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Laschets Klimaexpertin wurde erst vor einer Woche angerufen

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

Aktualisiert am 01.09.2021Lesedauer: 4 Min.
Armin Laschet mit Wiebke Winter und Thomas Heilmann: Gemeinsam stellten sie bei einer CDU-Präsidiumssitzung am vergangenen Montag ein Programm zu erneuerbaren Energien vor.
Armin Laschet mit Wiebke Winter und Thomas Heilmann: Gemeinsam stellten sie bei einer CDU-Präsidiumssitzung am vergangenen Montag ein Programm zu erneuerbaren Energien vor. (Quelle: Michael Kappeler/dpa-bilder)
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Laschet will Klima-Kanzler werden. Sein Beraterteam wurde aber offenbar erst vor wenigen Tagen gebildet. Keine kritischen Nachfragen gab es in der jüngsten Lanz-Sendung zur Cum-Ex-Affäre um Scholz.

Die Gäste

  • Wiebke Winter (CDU), Teil von Armin Laschets Kompetenzteam
  • Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister Hamburgs (SPD)
  • Hendrik Streeck, Virologe am Uni-Klinikum Bonn
  • Eva Quadbeck, Journalistin vom "RedaktionsNetzwerk Deutschland"

Dieses Mal will sich Armin Laschet aber wirklich nicht vom Klimawandel als Wahlkampfthema überraschen lassen. "Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich ein weltweites Thema geworden", hatte sich der heutige Kanzlerkandidat der Union noch im Mai 2019 bei "Anne Will" ereifert. Ausgerechnet die Grünen-Kontrahentin Annalena Baerbock schüttelte damals in der Runde betrübt den Kopf. Dieses Zitat rieb Markus Lanz am Dienstagabend Laschets neuer Klimaexpertin Wiebke Winter genüsslich unter die Nase. Die Nachwuchspolitikerin aus Bremen gab sich alle Mühe, Laschet als überzeugten Kämpfer für die Energiewende zu präsentieren. Dann aber fragte Lanz plötzlich "Wann wurden Sie eigentlich ins Wahlkampfteam geholt?". Volltreffer.

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Wagner hatte am 30. August 2021 neben den Unionsexperten Andreas Jung und Thomas Heilmann mit Laschet das Positionspapier "Ein Turbo für die Erneuerbaren!" vorgestellt. Plötzlich galt die 25-jährige Mitgründerin der Klima-Union als offizielle Klimabeauftragte des Kanzlerkandidaten. Diese Ernennung – so sie denn überhaupt eine war – scheint nicht gerade von langer Hand strategisch geplant gewesen zu sein. "Der Teamgedanke ist wahnsinnig lange da", versuchte sich Winter bei Lanz' Frage aus der Schusslinie zu ziehen. Dann aber räumte sie ein: "Ich wurde Ende letzter Woche konkret angesprochen." "Mitte/Ende letzter Arbeitswoche" habe sich das Konrad-Adenauer-Haus gemeldet, Kontakt zu Laschet habe sie allerdings schon vorher gehabt.

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Laschets Klimaexpertin bei Lanz

"Jetzt sollen Sie diesen Wahlkampf retten?", fragte Lanz ketzerisch, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Winter stritt leidenschaftlich für die vorgestellten Ideen für die Energiewende ("So konkret habe ich es noch von keiner anderen Partei gesehen") und auch für die Person Laschet, obwohl sie ursprünglich die Kandidatur von Norbert Röttgen unterstützt hatte. Allerdings stellte die Doktorandin den Spitzenkandidaten in ihrer Begeisterung ungewollt bloß. "Ich komme mit meinen Ideen bei ihm an, er übernimmt sie für sich selber. Und wie großartig ist das, dass Armin Laschet das macht", meinte Winter. "Oder wie verzweifelt er ist", merkte Lanz trocken an.

Die Wahlkämpferin ließ sich nicht entmutigen und legte sich in einem kleinen Nordderby mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an. Der wurde es nicht müde, seinen Amtsvorgänger Scholz als den einzigen vertrauenswürdigen Spitzenkandidaten 2021 zu präsentieren. Aber selbst der Profi schlug im Wahlkampf über die Stränge. Er wiederholte das Mantra eines "Plans für Deutschland" zeitweise derart häufig, dass gut vorbereitete Zuschauer daraus ein lohnenswertes Trinkspiel hätten machen können.

