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Wie eine Stadt mehr testet als ganz Deutschland

Von Nora Schiemann

Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Mitarbeiter des Lifebrain-Labors: Mit zwei zusÀtzlichen Pavillons zÀhlt das Labor im Areal der Klinik Penzing in Wien insgesamt vier.
Mitarbeiter des Lifebrain-Labors: Mit zwei zusÀtzlichen Pavillons zÀhlt das Labor im Areal der Klinik Penzing in Wien insgesamt vier. (Quelle: Lifebrain-Labor)
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In Deutschland werden die PCR-Tests knapp, Gesundheitsminister Lauterbach brachte schon eine Priorisierung ins Spiel. In Wien sind hingegen 800.000 Tests pro Tag möglich. Wie geht das?

"Wir werden die PCR-Tests priorisieren mĂŒssen", sagte Karl Lauterbach (SPD) kĂŒrzlich bei "Markus Lanz". Die Omikron-Welle reize KapazitĂ€ten von Laboren aus – und es drohe eine Überlastung, warnte der Gesundheitsminister. Doch nicht ĂŒberall herrscht Knappheit: Die österreichische Hauptstadt schafft es mittlerweile, 800.000 PCR-Tests pro Tag auszuwerten. Das teilte die Stadt Wien auf Twitter mit. Wie ist das möglich, dass eine Stadt schneller testet als die gesamte Bundesrepublik?


Diese bekannten Forscher sitzen im neuen Expertenrat

Prof. Dr. Christian Drosten: Der Chefvirologe der Berliner CharitĂ© zĂ€hlt zu den bekanntesten Gesichtern seit der Corona-Pandemie. Drostens Forschungsschwerpunkte sind neu auftretende Viren – insbesondere mit Coronaviren kennt sich der Virologe seit Jahren aus. Sein Wissen teilt er regelmĂ€ĂŸig im NDR-Podcast "Coronavirus-Update".
Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis: Er ist GeschĂ€ftsfĂŒhrender Oberarzt der Lungenklinik Köln-Merheim und Leiter des dortigen Ecmo-Zentrums. Außerdem ist er wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN).
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Entscheidend fĂŒr den Erfolg war offenbar auch ein Umdenken in der Wiener Verwaltung: Die Stadt habe mit der Offensive "Alles gurgelt!" auf Gurgeltests fĂŒr zu Hause umgestellt, um fĂŒr einen Abstrich kein medizinisches Personal mehr zu brauchen, sagt Mario Dujaković, Pressesprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker, zu t-online.

Die Tests könne man in einer österreichischen Drogerie erhalten – bis zu 8 kostenlose Sets seien pro Abholung möglich. Damit schaffe die Stadt 800.000 Tests tĂ€glich, die in maximal 24 Stunden ausgewertet werden können. Derzeit werden durchschnittlich 300.000 bis 400.000 PCR-Tests ausgewertet, so Dujaković. Durch das Hochfahren der KapazitĂ€ten liege der Preis der Tests derzeit bei nur knapp unter 6 Euro.

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"Wir holen die Leute dann frĂŒhzeitig raus"

Ein weiterer Baustein der Wiener Erfolgsgeschichte ist ein sehr leistungsfĂ€higes Labor der Firma Lifebrain. Man habe seine TestkapazitĂ€ten im Januar noch einmal deutlich erhöht, heißt es in einer Pressemeldung des Pharmaunternehmens. Mit zwei zusĂ€tzlichen Pavillons zĂ€hlt das Labor im Areal der Wiener Klinik Penzing nun insgesamt vier. "Lifebrain ist der grĂ¶ĂŸte Laboranbieter in Italien, wir haben das Know-how vor ĂŒber einem Jahr nach Wien importiert", sagt Rainer Sturma, Chief Operating Officer (COO) des Labors, zu t-online.

Die Wiener Teststrategie scheint zu wirken: In der österreichischen Hauptstadt sei die Welle deutlich flacher ausgefallen als in anderen BundeslĂ€ndern. Die Offensive hat mehrere Vorteile: "Wir können auch viel mehr asymptomatische FĂ€lle herausfischen. Jeder dritte Fall ist derzeit asymptomatisch, wir holen die Leute dann frĂŒhzeitig raus", sagt Dujaković t-online. Alle positiven PCR-Tests werden außerdem auf Virusvarianten getestet. Somit sei die Strategie beispielsweise fĂŒr Prognoserechnungen oder Hospitalisierungen "sehr nĂŒtzlich", sagt Dujaković.

Auch von der Politik und deren beratenden Experten erhalte das Konzept positives Feedback, so Sturma. Die PCR-Tests seien eine der vielen Schrauben im Kampf gegen die Pandemie.

