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Der Merz der Mitte macht Wahlkampf in der Schützenhalle

Bewerbung für CDU-Parteivorsitz  

Merz will jeden zweiten AfD-Wähler zurückgewinnen

10.11.2018, 15:59 Uhr | Dorothea Hülsmeier, dpa

Klartext von Friedrich Merz zu AfD-Wählern, Angela Merkels Kurs in Europa mit Macron und zur CDU-Doppelspitze (Quelle: Reuters)
Merz-Klartext zum Merkels vorsichtigem Europa-Kurs

In einer Schützenhalle im Sauerland äußert sich der Kandidat für den CDU-Vorsitz auch zu den Wählern, die die Union an die AfD verloren hat.

Kreisparteitag in Sauerländer Schützenhalle: Hier packte Friedrich Merz zuletzt aus über Angela Merkels vorsichtigem Europa-Kurs, AfD-Wähler und eine Doppelspitze bei der CDU. (Quelle: t-online.de)


Der Weg an die Parteispitze führt für Friedrich Merz in die Provinz. Im Sauerland muss er beweisen, dass er auch Schützenhalle kann. Seine erste offizielle Bewerbungsrede ist ein Heimspiel.

Friedrich Merz will wieder zurück in die Politik, und zwar gleich nach ganz weit oben. Vor rund neun Jahren kehrte der Ex-Unionsfraktionschef der Politik den Rücken. Nun will der gemachte Anwalt, der erfolgreich in die Wirtschaft wechselte und sogar ein Flugzeug besitzt, aus dem Stand CDU-Bundesvorsitzender werden. Der erhoffte Weg an die Spitze führt den 62-Jährigen aber erst einmal zurück zu seinen Wurzeln in der sauerländischen Provinz – in eine Schützenhalle.

Frikadellenbrötchen: 2,50 Euro

Nicht im großen Berlin, sondern in der Halle der St. Sebastianus Schützenbruderschaft im Arnsberger Stadtteil Oeventrop hält Merz am Samstag seine erste öffentliche Bewerbungsrede. Es ist Kreisparteitag der Hochsauerland-CDU. Als Gastredner will er sich der Basis als Nachfolger von Parteichefin Angela Merkel empfehlen. Die Fachwerkhalle ist drinnen etwas muffig, Fahnen und ein Holzadler, an der Stirnseite der Halle prangt in brauner Frakturschrift das traditionelle Schützenmotto "Glaube, Sitte, Heimat". Das Bier kostet 1,50, Frikadellenbrötchen 2,50. Für den in Brilon geborenen Merz wird es ein Heimspiel. Für die Hochsauerland-CDU zog Merz einst 1994 als Direktkandidat in den Bundestag.

Für die Delegierten ist Merz hier immer noch "der Friedrich". Einige sind mit ihm befreundet, er hat für Eltern von Freunden schon Trauerreden gehalten und auch Geburtstagsreden. Im Sauerland ist man konservativ – und bescheiden. Das weiß auch Merz. Unauffällig wandert er im dunkelblauen Jackett schon vor Beginn des Parteitags durch die Tischreihen, schüttelt Hände, klopft auf Schultern, gibt Begrüßungsküsschen.

Keine überschwängliche Begrüßung

Bürgernah und in der Mitte – das ist wohl das Signal, das Merz aussenden will. Dass er seit rund zehn Jahren nicht mehr in der Politik ist, aber jetzt gleich nach dem Parteivorsitz greift, finden hier alle in Ordnung. "Er ist das Beste, was unserer Partei und dem Land passieren kann", sagt Hermann Beilenhoff.

Der Sauerländer neigt nicht zu großen Emotionen. So wird Merz von den rund 500 Delegierten auch nicht überschwänglich als eine Art "Heilsbringer" der CDU empfangen, sondern mit ordentlichem Applaus begrüßt. Nach der 45-minütigen Rede erheben sich die Delegierten sogar, applaudieren noch mal kräftig drei Minuten lang und setzen sich dann wieder.

Es ist eine Art "Merz der Mitte", der sich in Oeventrop nicht nur der Basis, sondern auch vor den zahlreichen Fernsehkameras präsentiert. Einen Rechtsruck der CDU schließt er aus – gleichzeitig will er aber jeden zweiten AfD-Wähler zurückgewinnen. Er sei doch "kein Anti-Merkel", versichert er. Er wolle keine "Abrechnung" mit der Kanzlerin, die ihn einst um den Unionsfraktionsvorsitz brachte. "Alles dummes Zeug". Im Gegenteil, er würde als neuer CDU-Parteichef "fair, anständig und loyal" mit Merkel umgehen. Seine schärfste Konkurrentin, Annegret Kramp-Karrenbauer, möchte er im Fall seines Sieges in der obersten CDU-Spitze halten.


In der Oeventroper Schützenhalle singen die wenigen noch verbliebenen Delegierten nach vier Stunden Parteitag zum Abschluss die Nationalhymne. Merz ist auch noch da. Aber er singt nicht mit, weil er im Nebenzimmer bei Hintergrundgesprächen mit Journalisten sitzt. Fast so wie früher.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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