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Nach Giftanschlag auf Alexej Nawalny: Diesen Brief schrieb die Bundesregierung

Giftanschlag mit Nowitschok  

Diesen Brief schrieb die Bundesregierung wegen Nawalny

06.10.2020, 09:00 Uhr
Nach Giftanschlag auf Alexej Nawalny: Diesen Brief schrieb die Bundesregierung.  (Quelle: t-online)

Alexej Nawalny und Deutschlands Brief an die OPCW (Montage): Das Schreiben stammt vom 3. September. (Quelle: t-online)

Im Fall des Attentats auf Alexej Nawalny hat sich Deutschland an internationale Chemiewaffen-Spezialisten gewandt. t-online liegt der Brief vor. Hier ist er im Wortlaut zu lesen.

Die Bundesregierung hat sich im Fall des Anschlags auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny an die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) gewandt. Selten wird eine solche Korrespondenz öffentlich. t-online liegt der Brief jedoch vor. Im Folgenden dokumentiert die Redaktion das Schreiben vom 3. September an OPCW-Direktor Fernando Arias im Wortlaut. 

Der Brief an die Spezialisten

"Eure Exzellenz,

ich wende mich heute in einer sehr ernsten Angelegenheit an Sie.

Wie Ihnen sicher bewusst ist, kam der russische Staatsbürger Alexei Nawalny am 22. August 2020 nach einer vermutlichen Vergiftung zur medizinischen Behandlung in Deutschland an.

Am 20. August kollabierte er an Bord eines Flugzeuges in der Russischen Föderation, was den Pilot zwang, den Flug von Tomsk nach Moskau in Omsk zu unterbrechen, wo Herr Nawalny erste medizinische Behandlung in einem dortigen Krankenhaus erhielt. Herrn Nawalnys Überstellung nach Deutschland wurde dann von seiner Familie und Freunden initiiert und [Herr Nawalny] wurde seitdem im Krankenhaus "Charité - Universitätsmedizin" in Berlin behandelt. Sein Zustand bleibt ernst, wenngleich es scheint, dass sein Leben nicht länger in unmittelbarer Gefahr ist.  

Das Flugzeug auf dem Hafen von Omsk: Mit dieser Maschine des Typs CL60 wurde Alexej Nawalny nach Deutschland gebracht. (Quelle: AP/dpa/Elena Latypova)Das Flugzeug auf dem Hafen von Omsk: Mit dieser Maschine des Typs CL60 wurde Alexej Nawalny nach Deutschland gebracht. (Quelle: Elena Latypova/AP/dpa)

Das medizinische Team hat eine ausführliche Analyse des Patienten durchgeführt und am 24. August bestätigt, dass Herr Nawalny an Symptomen einer Vergiftung leidet, die auf eine Substanz zurückzuführen ist, die zur Gruppe der Cholinesterase-Hemmer zählt. Mit der Unterstützung des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Deutschen Bundeswehr konnte ein Nervenkampfstoff der sogenannten "Nowitschok-Gruppe" als Ursache der Vergiftung bestimmt werden.

Deutschland ist tief beunruhigt über diese Befunde, da sie auf den Gebrauch eines militärischen Kampfstoffs gegen Herrn Nawalny hindeuten. Wir haben diese Information deswegen heute umgehend öffentlich gemacht.

Wir ersuchen die Russische Föderation, umgehend eine transparente und vollständige Ermittlung über die Umstände des Gebrauchs einer giftigen Chemikalie auf ihrem Territorium einzuleiten und die Unterstützung und Expertise der OPCW vollständig zu nutzen.

Ich versichere Ihnen, dass die deutsche Regierung weiterhin ihr Äußerstes unternimmt, diesen schrecklichen Vorfall aufzuklären."

In Folge dieses Briefes, so teilte die OPCW mit, habe die Organisation vorbereitende Maßnahmen ergriffen, um Deutschland zu unterstützen. Am 17. September ersuchte die Bundesregierung dann offiziell die Hilfe der Chemiewaffen-Spezialisten, die umgehend Proben bei Nawalny entnahmen. An diesem Dienstag, 6. Oktober, bestätigte die OPCW die deutschen Befunde. Zwischenzeitlich hatten bereits Labore in Frankreich und Schweden Nowitschok festgestellt. Vor einigen Tagen hat nun auch Russland um Unterstützung der OPCW gebeten. 

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen
  • Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz an das Auswärtige Amt

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