• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Forscher fordert Umdenken: Testet sich Deutschland die Corona-Zahlen schön?


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextAlpenrand: Höchste Unwetter-WarnstufeSymbolbild fĂŒr einen TextWeltgrĂ¶ĂŸte Schokofabrik stoppt ProduktionSymbolbild fĂŒr einen TextUSA: NĂ€chstes umstrittenes UrteilSymbolbild fĂŒr einen TextVerstappen gegen Sperre fĂŒr F1-LegendeSymbolbild fĂŒr einen TextBĂŒrgertest-Chaos bricht in Berlin ausSymbolbild fĂŒr einen TextUnion Berlin tĂ€tigt KönigstransferSymbolbild fĂŒr einen Text"Hartz und herzlich"-Liebling ist totSymbolbild fĂŒr einen TextSchalke-Transfer geplatztSymbolbild fĂŒr einen TextHollywoodstar fordert Viagra-VerbotSymbolbild fĂŒr ein VideoWimbledon: "Das ist nicht romantisch"Symbolbild fĂŒr einen TextNorddeutschland: 13-jĂ€hrige Amy vermisstSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserBecker bekommt erfreulichen Knast-BesuchSymbolbild fĂŒr einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

Testet sich Deutschland die Corona-Zahlen schön?

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig

Aktualisiert am 19.02.2021Lesedauer: 5 Min.
Corona-Abstrich: Eine Pflegekraft in Bergisch-Gladbach wird auf das Virus getestet.
Corona-Abstrich: Eine Pflegekraft in Bergisch-Gladbach wird auf das Virus getestet. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Wie aussagekrÀftig sind die Zahlen der Neuinfektionen? Sind sie nur niedrig, weil wenig getestet wird? Ein Mikrobiologe hat zum Testgeschehen in Deutschland eine klare Meinung.

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland stagniert und flacht nicht, wie erhofft, weiter deutlich ab. Doch was ist der Grund? Hinweise liefert die aktuelle deutsche Teststrategie.


Sieben wichtige Verhaltensregeln in der Corona-Zeit

Nies- und Hustetikette beachten
HĂ€nde waschen
+5

Der Verein akkreditierter Labore in der Medizin (ALM) fand heraus, dass nur 47 Prozent der LaborkapazitĂ€ten in Deutschland genutzt werden (Stand: 16. Februar). Woran liegt das? Wie aussagekrĂ€ftig sind also die aktuellen Zahlen, auf die sich auch Bund und LĂ€nder bei ihren Entscheidungen stĂŒtzen?

In dieser Woche sind bislang 902.494 Coronavirus-Tests durchgefĂŒhrt worden, schreibt der ALM. Das sind rund 40.000 weniger als noch in der Vorwoche. Insgesamt waren davon 61.270 Tests positiv, in der Woche zuvor rund 75.000. Insgesamt sind seit Pandemiebeginn damit rund 41,8 Millionen Proben getestet worden; mehr als 2,4 Millionen davon positiv.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Ukraine wirft Belarus "verdeckte Mobilisierung" vor
MilitĂ€rĂŒbung in Belarus (Archivbild): Medien berichteten, dass auch Personen, die zuvor als wehruntauglich eingestuft worden seien, aufgefordert wurden, sich bei der Truppe zu melden.


RKI: Nicht realistisch, alle Corona-Erkrankten zu testen

Achim Kaasch ist Mikrobiologe und Direktor des Instituts fĂŒr Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der UniversitĂ€tsmedizin Magdeburg. Er hat in den vergangenen Monaten die Pandemie als Forscher hautnah begleitet und sieht Probleme bei der Teststrategie. Etwa wenn Kontaktpersonen aus dem Haushalt eines Infizierten zwar unter QuarantĂ€ne gestellt, aber hĂ€ufig nicht getestet werden.

"Das ist falsch", meint Kaasch. "Man kann das gut am Beispiel einer Wohngemeinschaft erklÀren: Ist ein Mensch positiv getestet worden und hat schon ein paar Tage Symptome, gehen derjenige und der Mitbewohner in QuarantÀne. Der Mitbewohner wird allerdings hÀufig nicht getestet."

