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Tschentscher kritisiert Bund: "zu wenig Impfstoff bestellt"

Von Carsten Drees

Aktualisiert am 06.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Peter Tschentscher im Oktober bei Markus Lanz: In der aktuellen Sendung kritistert er den Bund.
Peter Tschentscher im Oktober bei Markus Lanz: In der aktuellen Sendung kritistert er den Bund. (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)
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Ein holpriger Impfstart, SPD-Attacken gegen die CDU: Es ließ sich bereits erahnen, dass Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher in der Sendung als einziger Politiker auf verlorenem Posten stehen würde.

Für seine erste Sendung des Jahres hatte Markus Lanz Peter Tschentscher eingeladen, seines Zeichens SPD-Politiker und der Erste Bürgermeister Hamburgs. Er kam frisch aus den Verhandlungen beim ersten deutschen Corona-Gipfel des neuen Jahres und war damit natürlich der perfekte Ansprechpartner für die Verschärfungen der Pandemie-Regeln, die am Nachmittag getroffen wurden.

Folgerichtig startete die Sendung auch mit einem kleinen Ausschnitt aus der Rede von Kanzlerin Angela Merkel. Die entscheidenden zwei Punkte: Ein Hausstand darf nur noch eine weitere Person treffen, bei einer 7-Tages-Inzidenz von über 200 darf man sich nur noch in einem Radius von 15 Kilometern vom Wohnort entfernen.

Tschentscher spricht von einer "schwierigen Lage", die aufgrund der kursierenden Mutationen aus England und Südafrika künftig sogar noch schwieriger werden könnte. Er lässt durchblicken, dass auch diese Mutationen bereits Thema beim Corona-Gipfel der Bundesregierung waren. Angesichts der Lage seien sich alle Vertreter der Bundesländer zügig einig geworden, dass die Maßnahmen der letzten Wochen mindestens genauso hart fortgesetzt werden müssen. Wenigstens Professor Peter Kremsner, Infektiologe und Spezialist vom Institut für Tropenmedizin an der Uni Tübingen, macht ein wenig Hoffnung: Die entdeckten Mutationen seien so gering sind, dass die bereits verfügbaren Impfstoffe auch dagegen wirken werden.

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Ein weiteres Streitthema des Corona-Gipfels waren die Schulschließungen und auf in dieser Runde löst es eine Debatte aus: Nur der SPD-Politiker Tschentscher ist der Meinung, dass im letzten Jahr diesbezüglich viel geschehen sei. Er verweist auf Tausende Notebooks, die in Hamburg angeschafft wurden. Wenige Sekunden vorher stellte die "Welt"-Journalistin Claudia Kade noch fest, dass zwar Notebooks für Bedürftige angekommen wären, aber keine Administratoren da sind, die sich drum kümmern können.

Es ist wie so oft in Zeiten der Pandemie: Vertreter der Politik erklären, wieso sie im Grunde nichts falsch gemacht haben – in diesem Fall also Peter Tschentscher, der ein wenig ins Schwimmen kommt und nochmal unterstreicht, dass in den Schulen durchaus etwas unternommen wurde.

Kremsner: Britische Impfstrategie hat gute Chance, aufzugehen

Zwischendurch gönnt Lanz dem Politiker eine Verschnaufpause, als er nach London schaltet, wo ihm Diana Zimmermann, die Leiterin des ZDF-Studios London über die Geschehnisse in England berichtet. Dort ist die Lage bekanntlich nochmals deutlich brenzliger als in Deutschland, man ist mittlerweile bei mehr als 75.000 Toten angekommen. Dafür sind in England aber auch bereits 1,1 Millionen Menschen geimpft worden, 1,3 Millionen sind es sogar im gesamten Königreich.

Beim Thema Impfstoff holt Lanz den Prof. Kremsner wieder ins Boot: Laut ihm gibt es eine gute Chance, dass die britische Strategie – die zweite Impfung erst nach drei Monaten statt nach drei Wochen zu verabreichen – aufgeht. Einigkeit herrscht in der Runde darüber, dass es die richtige Entscheidung war, bei der Impfstrategie auf eine EU-weite Vorgehensweise zu setzen. Hätte sich das reiche Deutschland im Alleingang eine große Menge Impfdosen gesichert, wäre es ein weiterer Nackenschlag für Europa gewesen. Mit der Einigkeit ist es aber vorbei, wenn es um die Frage geht, wann man bei welchem Unternehmen hätte Impfstoff bestellen können oder müssen.

Kremsner bricht eine Lanze für den russischen Impfstoff und Tschentscher kritisiert die Bundesregierung: "Der Bund hat insgesamt deutlich zu wenig Biontech-Impfstoff bestellt". Dann ist wieder Schwimmstunde. Der Fragenkatalog des Olaf Scholz (mehr dazu lesen Sie hier) kommt auf den Tisch und bringt den Hamburger Politiker in Erklärungsnot. Er kann sich nicht gegen die Vorwürfe erwehren, dass offensichtlich in Reihen der SPD bereits der Wahlkampf zur Bundestagswahl begonnen hat. Zum Ende der Sendung weiß man als Zuschauer nicht mehr mit Bestimmtheit, ob Tschentscher nun lieber zur Koalition oder zur Opposition gehören mag. Der Pandemie wird herzlich egal sein, wer die nächste Bundestagswahl gewinnt.

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