und Religionsgemeinschaften erklärte am Donnerstag, Angriffe auf Synagogen seien kein Teil demokratischer Debatten- und Streitkultur, "sondern sie sind purer Antisemitismus".

Außenminister Heiko Maas rief zu einem besseren Schutz der Synagogen auf. "So traurig es ist, dass das überhaupt notwendig ist: Der Staat muss ohne Wenn und Aber die Sicherheit der Synagogen gewährleisten", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, es nicht zu akzeptieren, "wenn Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland für Ereignisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden – auf der Straße wie in den sozialen Medien".

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern spitzt sich indes weiter zu. In unserem Liveblog lesen Sie mehr zu dem Konflikt. Auch innerhalb von Israel gab es Ausschreitungen. Israels Präsident Reuven Rivlin warnte vor einem Bürgerkrieg. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • Eigene Recherche

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