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Corona-Ausbrüche Schlachthöfen: NRW will gegen niedrige Fleischpreise vorgehen

Corona in Schlachthöfen  

NRW will offenbar gegen zu niedrige Fleischpreise vorgehen

19.06.2020, 10:06 Uhr | dpa, pdi

Corona-Ausbrüche Schlachthöfen: NRW will gegen niedrige Fleischpreise vorgehen. Das Werkstor zum Gelände des Fleischbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist geschlossen.  (Quelle: dpa)

Das Werkstor zum Gelände des Fleischbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist geschlossen. (Quelle: dpa)

Der Preisdruck in der Fleischbranche ist enorm. Nach mehreren Corona-Ausbrüchen in Schlachtbetrieben will Nordrhein-Westfalen laut einem Medienbericht nun gegen zu niedrige Fleischpreise kämpfen. 

Das Land Nordrhein-Westfalen arbeitet im Kampf gegen zu niedrige Fleischpreise einem Medienbericht zufolge an einer Bundesratsinitiative. Wie Ursula Heinen-Esser, die NRW-Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin, der "Rheinischen Post" sagte, gehe es darum, die im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb vorgesehenen Ausnahmen deutlich zu erschweren.

"Es gibt haarsträubende Sonderaktionen, bei denen Fleisch deutlich unter seinem Wert verkauft wird. Das müssen wir stoppen. Denn grundsätzlich ist der Verkauf unter Einstandspreis ja bereits untersagt", sagte die CDU-Politikerin und betonte: "Wir müssen die gesamte Kette vom Stall bis zum Teller in den Blick nehmen." Der Preisdruck aus dem Lebensmittelhandel wirke sich auf die gesamte Kette aus, eben auch auf die Schlachtbetriebe.

Ursula Heinen-Esser, Landwirtschaftsministerin von NRW, spricht auf einer Pressekonferenz.  (Quelle: dpa)Ursula Heinen-Esser, Landwirtschaftsministerin von NRW, spricht auf einer Pressekonferenz.

Aktuell stehen die Schlachtbetriebe nach einem neuerlichen Corona-Ausbruch beim Branchen-Riesen Tönnies im Fokus. Dabei stehen die Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben mit Subunternehmern und Sammelunterkünften mit vielen osteuropäischen Beschäftigten in der Kritik.

Schweinemäster betrachten Schließung mit Sorge

In Rheda-Wiedenbrück reagierte Tönnies mit einem vorübergehenden Stopp des Schlachtbetriebes. Schweinemäster betrachten die aktuellen Entwicklungen mit Sorge: "Es wird vor allem darauf ankommen, wie sich das weiterentwickelt. Ein, zwei Wochen können die Bauern die Situation vergleichsweise verlustarm überbrücken. Dauert die Schließung länger, kommen auf die Schweinemastbetriebe Probleme zu", sagte Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes. Werden die auf ein bestimmtes Zielgewicht hin gemästeten Schweine zu fett, drohen Verluste durch Preisabzüge. Außerdem werde es mittelfristig in den Ställen zu eng. Auch bei den Ferkelzüchtern könnte die Nachfrage sinken, erläuterte Berghorn.

Schweinemäster aus der Region, die auf andere Schlacht-Standorte ausweichen würden, müssten zudem weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Entsprechend drängt auch der Bauernverband auf ein rasches Lösen der Probleme: "Die Fleischwirtschaft muss arbeitsfähig bleiben, steht aber dafür auch in besonderer Verantwortung, die Dinge schnell in Ordnung zu bringen", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, der "Rheinischen Post". Es gehe auch um ein hochwertiges Lebensmittel, das auch als solches behandelt werden muss.

Auch beim zweiten großen Schlachthof beim Tönnies Wettbewerber Westfleisch im Kreis Coesfeld laufe der Schlachtbetrieb nach dem Ausbruch im Mai noch nicht wieder in Volllast. "Wir appellieren da auch an den Handel, die Situation nicht dahingehend auszunutzen, die Preise noch weiter zu drücken", sagte Berghorn. Gleichzeitig warne der Verband seine Mitglieder vor Panikverkäufen, weil auch diese auf dem Markt für einen Preisverfall sorgen könnten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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