• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Parteien
  • Facebook: Gr├╝ne fordern Alternative aus Rundfunkgeb├╝hren


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Gr├╝ne fordern Facebook-Alternative aus Rundfunkgeb├╝hren

Ein Gastbeitrag von Robert Habeck und Malte Spitz

08.11.2019Lesedauer: 5 Min.
Soziale Medien wie Facebook und Co. sind ├╝berall pr├Ąsent: Die Konzerne haben eine gro├če Macht, sie ver├Ąndern unsere Gesellschaft, sagt Robert Habeck.
Soziale Medien wie Facebook und Co. sind ├╝berall pr├Ąsent: Die Konzerne haben eine gro├če Macht, sie ver├Ąndern unsere Gesellschaft, sagt Robert Habeck. (Quelle: getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextAir Force One landet in M├╝nchenSymbolbild f├╝r ein VideoSo sieht es im G7-Luxushotel ausSymbolbild f├╝r einen TextKletterer st├╝rzen im Karwendel zu TodeSymbolbild f├╝r einen TextGefahr bei Waldbrand "noch sehr gro├č"Symbolbild f├╝r einen TextNeue Doppelspitze der Linken gew├ĄhltSymbolbild f├╝r ein VideoHinteregger mit neuem Gesch├ĄftszweigSymbolbild f├╝r einen TextBiontech meldet: Omikron-Impfstoff wirktSymbolbild f├╝r einen TextFu├čballstar ├╝berrascht mit Wechsel Symbolbild f├╝r einen TextSylt: Party-Zonen f├╝r 9-Euro-Touristen?Symbolbild f├╝r einen TextScholz fehlt auf S├Âders G7-FotoSymbolbild f├╝r einen TextDeutscher Olympiasieger holt WM-BronzeSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserAzubi k├Ąmpft in Armut ums ├ťberlebenSymbolbild f├╝r einen TextPer Zug durch Deutschland - jetzt spielen

Soziale Medien werden heute wie eine ├Âffentliche Infrastruktur genutzt. Das gibt Milliardenkonzernen Macht ├╝ber die ├Âffentliche Meinung. Es sollte eine europ├Ąische Alternative geben, schreiben Gr├╝nen-Chef Robert Habeck und Netzpolitiker Malte Spitz in einem Gastbeitrag.

├ťber 40.000 Euro pro Minute, 60 Millionen Euro am Tag, oder 5,5 Milliarden Euro im dritten Quartal 2019. Unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit, unser Verhalten erzeugen den Gewinn von Facebook. Doch diese Zahlen sind klein, verglichen mit dem tats├Ąchlichen Preis, den wir zahlen: unsere demokratische Verfasstheit. Die datengetriebenen, werbebasierten Gesch├Ąftsmodelle von kommerziellen Plattformen ver├Ąndern unser Verhalten, unsere demokratischen Prozesse und unsere Gesellschaft. Und das nicht immer zum Besseren.

Deshalb braucht es Alternativen zu Facebook, YouTube und Co: eine europ├Ąische Medienplattform als werbefreier, ├Âffentlicher Raum der digitalen Kommunikation.

Die bisherigen sozialen Medien sind darauf angewiesen, dass wir m├Âglichst viele Informationen ├╝ber uns preisgeben. Also m├╝ssen wir aktiv im Netz sein, teilen, klicken, liken, disliken. Posts, Tweets, Filme m├╝ssen so verfasst sein, dass sie m├Âglichst zur Reaktion anregen. Und das tun sie vor allem durch eine emotionale Zuspitzung, oft in Form von Streit, Angst und Angstmacherei. Genau darauf baut das Gesch├Ąftsmodell der Plattformen auf: Mit ihren Empfehlungsmechanismen animieren sie dazu, polarisierende Beitr├Ąge zu klicken, zu verbreiten, zu verst├Ąrken, vielleicht selbst noch mehr zuzuspitzen, um die eigene Meinung wahrnehmbarer zu machen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Schwarzer Schimmel in der Dusche: So werden Sie ihn los
Schwarzer Schimmel: Vor allem in Ecken siedelt sich der Pilz schnell an.


Ein virtuelles Profil jedes Einzelnen

Immer genauere Ansprachen jedes Einzelnen und damit verbunden steigende Werbeeinnahmen sind m├Âglich, weil Zehntausende oder Hunderttausende digitale Spuren, die wir ├╝ber die Zeit hinterlassen haben, zusammengef├╝hrt werden zu einem virtuellen Profil. Und entsprechend diesem Profil bekommen wir fortan Informationen angezeigt: Wir werden vom Subjekt zum Objekt unserer Kommunikation.

Robert Habeck ist seit 2018 mit Annalena Baerbock Bundesvorsitzender von B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen. Vor seiner politischen Karriere arbeitete der promovierte Philosoph als Schriftsteller. Malte Spitz ist Mitglied im Parteirat der Gr├╝nen. Er hat sich als Netzpolitiker einen Namen gemacht.

