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Guttenberg und kein Ende – das sind die aktuellen Plagiatsfälle

Von Jochen Zenthöfer

15.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Definition des Begriffs im Duden: Der Diebstahl geistigen Eigentums in Politik und Wissenschaft macht immer wieder Schlagzeilen
Definition des Begriffs im Duden: Der Diebstahl geistigen Eigentums in Politik und Wissenschaft macht immer wieder Schlagzeilen. (Quelle: imagebroker/imago-images-bilder)
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Geistiger Diebstahl, Verstoß gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis, womöglich eine Verletzung des Urheberrechts. In diesem Sommer werden viele Plagiatsfälle diskutiert. Welche – und warum gerade jetzt? Eine Übersicht.

Ulrike Guerot: Das Ausmaß der Plagiate wird mit dem Fall Guttenberg verglichen.
Ulrike Guerot: Das Ausmaß der Plagiate wird mit dem Fall Guttenberg verglichen. (Quelle: C. Hardt/Future Image/imago-images-bilder)

Prof. Dr. Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin

In den vergangenen Tagen hat der Trierer Politologe Markus Linden in zwei Beiträgen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Unrichtigkeiten und Plagiate in Werken seiner Kollegin Ulrike Guérot moniert, unter anderem in dem gerade erschienenen "Wer schweigt, stimmt zu". Die Großflächigkeit an Plagiaten "nähert sich dem Guttenberg-Standard", sagt Linden. Guttenbergs erste Doktorarbeit wies auf rekordverdächtigen 94,4 Prozent aller Textseiten Plagiate auf.

Jochen Zenthöfer ist Autor des Buches "Plagiate in der Wissenschaft – Wie 'VroniPlag Wiki' Betrug in Doktorarbeiten aufdeckt", das vor wenigen Tagen im transcript Verlag erschienen ist und zahlreiche Plagiatsfälle vorstellt, dazu die Ausreden der Täter (19,50 Euro, ISBN: 978-3-8376-6258-0).

Guérots Buch erschien im Westend-Verlag, der laut FAZ von "Flüchtigkeitsfehlern" spricht und angekündigt hat, die Stellen in der nächsten Druckausgabe als Zitate auszuweisen. Auch Guérots Buch "Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie", 2016 im Dietz-Verlag erschienen, enthält Lindens Analyse zufolge "Plagiate aller Art".

Der Plagiatsforscher Stefan Weber hat die Plagiatsfunde inzwischen bestätigt. Er fragt: "Kann man diese und andere Bücher noch ernst nehmen? Keinesfalls. Aber nicht, weil in ihnen Quatsch steht oder stünde. Sondern weil wir nie wissen, wer zu uns spricht, wenn wir sie lesen."

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Guérot sagt, sie schreibe sehr viele Artikel und arbeite mit einer Art "Zettelkasten". Sie habe in der Vergangenheit nicht jede Quelle kontrolliert.

CSU-Generalsekretär Martin Huber: Er sagt, er habe seine Arbeiten "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst.
CSU-Generalsekretär Martin Huber: Er sagt, er habe seine Arbeiten "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

Dr. Martin Huber, CSU-Generalsekretär

Die Analyse zur Dissertation Hubers lief schon, als der bayerische Landtagsabgeordnete zum Generalsekretär berufen wurde. Zwischenstand: In der Doktorarbeit gibt es über 30 Plagiatsstellen, in der ebenfalls veröffentlichten Magisterarbeit 23 übernommene Gedanken. Beide Male hatte Huber über seine eigene Partei geforscht, die CSU.

Fast immer handelt es sich dabei um mehrere Sätze oder sogar ganze Passagen. Huber sagt, er habe seine Arbeiten "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. Seine Universität, die LMU München, prüft nun erneut die Doktorarbeit. Darum hatte Huber gebeten.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte Bernhard Stahl, Professor für Internationale Politik an der Universität Passau: "Verspätet und verhuscht" würden indirekte Belege angegeben, sodass der unmittelbare Bezug zur Quelle nicht mehr erkennbar sei. "Noch gravierender wiegt aus seiner Sicht Hubers Umgang mit Originalquellen", heißt es. Stahl sagt: "Wörtliche Zitate als indirekte zu kennzeichnen, reicht nicht und erfüllt allein den Tatbestand des Plagiats."

CDU-Politikerin Diana Kinnert: "Ich habe nicht sorgfältig gearbeitet und war nachlässig."
CDU-Politikerin Diana Kinnert: "Ich habe nicht sorgfältig gearbeitet und war nachlässig." (Quelle: J. Krick/Future Image/imago-images-bilder)

Diana Kinnert, Unternehmerin und CDU-Mitglied

Vor kurzem nahm der Verlag Hoffmann und Campe Kinnerts Buch "Die neue Einsamkeit" von 2021 aus dem Programm. Plagiatsjäger Stefan Weber hatte auf 201 der 444 Seiten des Buches unbelegte Übernahmen gefunden. Hinzu kommen andere Ungereimtheiten wie falsche Zitate und ein gefälschtes Interview.

Kinnert entschuldigt sich: "Ich habe nicht sorgfältig gearbeitet und war nachlässig. Das tut mir leid. Vor allem fühle ich mich gegenüber jenen Autorinnen und Autoren in der Schuld, deren Urheberschaft nicht die ihnen gebührende Anerkennung erhalten hat." Die auf ihrer Webseite veröffentlichte Stellungnahme ist nach wenigen Tagen wieder verschwunden.

