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SPD: Sawsan Chebli könnte die Karriere von Berlins Bürgermeister beenden

Sawsan Chebli  

Diese Frau könnte die Karriere des Berliner Bürgermeisters beenden

14.08.2020, 17:54 Uhr
SPD: Sawsan Chebli könnte die Karriere von Berlins Bürgermeister beenden. Sawsan Chebli: Die SPD-Politikerin will in den Bundestag – und konkurriert mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller. (Quelle: imago images/Emmanuele Contini)

Sawsan Chebli: Die SPD-Politikerin will in den Bundestag – und konkurriert mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller. (Quelle: Emmanuele Contini/imago images)

Er förderte sie – nun tritt sie gegen ihn an: Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli will im gleichen Wahlkreis für den Bundestag kandidieren wie Michael Müller. Warum wagt sie das pikante Duell? 

Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli ist es gewohnt anzuecken. Man darf also davon ausgehen, dass Kritik und Konkurrenz sie nicht abschrecken.

Nun wagt sie sich allerdings in ein Duell, das nach den normalen Regeln des politischen Geschäfts nicht zu gewinnen ist: Chebli, die derzeit Staatssekretärin in der Berliner Landesregierung ist, will in den Bundestag. Und das ausgerechnet in jenem Wahlkreis der Hauptstadt, um den sich auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller bewirbt. 

Müller, so ist es in der Partei abgemacht, soll mit dem Bundestagsmandat der Abschied aus der Landespolitik versüßt werden: Schließlich räumt er seinen Posten als Regierungschef nur, weil die populäre Bundesfamilienministerin Franziska Giffey übernehmen soll.

Müller hätte gern in seinem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg kandidiert, doch dort bewirbt sich SPD-Vizechef Kevin Kühnert erstmals um ein Bundestagsmandat. Müller musste sich also eine neue Heimat suchen. 

Alles nicht so einfach in der Berliner SPD.  

Was dem Duell Chebli-Müller besondere Würze verleiht, ist die Tatsache, dass Müller die Nachwuchspolitikerin 2016 in den Senat holte. Sie begehrt nun also gegen ihren Förderer auf. Das ist nicht verwerflich, aber auch nicht besonders freundlich. Denn Chebli weiß: Setzt sie sich gegen Müller durch, ist dessen politische Karriere wohl beendet. 

Hassfigur und Vorbild

Chebli, heute 42 Jahre alt, wurde in Berlin als Kind palästinensischer Flüchtlinge geboren. Sie wuchs mit zwölf Geschwistern auf, besuchte das Gymnasium und studierte Politikwissenschaft. Sie machte als politische Beamtin Karriere, zunächst als Grundsatzreferentin im Berliner Innensenat, dann als stellvertretende Sprecherin im Auswärtigen Amt und eben seit 2016 als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales in der Regierung Berlins.

Für Rechtsradikale ist sie eine Hassfigur, bekommt Drohungen und steht unter Polizeischutz. Für ihre Anhänger ist sie ein Vorbild, eine selbstbewusste Frau, die sich hochgearbeitet hat. Und nun den nächsten Schritt machen will. "Ich bin in die SPD eingetreten, um die Welt, die meine Eltern aus 20 Jahren Dasein im Lager kannten, ein wenig besser zu machen", begründete Chebli ihre Kandidatur auf Twitter.

Sie versteht die Unruhe nicht so recht, die es nun in ihrer Partei gibt. Schließlich habe sie aus ihren Ambitionen seit Langem keinen Hehl gemacht. Auch sei klar gewesen, dass sie im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf antreten wolle. "Ich habe vor über einem Jahr angekündigt, dass ich kandidieren möchte. Allen war das klar", sagt Chebli t-online.de. Sie war zuerst da, Müller kam später. 

Chebli will die Mitglieder entscheiden lassen

Sie habe am Sonntag mit Müller telefoniert, einen Tag, bevor der Regierende Bürgermeister seine Kandidatur verkündet hat, sagt sie nun. Sie habe ihm klargemacht, nach wie vor kandidieren zu wollen. Ein Problem sieht sie nicht darin, gegen ihren Noch-Chef anzutreten: "In einem demokratischen Wettstreit muss das möglich sein." Wichtig sei ihr aber, dass es fair ablaufe. "Daran krankt es in der Politik oft." 

Trotzdem ist Chebli offenbar klar, dass sie nicht die Favoritin im Rennen ist. Welche Chancen sie habe, werde sich zeigen, sagt sie. Nun setzt sie auf den Faktor Zeit und die Basis. Entschieden wird erst Ende des Jahres. Und wie genau, ist noch offen. "Ich spreche mich für ein Mitgliedervotum aus", sagt Chebli t-online.de. Die Basis gegen die Funktionäre – dieses Motto dürfte ihre beste und vielleicht einzige Chance gegen Müller sein.

Selbst wenn ihr das Kunststück gelänge, wäre Chebli noch längst nicht im Bundestag. Bei den beiden vergangenen Wahlen gewann die CDU das Direktmandat in dem Wahlkreis. Auf der Berliner Landesliste der SPD, die eine zweite Chance sein könnte, dürften die wenigen aussichtsreichen Plätze an andere vergeben werden. Chebli müsste sich ein weiteres Mal durchsetzen.

Verwendete Quellen:

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