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Gabriel: "Wir sind unfassbar abh├Ąngig von den USA"

Von Charlotte Zink

Aktualisiert am 05.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Sigmar Gabriel war Gast bei Lanz (Archivbild): Er sieht ein F├╝hrungs-Vakuum in Westen.
Sigmar Gabriel war Gast bei Lanz (Archivbild): Er sieht ein F├╝hrungs-Vakuum in Westen. (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)
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Die USA befinden sich in einem Wandlungsprozess ÔÇô doch wohin geht die Reise? Markus Lanz diskutierte das unter anderem mit dem ehemaligen Au├čenminister Sigmar Gabriel.

"Wenn der Sheriff die Mainstreet verlassen hat, kommen die Gangster!" Mit diesem Vergleich f├╝hrte Ex-Au├čenminister Sigmar Gabriel am Dienstag bei "Markus Lanz" vor Augen, was aus seiner Sicht droht, wenn sich die USA aus ihrer Rolle als "Weltpolizist" zur├╝ckzieht.

Die G├Ąste:

  • Sigmar Gabriel, SPD-Au├čenminister a.D.
  • Annika Brockschmidt, Historikerin
  • Johannes Hano, ZDF-New-York-Korrespondent

In der Talkrunde ging es anl├Ąsslich des bevorstehenden Jahrestags vom Sturm auf das Kapitol um die politische und gesellschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten. Warum die auch f├╝r Deutschland und den Rest der Welt weitreichende Konsequenzen hat, erkl├Ąrte Gabriel.

Die westliche Welt sei bisher daran gew├Âhnt gewesen, dass die USA die F├╝hrung ├╝bernommen und die gemeinsame Freiheitsidee verteidigt habe. Nun wollten die Vereinigten Staaten diese Verantwortung jedoch loswerden, so der Ex-Au├čenminister.

Seine Erkl├Ąrung: Die USA w├╝ssten derzeit nicht mehr "wer sie sind". Der Anspruch, "f├╝hrende Wirtschaftsnation" zu sein und gleichzeitig als "Weltpolizist" zu agieren, lie├če sich aus Sicht der Amerikaner nicht mehr gleichzeitig erf├╝llen.

Ausfall Amerikas h├Ątte "verheerende Konsequenzen"

"Das macht es f├╝r uns unbequem, weil wir uns selber k├╝mmern m├╝ssen", sagte Gabriel. Derzeit sei jedoch noch unklar, wie man die Dinge regeln w├╝rde, wenn "der gro├če Bruder" sich nicht mehr k├╝mmert. "Wir sind unfassbar abh├Ąngig von den USA", so der ehemalige Vize-Kanzler.

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Er warnte auch, dass ein "Ausfallen" Amerikas f├╝r die Weltpolitik "verheerende Konsequenzen" mit sich br├Ąchte. Der Grund: Es w├╝rde kein Vakuum entstehen, sondern andere M├Ąchte, die westlichen Werten m├Âglicherweise gar nicht zustimmten, w├╝rden nach vorne streben.

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Journalist Hano: "Auf unruhige Zeiten einstellen"

Dass die Lage USA-bedingt brisant ist, befand auch ZDF-New-York-Korrespondent Johannes Hano: "Ich glaube, dass wir in einer sehr sehr gef├Ąhrlichen weltpolitischen Situation stehen", erkl├Ąrte er. Die Weltordnung breche zusammen und es sei noch nichts da, was sie ersetzen k├Ânne. "Wir m├╝ssen uns auf sehr unruhige Zeiten einstellen", so der Journalist.

An Gabriel gerichtet wies Hano darauf hin, dass es in Deutschland an Debatten gefehlt habe, um zu kl├Ąren, wie sich die Bundesrepublik in der neuen Lage verhalten solle. Beispielsweise in milit├Ąrischen Fragen.

Gabriel wies diesen Vorwurf nicht von sich. Im Gegenteil. Er r├Ąumte ein: "De facto haben wir die Welt aus dem Augenwinkel beobachtet." Das sei der Fall gewesen, weil es Deutschland im Gro├čen und Ganzen betrachtet bereits seit mehreren Jahrzehnten "unfassbar gut" gehe.

Attacke auf das Herz der US-Demokratie

Die Konsequenzen der Wandlung der USA wurden am Dienstagabend aber nicht nur mit Blick auf die Weltpolitik diskutiert. Lanz, der selbst j├╝ngst f├╝r eine Dokumentation in den USA war, brachte auch zur Sprache, wie es um das amerikanische Volk bestellt ist.

"Wer war das?", wollte der Moderator beispielsweise mit Blick auf den Sturm auf das Kapitol am 06. Januar 2021 wissen. Anh├Ąnger von Trump hatten da den Sitz des US-Kongresses angegriffen. F├╝nf Menschen waren ums Leben gekommen. Die Attacke auf das Herz der US-Demokratie hatte das Land ersch├╝ttert.

Im Durchschnitt seien die Beteiligten ├Ąlter gewesen als diejenigen, die normalerweise an gewaltsamen Bekundungen teiln├Ąhmen, erkl├Ąrte Historikerin Annika Brockschmidt. Es habe sich im Schnitt um eher gut situierte Menschen gehandelt, die es sich beispielsweise h├Ątten leisten k├Ânnen, nach Washington zu fliegen und in einem Hotel zu ├╝bernachten. "Nicht, was man sich unter Extremisten vorstellt", so die Amerika-Kennerin.

An sie richtete Lanz mit Blick auf die aktuelle politische Situation auch die Frage: "Worauf l├Ąuft Amerika zu?" Brockschmidt verwies darauf, dass die Demokratie in den USA systematisch mehr und mehr untergraben werde.

Hoffnung auf die Selbstheilungskr├Ąfte

So verabschiedeten republikanische Bundesstaaten beispielsweise Gesetze, die das Wahlrecht von "People of Color" einschr├Ąnkten. Da werde festgelegt, dass ein Waffenschein eine zul├Ąssige Identifikation zum W├Ąhlen ist, ein Studentenausweis aber nicht. Laut Brockschmidt stehe hinter dieser Entscheidung das Wissen darum, dass "People of Color" weniger h├Ąufig einen Waffenschein h├Ątten als Wei├če.

Hoffnungsvolle T├Âne stimmte am Dienstagabend Journalist Hano an. Er erinnerte sich bei Lanz an einen Satz, den ihm Ex-Au├čenminister Joschka Fischer einmal gesagt habe: "Ich glaube an die Selbstheilungskr├Ąfte der amerikanischen Demokratie." Bei der letzten Wahl habe sich dieser Satz aus seiner Sicht best├Ątigt, so der Journalist.

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Ex-Au├čenminister Gabriel zog seine Hoffnung vor allem aus den "unglaublichen Erfolgsgeschichten", die es gerade unter Latein- und Afroamerikanern gebe. "Das ist ein Amerika, auf das man bauen kann", fasste der SPD-Mann zusammen.

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