Zwar erleben wir immer wieder auch die emanzipatorische Wirkung, die ├╝ber solche Plattformen "von unten" erzeugt wird, indem Missst├Ąnde in autorit├Ąren Staaten oder der Gesellschaft angeprangert werden. Trotzdem braucht es f├╝r den Umgang mit solchen Unternehmen kluge und engagierte Regulierung. Eine wirksame Entflechtung von Facebook, WhatsApp und Instagram, die Durchsetzung von Datenschutz und Arbeitnehmerrechten und nicht zuletzt eine angemessene Besteuerung von transnational operierenden Unternehmen sind dringend notwendig.

Offenheit und Freiheit, Vielfalt und Selbstbestimmung

Wir m├╝ssen uns aber auch die weitergehende Frage stellen: Wollen wir als Gesellschaft, dass wenige b├Ârsennotierte Unternehmen einen solch umfassenden, in Teilen staats├Ąhnlichen Einfluss auf unser demokratisches Zusammenleben haben? Wenn nicht, dann brauchen wir einen nicht-kommerziellen, ├Âffentlichen Raum der digitalen Kommunikation. Deshalb pl├Ądieren wir daf├╝r, eine ├Âffentliche Plattform f├╝r Kommunikation und Medien zu schaffen.

Deren Ziel w├Ąre nicht, Gewinne zu maximieren, sondern qualitativ hochwertigen Inhalt zug├Ąnglich zu machen und Menschen sozial zu vernetzen. Diese Plattform muss nach anderen Prinzipien organisiert werden als kommerzielle. Offenheit und Freiheit, Vielfalt und Selbstbestimmung des Einzelnen m├╝ssen das Ziel sein. Um ├╝berhaupt die notwendige Gr├Â├če zu erlangen, Strahlkraft zu entfalten und ein Gegengewicht aufbauen zu k├Ânnen, muss die neue Plattform europ├Ąisch sein.

Gegenw├Ąrtig w├Ąre allerdings jedes Angebot, das auf dem freien Markt ein Gegengewicht zu den kommerziellen Plattformen etablieren wollte, schwer im Nachteil, weil sie den Vorsprung der Plattformen durch ihre jahrelange Datensammlung und ihre Gr├Â├če und durch die damit verbundenen Netzwerkeffekte kaum aufholen k├Ânnte ÔÇô und ja auch nicht sollte.

Geb├╝hrenfinanzierte Inhalte b├╝ndeln ÔÇô europaweit

Aber es gibt ein anderes Pfund, mit dem eine ├Âffentliche Infrastruktur wuchern kann: hochwertige Inhalte. Es gibt bereits hunderttausende von Filmen, Dokumentationen, Serien, Nachrichten, die mit ├Âffentlichem Geld oder Geb├╝hren produziert wurden. Sie lie├čen sich auf einer Plattform b├╝ndeln und attraktiv aufbereiten.

Die Mediathek der ARD: Eine europ├Ąische Medienplattform w├╝rde aus Sicht von Robert Habeck auch die Inhalte ├Âffentlich-rechtlicher Mediatheken b├╝ndeln.
Die Mediathek der ARD: Eine europ├Ąische Medienplattform w├╝rde aus Sicht von Robert Habeck auch die Inhalte ├Âffentlich-rechtlicher Mediatheken b├╝ndeln. (Quelle: R├╝diger W├Âlk/imago-images-bilder)

Dazu m├╝ssten europ├Ąische ├Âffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, wie ARD, ZDF, BBC, RAI, DR, ihre Inhalte auf einer solchen europ├Ąischen Medienplattform ├Âffentlich zur Verf├╝gung stellen. Damit w├╝rde man, ├Ąhnlich wie es der Grundgedanke bei ARTE Anfang der 1990er Jahre war, zugleich aus der nationalen Denk- und Informationsweise ausbrechen.

Deutschland kann aktiv werden und andere Partner wie Frankreich oder die skandinavischen L├Ąnder einladen, gern auch ÔÇô Brexit hin oder her ÔÇô die britische BBC mit ihren preisgekr├Ânten Angeboten. Die Plattform kann nicht nur als Mediathek, also als Schaukasten, dienen, sondern als technische Plattform zum Teilen, Diskutieren, Remixen und zur Bereitstellung eigenen Inhalts. So baut sich eine Kommunikationsplattform auf, die unabh├Ąngig finanziert und unabh├Ąngig von nationalen oder europ├Ąischen Haushaltstiteln ist und die zudem komplett werbefrei, offen und datenschutzfreundlich w├Ąre.

Kein Ersatz, aber eine Alternative

Eine solche Plattform wird etablierte kommerzielle Plattformen nicht ersetzen, aber eine ernst zu nehmende Alternative zu Facebook, YouTube und Co sein ÔÇô und sie kann den Einzelnen eine echte Auswahl erm├Âglichen, die heute fast nie mehr gegeben ist.