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Winter konterte den Lobgesang auf den Bundesfinanzminister mit dem unschönen Detail, dass die SPD Scholz nicht mal als Parteivorsitzenden gewollt hatte. Daraus spann sie den Verdacht, ob Scholz nicht womöglich die "Marionette" von Parteilinken wie SPD-Chefin Saskia Esken oder NoGroko-Umfaller Kevin Kühnert sein könnte – oder warum schließe Scholz nicht kategorisch eine Koalition mit der Linkspartei aus? "Da haben Sie jetzt tief in die Klischees der CDU gegriffen", erwiderte Tschentscher und zeigte sich angefressen. "Bei der Zerstrittenheit der Union brauchen wir von dieser Seite keine Ratschläge."

Dabei hätte sich Tschentscher eigentlich bei "Markus Lanz" noch sehr viel härteren Nachfragen stellen müssen. Mit ihm auf der Gästeliste hätte man davon ausgehen können, dass an diesem Abend auf jeden Fall die Cum-Ex-Affäre um die Hamburger Warburg-Bank eine Rolle spielen würde. Die wirft ein zumindest fragwürdiges Licht auf den damaligen Finanzsenator und seinen Amtsvorgänger Scholz. Seit Langem steht der Vorwurf im Raum, Scholz habe der bestens ins Rathaus vernetzten Privatbank Steuerrückzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe erspart – letztlich auf Kosten der Steuerzahler. Medien hatten zuletzt über möglicherweise neue Hinweise berichtet, dass Tschentscher damals zugunsten der Bank eingegriffen haben könnte. Die "WirtschaftsWoche" kommentierte: "Die Fassade von Olaf Scholz beginnt zu bröckeln."

Cum-Ex wurde allerdings mit keinem Wort erwähnt. Dabei hatte Lanz bei früheren Heimspielen des Bürgermeisters (die Talkshow wird in Hamburg-Altona produziert) durchaus kritisch nachgefragt. Umso mehr verwunderte es, dass der Gastgeber es vermied, eine mögliche Achillesferse des SPD-Kanzlerkandidaten zu entblößen. Tschentscher forderte das mit den Lobreden auf dessen Charakterstärke geradezu heraus. "Olaf Scholz ist der verlässlichste Politiker, der mir in den vergangenen 30 Jahre begegnet ist". Eine derart steile Vorlage lässt Lanz in seiner Sendung sonst nicht ungenutzt.

Virologe kritisiert 2G

Statt um mögliche Steuergeschenke für Privatbankiers ging es aber um das 2G-Experiment, das Hamburg als erstes Bundesland am vergangenen Wochenende gestartet hat. Clubs oder Bars können nun lediglich Geimpften oder Genesenen den Zutritt gewähren und dafür mehr Gäste reinlassen. Virologe Hendrik Streeck hatte Probleme damit, die Logik hinter der Taktik zu erkennen. "Es suggeriert, dass von einem Getesteten ein höheres Risiko ausgehen würde als von einem Geimpften oder Genesenen und das ist wissenschaftlich nicht belegt", sagte der Leiter des Instituts für Virologie am Uni-Klinikum Bonn. Das Gegenteil treffe zu: Ein negativ getesteter Mensch habe vermutlich eine geringere Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben.

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Streeck hegte deshalb den Verdacht, dass hinter der neuen 2G-Regel in Wahrheit eine indirekte Impfpflicht stecken könnte. "Das ist der Lockdown für die Ungeimpften", sagte auch Eva Quadbeck, stellvertretende Chefredakteurin des "RedaktionsNetzwerks Deutschland". Sie warf den Spitzenkandidaten der Parteien vor, im Wahlkampf schwierige Themen wie dieses weitgehend auszuklammern. "Sie sind alle verängstigt", attestierte sie Laschet, Scholz und Baerbock. Für sie ist am ehesten noch der Bundesfinanzminister als Gewinner aus dem jüngsten TV-Triell hervorgegangen. "Scholz hat sich gut verkauft", attestierte ihm Quadbeck. Aber zu welchem Preis? "Er merkelt sich wunderbar durch diesen Wahlkampf."

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