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Mehr Tempo mit "Impfen-To-Go" und "Drive-In-Impfung"

Von dpa
Aktualisiert am 13.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Warten im Impfzentrum an der Messe M├╝nchen: Bundesgesundheitsminister Spahn fordert, dass die Impfzentren wieder startklar gemacht werden.
Warten im Impfzentrum an der Messe M├╝nchen: Bundesgesundheitsminister Spahn fordert, dass die Impfzentren wieder startklar gemacht werden. (Quelle: Archivbild/Sven Hoppe/dpa)
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Berlin (dpa) - Schlangestehen im Corona-Impfzentrum, dankbar sein f├╝r den Termin und vorher gewissenhaft alle Formulare ausf├╝llen - das wird wohl bald Vergangenheit sein.

Die Bundesl├Ąnder setzen nun auf neue Konzepte, um die Menschen zur Impfung zu bringen. Denn die t├Ągliche Impfrate sinkt und Experten sagen, es haben noch viel zu wenige Menschen einen Impfschutz, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Nach Einsch├Ątzung des Robert Koch-Instituts sollten wegen der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-J├Ąhrigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollst├Ąndig geimpft sein. 43 Prozent der Gesamtbev├Âlkerung waren es laut RKI-Meldung am Dienstag.

SHOPPEN, ESSEN, IMPFEN

Nun geht zum Beispiel Berlin neue Wege und bietet ab dem Wochenende ein Drive-In-Impfen an: Auf einem Ikea-Parkplatz im Bezirk Lichtenberg soll sich jeder spontan ohne Termin impfen lassen k├Ânnen. Neben einer Spur f├╝r Autofahrer ist auch eine "Walk-in"-Spur f├╝r Fu├čg├Ąnger geplant.

Auch Bayern setzt auf Drive-ins. Die Impfzentren sollen k├╝nftig solche Schalter anbieten k├Ânnen, k├╝ndigte Ministerpr├Ąsident Markus S├Âder (CSU) am Dienstag an. Geplant ist auch "Impfen to go" ohne viel Papierkram: Impfst├Ąnde in Schwimmb├Ądern, bei Fast-Food-Ketten, Vereinen oder "am oder im Wirtshaus". Impfzentren sollen au├čerdem "Familiensonntage" f├╝r Eltern und Kinder ab zw├Âlf Jahren anbieten k├Ânnen, "vielleicht mit einem kleinen Eis hinterher f├╝r die J├╝ngeren", sagte S├Âder.

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KEINE IMPFPFLICHT IN DEUTSCHLAND

In Frankreich gehen die Impfanmeldungen durch die Decke, seit die Regierung angek├╝ndigt hat, dass Besch├Ąftigte im Gesundheitswesen sich impfen lassen m├╝ssen oder ansonsten nicht mehr bezahlt werden. Auch die Regeln f├╝r den Zugang zu Kinos und Theatern (Impfung oder Test) werden im Nachbarland versch├Ąrft, was bei den Impfungen f├╝r einen neuen Schub sorgen k├Ânnte. In Griechenland sollen nur noch Geimpfte in Clubs und Restaurants d├╝rfen und auch dort kommt die Impfpflicht f├╝r Besch├Ąftigte im Gesundheitswesen und der Pflege.

In Deutschland zeigte sich Baden-W├╝rttembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Gr├╝ne) offen f├╝r einen solchen Schritt. "Eine berufsspezifische Impfpflicht kann diskutiert werden", sagte er am Dienstag in Stuttgart. So sei die Impfquote von Assistenzkr├Ąften und Angelernten in station├Ąren Pflegeeinrichtungen derzeit relativ gering.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) stellte f├╝r Deutschland klar: "Die Zusage der Bundesregierung gilt: Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Das gilt auch f├╝r einzelne Berufsgruppen", sagte Lambrecht der "Bild"-Zeitung (Dienstag). Baden-W├╝rttembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Gr├╝ne) zeigte sich hingegen offen f├╝r einen solchen Schritt. "Eine berufsspezifische Impfpflicht kann diskutiert werden", sagte er am Dienstag in Stuttgart. So sei die Impfquote von Assistenzkr├Ąften und Angelernten in station├Ąren Pflegeeinrichtungen derzeit relativ gering.

Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat hatte au├čerdem eine Impfpflicht f├╝r Besch├Ąftigte in Schulen und Kitas ins Spiel gebracht und mit ihrer "besonderen berufsbezogenen Verantwortung" argumentiert, da Kinder noch nicht geimpft w├╝rden und Infektionen in ihre Familien tragen k├Ânnten. Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands w├Ąre das unn├Âtig. Die Impfbereitschaft bei Lehrkr├Ąften sei sehr hoch, sagte Verbandspr├Ąsident Heinz-Peter Meidinger der "Augsburger Allgemeinen".

WERBUNG STATT PFLICHT - MIT MASERN NICHT VERGLEICHBAR

Es bleibt zun├Ąchst bei der Debatte. Eine Impfpflicht ist in Deutschland nicht geplant, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag bekr├Ąftigte. Sie und Gesundheitsminister Spahn setzen auf "Werbung" und "├ťberzeugung". "Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein, umso freier k├Ânnen wir wieder leben", sagte Merkel und appellierte auch daran, in Familien, bei Freunden oder in Vereinen daf├╝r zu werben, sich impfen zu lassen.

Gegen eine Corona-Impfpflicht spricht sich auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, aus. Das Thema ist ihrer Ansicht nach nicht vergleichbar mit der Masernimpfpflicht. Diese war 2020 in Kraft getreten und sieht vor, dass Kinder f├╝r den Besuch von Kita oder Schule eine Impfung vorweisen m├╝ssen. Auch Besch├Ąftigte in den Einrichtungen m├╝ssen geimpft sein. Buyx sagte bei "Welt", bei Masern sei die Durchimpfungsrate, die man brauche, f├╝r eine sogenannte Herdenimmunit├Ąt, deutlich h├Âher, weil diese deutlich ansteckender seien. Au├čerdem sei der Masernimpfpflicht eine sehr lange ├Âffentliche Debatte vorangegangen.

Dass es irgendwann zu einer schon oft diskutierten "indirekten Corona-Impfpflicht" kommt, ist aber nicht ausgeschlossen. Die kostenlosen B├╝rgertests, die wie ein Impfnachweis den Zugang zu Veranstaltungen oder anderen Angeboten erm├Âglichen, k├Ânnten auf lange Sicht f├╝r Ungeimpfte kostenpflichtig werden.

Das Testen koste den Staat enorme Summen, sagte S├Âder. Wenn alle ein Impfangebot bekommen h├Ątten, werde man dar├╝ber nachdenken m├╝ssen, ob die Tests komplett kostenlos bleiben k├Ânnten. Auch die Bundesregierung schlie├čt das nicht aus. Kanzlerin Merkel schr├Ąnkte aber ein, dass bei Ma├čnahmen, "die so eine indirekte Impfpflicht sind", gut ├╝berlegt werden m├╝sse, weil zum Beispiel Kinder noch nicht geimpft werden k├Ânnten und weil es f├╝r manche Menschen Gr├╝nde gebe, sich nicht impfen zu lassen.

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