Mitarbeiter werten im Lifebrain-Labor PCR-Tests aus: "Alles gurgelt" startet fĂŒr alle Wiener Haushalte durch.
Mitarbeiter werten im Lifebrain-Labor PCR-Tests aus: "Alles gurgelt!" startet fĂŒr alle Wiener Haushalte durch. (Quelle: Lifebrain-Labor)

Weniger KapazitÀten in Deutschland

Anders sieht es in Deutschland aus: FĂŒr die zweite Januarwoche gibt das Robert Koch-Institut (RKI) eine TestkapazitĂ€t pro Tag von rund 391.000 an. Trotzdem seien in der letzten Woche mit 1,95 Millionen Tests wöchentlich mehr als je zuvor in der Pandemie durchgefĂŒhrt worden, teilte der Laborverband ALM mit. Die Auslastung der Labore lag bei 86 Prozent.

ALM-Chef Michael MĂŒller plĂ€dierte fĂŒr eine Priorisierung von PCR-Tests bei begrenzter KapazitĂ€t, um eine Überlastung der Labore zu vermeiden. Zudem bestand er auf die konsequente Umsetzung der Nationalen Teststrategie. Demnach sollen etwa Menschen mit Covid-19-Symptomen und Kontaktpersonen von nachgewiesenermaßen Infizierten Vorrang haben. Doch auch der Schutz von Menschen mit besonders hohen Corona-Risiken beispielsweise im Gesundheitswesen stehe im Vordergrund.

Auch Gesundheitsminister Lauterbach kĂŒndigte bei "Markus Lanz" eine Priorisierung der PCR-Tests an, weil die Fallzahlen höher werden. Genaue Details wollte er nicht nennen, es stehe aber fest, dass Krankenhauspersonal, PflegebeschĂ€ftigte und Mitarbeiter Ă€hnlicher Einrichtungen hier den Vorrang bekommen mĂŒssten.

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Sind Gurgeltests auch in Deutschland denkbar?

WĂ€re ein kurzfristiger Ausbau der TestkapazitĂ€ten in Deutschland möglich? Der Unternehmenssprecher des großen Anbieters Bioscientia, Henrick Borucki, hĂ€lt das nicht fĂŒr möglich. "KapazitĂ€ten auszubauen bedeutet nicht nur, neue GerĂ€te zu kaufen. Das haben wir gemacht. Der Knackpunkt ist im Moment ganz klar das Personal. Wir suchen seit Wochen, finden aber noch nicht genug", so Borucki zu "ZDFheute". Schon Ende November zeichnete sich ab, dass einige Labore ins Schleudern gerieten, so Borucki.

Auch das Bundesgesundheitsministerium verweist gegenĂŒber dem Sender auf den Personalmangel. Man prĂŒfe derzeit die Optionen. Vonseiten der Politik gab es zu den Gurgeltests, die man im Supermarkt erwerben kann, schon Überlegungen, wie der "SWR" berichtet. Das bayerische Gesundheitsministerium habe dieser Strategie beispielsweise eine Absage erteilt. Der Grund: Labore seien schon an der KapazitĂ€tsgrenze und könnten die Ergebnisse ohnehin nicht zeitgerecht auswerten.

Die KapazitĂ€tsgrenzen und eine mögliche GefĂ€hrdung Dritter könnten gegen den Verkauf in SupermĂ€rkten sprechen, so der "SWR". Das RKI stufe die Gefahr einer Aerosolbildung wĂ€hrend der DurchfĂŒhrung des Gurgeltests als hoch ein. Es gebe zwar bereits einige Anbieter, die diese Selbsttestung zur VerfĂŒgung stellten, sie blieben in Deutschland aber noch die Ausnahme.

"Das liegt am strategischen Fokus der Wiener Stadtpolitik"

Rainer Sturma vom Lifebrain-Labor hat eine Vermutung, warum die Teststrategie in Wien besser lĂ€uft als in anderen LĂ€ndern: "Ich glaube, das liegt am strategischen Fokus der Wiener Stadtpolitik, den andere LĂ€nder und zum Teil auch BundeslĂ€nder in Österreich nicht hatten." Bei jeder neuen Welle sei man froh, ein neues und skalierbares Konzept zu haben, so Sturma.

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Auch der Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats, Dujaković, glaubt, es sei eine Strategiefrage. "In Deutschland liegt der Fokus immer noch sehr auf Kontaktpersonennachverfolgung und VerdachtsfallabklĂ€rung mit PCR-Tests. Wir haben uns aber bewusst entschieden, PCR-Tests in die breite Masse zu bringen."

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