Gerade durch Bereitstellung von attraktiven Inhalten wird ein Teil des politischen Diskurses auf diese ├Âffentliche Plattform wandern. In Deutschland k├Ânnte sie als vierte gro├če S├Ąule neben ARD, ZDF und Deutschlandradio rechtlich verankert werden und damit einen relevanten Anteil der Finanzierung aus dem Rundfunkbeitrag erhalten.

Dank ihres "Datenschutz by Design"-Ansatzes k├Ânnte sie zugleich in Schulen aktiv genutzt werden und so das heutige Dilemma l├Âsen helfen, dass Kommunikation zwischen Schule, Sch├╝lerinnen, Sch├╝lern und Eltern meist mit schlechtem Gewissen ├╝ber problematische Systeme wie WhatsApp stattfindet.

Unabh├Ąngig von politischer Einflussnahme

Die Plattform braucht dabei eine eigene agile F├╝hrungsebene (Intendanz). In die Aufsicht und Steuerung sind Nutzerinnen und Nutzer, auch zuf├Ąllig Ausgew├Ąhlte aus den jeweiligen beteiligten L├Ąndern, gleichberechtigt zu den anderen Mitgliedern einzubinden. Klare Vorgabe ist die Unabh├Ąngigkeit von Politik und politischer Einflussnahme, um die Fehler des bisherigen deutschen ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht zu wiederholen und die St├Ąrken im europ├Ąischen Verbund zusammenf├╝hren.

Loading...
Symbolbild f├╝r eingebettete Inhalte

Embed

F├╝r die Kuratierung von Inhalt, Such-, Wert- und Sortierungsfunktionen wird ein Konzept entlang des ├Âffentlich-rechtlichen Auftrags zu erarbeiten sein, um Pluralit├Ąt und Kontroversen abzubilden. Die neuen digitalen M├Âglichkeiten von automatischer ├ťbersetzung erlauben es, unabh├Ąngig von eigenen Sprachkenntnissen fremdsprachigen Inhalt wahrzunehmen, beispielsweise durch umfassende Untertitelung und ├ťbersetzung. So entsteht eine genuin multilinguale Plattform.

Private Medienanbieter k├Ânnen ebenfalls an der Plattform teilnehmen und eigene Angebote darauf zur Verf├╝gung stellen. Vor allem muss eine solche neue Plattform Kooperationen eingehen, insbesondere mit ├Âffentlichen Stellen. Qualitativ gepr├╝fter Medieninhalt, zum Beispiel aus Hochschulen, Museen, Parlamenten k├Ânnte bereitgestellt werden. Auch eine Zusammenarbeit mit Angeboten wie Wikipedia w├Ąre w├╝nschenswert.

Ein sicherer digitaler Ort f├╝r Schulklassen und Vereine

Jede und jeder Einzelne sollte die neuen Vorz├╝ge nutzen k├Ânnen. Zus├Ątzliche Kommunikationsm├Âglichkeiten bieten vertiefte soziale Interaktion, sei es ├╝ber eigene Kan├Ąle, Blogs, Alben, sei es zur Kommunikation zwischen Nutzerinnen. Die Plattform bietet den sicheren Ort, an dem Schulklassen miteinander Inhalte teilen, die Fotogalerie vom Vereinsfest abgelegt wird oder Volkshochschulen ihre Kurse begleiten.

Loading...
Loading...
Loading...

Durch offene Schnittstellen k├Ânnen sich neue Angebote und technische Ans├Ątze testen und verbreiten, wenn sie den Grundprinzipien von Offenheit, Datenschutz und hoher IT-Sicherheit folgen. Hier entsteht eine ungeheure Synergie, wenn parallel dazu freie und offene Software und Anwendungen besser gef├Ârdert werden. Es w├Ąre Testlabor und Innovationstreiber zugleich.


So schaffen wir eine werbefreie Alternative zu Anbietern mit fragw├╝rdigen Regeln und intransparenten Empfehlungsmechanismen. Die neue Plattform unterliegt nicht der Marktlogik von Aufmerksamkeit durch Zuspitzung. Sie setzt dem Einfluss ausl├Ąndischer Staaten, die durch Desinformation und gekaufte Reichweiten Einfluss nehmen wollen, etwas entgegen. Stattdessen st├Ąrkt sie die europ├Ąische ├ľffentlichkeit. Auch f├╝r kommende europ├Ąische Wahlen und Debatten w├Ąre eine solche gemeinsame Plattform ein riesiger Gewinn an ├Âffentlichem Raum und ein Fortschritt, der allen dient.

Die in Gastbeitr├Ągen ge├Ąu├čerten Ansichten spiegeln die Meinung des Autors wider und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online.de-Redaktion.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Johannes Bebermeier
Von Johannes Bebermeier
ARDAnnalena BaerbockB├╝ndnis 90/Die Gr├╝nenDeutschlandFacebookInstagramRobert HabeckYouTubeZDF
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website