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kontakt ersten Grades ebenfalls infiziert ist, sei hoch. "Auch er könnte die Infektion in der Zwischenzeit weitergetragen haben. Das wird aber nicht verfolgt. In die tÀglich veröffentlichten Neuinfektionen spielt dieser Mensch auch nicht mit rein", erklÀrt Kaasch.

Mikrobiologe: "Wird durchaus viel getestet"

Kaasch will damit allerdings nicht sagen, dass in Deutschland grundsĂ€tzlich zu wenig getestet wĂŒrde. Der Forscher verweist auf die Positivrate bei den durchgefĂŒhrten Tests. FĂŒr die sechste Kalenderwoche betrĂ€gt sie rund 6,5 Prozent. WĂŒrde weniger getestet werden, sei auch dieser Wert deutlich höher. "Daran sieht man, dass durchaus viel getestet wird", sagt Kaasch. Je höher die Anzahl der Tests, desto kleiner die Positivrate.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Gleichwohl sieht der Forscher Potenziale, um die Zahl der Testungen weiter auszubauen. In Sachsen-Anhalt etwa testen auch die sogenannten Fieberambulanzen, die aber vielfach Anfragen ablehnen mĂŒssten. Denn die nationale Teststrategie gibt vor, dass nur kostenlos getestet wird, wer Symptome oder einen direkten Kontakt zu einem Infizierten hat. Kaasch findet, hier mĂŒsste es eine Anpassung geben. "Die meisten Menschen lassen sich nicht einfach so testen, sondern haben konkrete Sorge, dass sie sich angesteckt haben."

Das Robert Koch-Institut hat in dieser Woche auf Kritik reagiert und seine Teststrategie angepasst. Auf der Internetseite des Instituts heißt es: Der Fokus bei den Tests liege nun auf allen Personen mit Symptomen jeglicher Schwere, unabhĂ€ngig von der Herbst-/Wintersaison.

Kaasch: Ansagen an Arbeitgeber gehen nicht weit genug

Mikrobiologe Kaasch sieht auch Chancen durch mehr Testungen am Arbeitsplatz. Arbeitgeber sollten noch viel stĂ€rker in die Pflicht bei Tests und der Nachverfolgung von Infektionsketten genommen werden, meint er, vor allem wenn es um große Industrieunternehmen geht. Ihm gehen die Ansagen von Bund und LĂ€ndern an dieser Stelle noch nicht weit genug. "Gerade bei großen Unternehmen, wie etwa aus der Fleischindustrie, hat man es gesehen: Dort ist es vermehrt zu AusbrĂŒchen gekommen."

Arbeitgeber sollten deshalb nicht nur Hygienekonzepte haben, sondern auch auf den Ernstfall vorbereitet sein. Sie sollten wissen, wo das nĂ€chste Testzentrum ist und im Fall von AusbrĂŒchen Mitarbeiter testen, sagt Kaasch. "Es gibt auch Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern nahelegen, nicht ĂŒber einen Ausbruch zu sprechen", erklĂ€rt er. Das könne nicht sein und genau deshalb mĂŒsse die Bundesregierung auch fĂŒr Großunternehmen eine Teststrategie verpflichtend machen.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Der Mikrobiologe plĂ€diert außerdem dafĂŒr, dass HausĂ€rzte mehr Tests durchfĂŒhren sollten. Zugleich gibt er zu bedenken: "Ich weiß aus meinem Umfeld, dass es Ärzte gibt, die nicht testen wollen. Außerdem ist auch der Anteil von Erkrankten, die sich testen lassen wollen, weniger geworden." Da gebe es vielleicht Symptome, die dann hingenommen werden, ohne dass sich der Infizierte Gewissheit verschafft. Ein Problem, wenn aussagekrĂ€ftige Zahlen gebraucht werden, um eine dritte Corona-Welle zu verhindern.

Spahn: "Laien-Selbsttests schnell zugÀnglich machen"

Die Bundesregierung setzt große Hoffnungen auf Schnelltests fĂŒr den Heimgebrauch. "Wir wollen die Laien-Selbsttests schnell zugĂ€nglich machen", kĂŒndigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer Pressekonferenz am Freitag an. Die Schnelltests werde es am Ende ĂŒberall geben, wie etwa im Einzelhandel. Sie wĂŒrden der Bevölkerung helfen, "besser mit dem Virus leben zu lernen".


