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"Wir haben gegen Corona einen Trumpf in der Hinterhand"

Von Nicole Sagener und Daniel Schreckenberg

Aktualisiert am 11.07.2020Lesedauer: 1 Min.
In Israel tobt die zweite Welle. Hier entnimmt ein medizinischer Mitarbeiter einem Mann eine Probe für einen Covid-19-Test.
In Israel tobt die zweite Welle. Hier entnimmt ein medizinischer Mitarbeiter einem Mann eine Probe für einen Covid-19-Test. (Quelle: Gideon Markowicz JINI/dpa-bilder)
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Diverse Länder erlitten in den vergangenen Tagen einen Rückfall in der Pandemie-Bekämpfung. Müssen wir uns auch in Deutschland Sorgen machen?

Ob Israel oder diverse Staaten des Westbalkans: Einige Länder wähnten sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie bereits in Sicherheit oder feierten gar einen Sieg über das Virus. Bis sie in den letzten Wochen und Tagen gnadenlos von einer zweiten Welle eingeholt wurden.

In Serbien gingen die Menschen sogar auf die Straße, protestierten gegen einen erneuten Lockdown, warfen Steine auf Polizisten und brachten Staatspräsident Aleksandar Vučić sogar dazu, den Lockdown zurückzunehmen. In Israel explodierten die Zahlen der Infizierten u.a., weil das Land die Schulen zu früh wieder öffnete und in der Schweiz oder in Bulgarien öffneten Nachtclubs vorschnell und provozierten eine zweite Welle. In Deutschland sind die Zahlen der Neuinfektionen auf einem ähnlich niedrigen Level, wie sie es in den anderen beschriebenen Ländern mal waren, was zu der Frage führt:

Müssen wir in Deutschland Angst vor einer zweiten Welle haben?

Pro
Nicole Sagener

Ja, schon ein kleiner Ausbruch kann eine zweite Welle auslösen

Für die meisten Nicht-Surfer dürfte der Begriff "Welle" eher angstbesetzt sein. Und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Der Begriff "Flüchtlingswelle" als Synonym für Migrationsbewegungen zeigt: Das Bild von der Welle als gnadenlose Naturgewalt ist bestens geeignet, um Angst zu erzeugen – auch, wenn diese unangebracht ist.

Doch im Gegensatz zur Flüchtlingskrise sind wir in der Corona-Pandemie tatsächlich mit einer Naturgewalt konfrontiert. Allerdings mit einer völlig neuen und unsichtbaren. Ob die Infektionszahlen bald in Deutschland wieder exponentiell steigen und eine zweite Welle losrollt, lässt sich nicht sicher vorhersehen.

Vorsicht und Respekt sind in der aktuellen Phase aber ganz sicher bessere Wegbegleiter für uns alle als die Angst. Denn laut Epidemiologen kann schon ein lokaler Ausbruch wie bei Tönnies eine zweite Welle auslösen. Sorglosigkeit, wie sie zunehmend auf den Straßen oder in der Bahn zu beobachten ist, ist gefährlich.

Wer findet, die Maskenpflicht sei verzichtbar und die Abstandsgebote übertrieben, sollte nach Israel oder in die USA schauen – und achtsam bleiben. Aus Solidarität mit denen, die eine Covid-19-Erkrankung härter treffen kann. Und aus Vorsicht sich selbst gegenüber.

Kontra
Daniel Schreckenberg

Nein, denn wir haben einen Trumpf in der Hinterhand

Ja, wir diskutieren über das Ende der Maskenpflicht; ja, wir grübeln darüber, ob es diesen Sommer nach Mallorca oder sogar noch nach Thailand in den Urlaub geht. Und ja: wir feiern Partys in Schlauchbooten und haben wieder Freunde und Familie zu Besuch. Doch trotz dieser augenscheinlichen Sorglosigkeit müssen wir uns vor einer erneuten Corona-Welle nicht fürchten.

Denn: Im Alltag haben wir immer noch unsere Maske auf, nur ganz wenige Querulanten machen nicht mit – doch das haben sie auch schon vor Monaten nicht gemacht. Es gibt in unseren großen Städten nur ein paar hundert Demonstranten, die aller Faktenchecks zum Trotz das Virus für harmlos halten. Sollte die Pandemie also zurückkommen – und das wird sie – weiß hier jeder, was er zu tun hat.

Und dann haben wir da noch einen Trumpf in der Hinterhand, um den uns viele Länder beneiden: unsere Politiker. Während ein Trump in den USA von einer Katastrophe in die nächste stapft, herrscht bei uns der gesunde Menschenverstand. Auf einen erneuten Ausbruch werden wir mit Augenmaß reagieren. Wir werden Einschränkungen für die Menschen so minimal wie möglich halten, wir werden unsere Wirtschaft nicht zugrunde gehen lassen und uns weiter um die Alten und Armen sorgen.

Das kann erneut hart werden – doch Angst machen muss es uns nicht.

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