Der "Stern" schrieb dazu, Kinnerts Aussage, sie habe das nicht vorsätzlich getan, klinge "wenig glaubwürdig": "Wer einigermaßen bei Sinnen ist, weiß, was er selbst formuliert hat. Wer studiert hat, so wie Kinnert (Politikwissenschaft und Philosophie), lernt im ersten Semester, wie man Exzerpte anlegt und was ein Plagiat ist."

Auf ihrer Webseite gibt Kinnert an, im Oktober 2014 den Jugendbeirat der Konrad-Adenauer-Stiftung gegründet zu haben. Das stimmt jedoch nicht. Kinnert gehörte zwar zu den Gründungsmitgliedern, die Konrad-Adenauer-Stiftung möchte aber nicht bestätigen, dass sie den Beirat gegründet habe. Dieser habe sich vielmehr am 18. und 19. Oktober 2013 konstituiert. Dies erfolgte also auch nicht 2014, wie Kinnert angibt.

Ihren Twitterkanal hat Kinnert vor einigen Tagen aufgegeben.

Hochschullehrerin Cornelia Koppetsch: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie befürchtet einen Schaden für die Fachrichtung.
Hochschullehrerin Cornelia Koppetsch: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie befürchtet einen Schaden für die Fachrichtung. (Quelle: Michael Debets/imago-images-bilder)

Prof. Dr. Cornelia Koppetsch, Soziologin

Der transcript-Verlag stellte den Vertrieb des Buches "Die Gesellschaft des Zorns" der Darmstädter Hochschullehrerin Cornelia Koppetsch ein. Das Werk war sogar für den Bayerischen Buchpreis nominiert, wurde aber im letzten Moment von der Jury aus dem Wettbewerb zurückgezogen. Koppetsch räumte Fehler ein und begründete sie später mit Zeitdruck.

Ihre Universität eröffnete ein Disziplinarverfahren, dessen Ergebnis unveröffentlicht blieb. Vor wenigen Wochen startete ein zweites Disziplinarverfahren. Der Grund sind erneut Plagiate. Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie erklärte Anfang Juni 2022, dass hier "offenkundig zum wiederholten Mal" eine Kollegin "in ihren wissenschaftlichen Publikationen in erheblichem Umfang plagiiert hat". Dies sei geeignet, "das Vertrauen in die wissenschaftliche Dignität unseres Faches zu untergraben".

Edgar Wolfrum von der Universität Heidelberg: Betroffen sind mehrere seiner Publikationen.
Edgar Wolfrum von der Universität Heidelberg: Betroffen sind mehrere seiner Publikationen. (Quelle: Gerhard Leber/imago-images-bilder)

Prof. Dr. Edgar Wolfrum, Zeithistoriker

Der Verlag Klett-Cotta nahm das Buch "Der Aufsteiger – eine Geschichte Deutschlands von 1990 bis heute" von Edgar Wolfrum vorübergehend aus dem Verkauf. Grund sind mehr als dreißig ungekennzeichnete Übernahmen von Dritten, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, nachdem es bereits ein Prüfverfahren an der Heidelberger Universität gegeben hatte. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" berichtete darüber hinaus von Plagiaten in einem Aufsatz Wolfrums über Konrad Adenauer.

Zudem musste der Verlag C.H. Beck ankündigen, dass in einer Neuauflage von Wolfrums "Die Mauer" aus dem Jahr 2009 bislang fehlende Nachweise ergänzt würden. Der Historiker gestand Fehler ein: "Zeitgeschichte ist immer auch Zeitgenossenschaft, gerade für mich als Älteren, und so sind Allgemeinwissen, Einschätzungen und Fakten bisweilen aus den Medien entnommen, die so weit wie möglich, aber nicht in jedem Fall nachgewiesen wurden."

Die Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Universität Heidelberg machte im Juni 2022 deutlich, dass sie den Vorwürfen nun nachgehen wird.

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Warum wird gerade jetzt über so viele Plagiate gesprochen?

Dass es derzeit zu einer Welle von Plagiaten kommt, täuscht. Teilweise wurden die betroffenen Bücher vor langer Zeit geschrieben, und der Betrug kommt jetzt erst ans Licht. Zudem gab es auch in den letzten Jahren spektakuläre Plagiatsfälle, unter anderem bei SPD-Bürgermeisterin Franziska Giffey, Außenministerin Annalena Baerbock und der Mainzer Soziologin Marina Hennig.

Die berechtigte Empörung über Plagiate hat auch eine kathartische Wirkung für die Gesellschaft: Deutlich wird, dass solche Praktiken nicht geduldet werden. Anders ist das in manchen Nachbarländern. In Luxemburg werden Premierminister Xavier Bettel seine Plagiate in einem juristischen Abschluss an einer französischen Universität verziehen. In Russland sind Plagiate gang und gäbe, sie werden bisweilen von der Plattform "Dissernet" aufgedeckt.

Warum sind Plagiate so verwerflich?

Plagiate zerstören Vertrauen in die Wissenschaft. Das ist in diesen Zeiten fatal, denn bei der Bekämpfung von Pandemien oder dem Klimawandel müssen wir uns auf wissenschaftliche Daten und Aussagen verlassen können, auch bei der Frage, welche Erkenntnisse von wem stammen. Andernfalls hat die Wissenschaft ausgedient und die Populisten siegen.

Die Sprecherin des Chaos Computer Club, Constanze Kurz, sagte 2021 in einer Laudatio auf die Plattform "VroniPlag Wiki": "In einer Zeit, in der ohnehin eine Wissenschaftsfeindlichkeit grassiert, sind plagiierte Arbeiten Wasser auf die Mühlen derer, die Wissenschaft für eine bloße Meinung halten."

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