Mikrobiologe Kaasch sieht in den Schnelltests eine Chance, bevölkerungsweit zu testen. Gleichwohl hat er Bedenken. Heute seien schon mehr Antigentests im Einsatz als der aussagekrĂ€ftigere PCR-Test, etwa in KrankenhĂ€usern und Pflegeeinrichtungen. "Das kann ein Problem bei der Erkennung von Infizierten sein. Der Antigentest ist nur an den Tagen positiv, an denen der erkrankte Mensch viel Virus produziert", erklĂ€rt Kaasch. An anderen Tagen, an denen das Testergebnis eines PCR-Tests bei einer infizierten Person noch sicher positiv wĂ€re, könne der Schnelltest auch negativ sein. Bei einem negativen Antigentest dĂŒrfen also die Hygieneregeln nicht vernachlĂ€ssigt werden. Letztlich komme es darauf an, wie man mit den Testergebnissen umgeht.

Mehr als 4.000 FĂ€lle der britischen Virusmutation in Deutschland

Dem RKI werden dieser Tage mehr und mehr FĂ€lle von ansteckenderen Corona-Varianten gemeldet. In Deutschland sind seit Jahresbeginn durch das Meldesystem 4.071 FĂ€lle der in Großbritannien entdeckten Mutante B.1.1.7 bekannt geworden. Das geht aus einem am Mittwochnachmittag veröffentlichten RKI-Bericht hervor (Datenstand: 15. Februar). Die FĂ€lle stammen demnach aus allen 16 BundeslĂ€ndern.

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Mittwoch gesagt, dass die in Großbritannien zuerst festgestellte Mutation B.1.1.7 mittlerweile mehr als 22 Prozent der PositivfĂ€lle in Deutschland ausmache. Auch in Sachsen-Anhalt ist die britische Virusmutation schon nachgewiesen worden. FĂŒnf Prozent der positiven Corona-FĂ€lle in Deutschland können – finanziert vom Bundesgesundheitsministerium – auf Virusmutationen getestet werden. Die UniversitĂ€tsmedizin Magdeburg sequenziert in Zusammenarbeit mit dem Landesamt fĂŒr Verbraucherschutz auch darĂŒber hinaus Proben, weil das Forschungsinteresse an den Daten groß ist.

Tests auf Mutationen nicht immer aussagekrÀftig

Mikrobiologe Kaasch betont: "Die absolute Zahl bei den Virusmutationen hat nicht viel Aussagekraft, wichtig ist die Dynamik." Die Zahlen unterlĂ€gen verschiedenen Effekten. HĂ€ufig wĂŒrden Proben untersucht, wo zuvor AuffĂ€lligkeiten aufgetreten waren, etwa wenn es grĂ¶ĂŸere AusbrĂŒche in Einrichtungen wie Pflegeheimen gab. "Werden von dort alle Proben auf die Mutation getestet, Proben von anderswo aber nicht, kann man zu einer falschen EinschĂ€tzung kommen." Deshalb seien die absoluten Zahlen derzeit auch so schwer zu beurteilen. Vergleiche man aktuelle Zahlen aber mit denen der Vorwoche, ergebe sich schon ein genaueres Bild.

Die schwierige EinschĂ€tzung der Lage macht einen Ausblick auf die nĂ€chsten Wochen kaum möglich. Sowohl Mediziner Kaasch als auch der Laborverband ALM wollen sich zu möglichen Lockerungen und deren Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen nicht Ă€ußern. FĂŒr Kaasch ist dennoch klar: "Die Schulen sollten wieder öffnen. Aber auch das muss man so gestalten, dass es unter Pandemiebedingungen möglich ist und es geht nur mit EinschrĂ€nkungen." Es bleibe eine Gratwanderung – ob mit oder ohne mehr Tests.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Annika Leister
Von Annika Leister
BundesregierungCoronavirusDeutschlandJens SpahnMagdeburgRKI
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website