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Wie will sie das nur machen?

  • Johannes Bebermeier
Von Johannes Bebermeier

Aktualisiert am 29.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Ricarda Lang: Sie wird die Gr├╝nen zusammen mit Omid Nouripour anf├╝hren.
Ricarda Lang: Sie wird die Gr├╝nen zusammen mit Omid Nouripour anf├╝hren. (Quelle: Janine Schmitz/photothek.de/imago-images-bilder)
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Die Gr├╝nen bekommen eine neue Parteispitze. Besonders auf Ricarda Lang lasten hohe Erwartungen, denn sie vertritt den linken Fl├╝gel der Partei. Dort rumort es bereits ÔÇô und das hat vor allem mit Robert Habeck zu tun.

Ein wichtiger neuer Job kann ja schnell einsch├╝chternd wirken. Deshalb gibt es f├╝r Ricarda Lang und Omid Nouripour, die k├╝nftig die Gr├╝nen anf├╝hren wollen, zum Start eine gute Nachricht: Eigentlich werden sie nur eine Aufgabe zu erledigen haben.


Ricarda Lang: Die j├╝ngste Frau an der Spitze der Gr├╝nen

Ricarda Lang ist seit dem 29. Januar 2022 Vorsitzende der Gr├╝nen. Lang wurde 1994 in Filderstadt (Baden-W├╝rttemberg) geboren ÔÇô sie ist damit die j├╝ngste Parteichefin der Gr├╝nen-Geschichte. Sie gilt als parteilinks.
Hannah Neumann (l), Annalena Baerbock, Sven Giegold, Erik Marquardt, Michael Kellner und Ricarda Lang (r) bei der Wahl zum Europ├Ąischen Parlament im Jahr 2019: Nach dem Abitur begann Lang 2012 ein Studium der Rechtswissenschaften, zun├Ąchst an der Ruprecht-Karls-Universit├Ąt Heidelberg, sp├Ąter an der Humboldt-Universit├Ąt zu Berlin. Sie brach dieses schlie├člich 2019 ohne Abschluss ab.
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Diese Aufgabe wird gerade von allen Seiten an sie herangetragen, vom linken und vom rechten Flügel, von den Jungen und den Älteren in der Partei. Passenderweise haben sich die beiden die Aufgabe auch gleich selbst verordnet.

Sie wollen "das Profil der Gr├╝nen sch├Ąrfen", sagt Ricarda Lang. Und das sagt eben auch Omid Nouripour. Wortgleich.

Das klingt ziemlich einfach, ist aber dummerweise unglaublich kompliziert. Und das ist leider die schlechte Nachricht dieses Wochenendes, an dem die Gr├╝nen auf ihrem Parteitag ihre neuen Vorsitzenden w├Ąhlen.

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Denn die gro├če Frage lautet: Wie soll dieses Profil aussehen?

Die B├╝ndnispartei

Der Streit dar├╝ber, was f├╝r eine Partei sie ├╝berhaupt sein wollen, besch├Ąftigt die Gr├╝nen schon seit ihrer Gr├╝ndung. Mal mehr, mal weniger. Zuletzt eher weniger. Zumindest hatten Annalena Baerbock und Robert Habeck es geschafft, die Konflikte in der Sache mit gro├čen Kompromissen und gro├čer Rhetorik zu befrieden.

Sie erfanden das Wort der "B├╝ndnispartei", was nicht so verstaubt klingen sollte wie Volkspartei, aber zumindest im Anspruch an die Wahlergebnisse das Gleiche bedeutete. N├Ąmlich ganz oben mitzuspielen, die Kanzlerin zu stellen.

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B├╝ndnispartei sollte aber mehr hei├čen als das. Es brachte das viel zitierte "Ausgreifen" der Gr├╝nen in alle Teile der Gesellschaft auf eine Formel. Raus aus der Nische, nur etwas wohlklingender. Die Gr├╝nen wollten nicht mehr nur mit den Umweltsch├╝tzern sprechen, sondern auch mit den Wirtschaftsbossen. Und erz├Ąhlten das auch stolz.

Nicht mit allen gut Freund sein

Wirklich unumstritten war dieser Kurs in der Partei nie, aber der Erfolg in den Umfragen und der Wahlkampf disziplinierten. Mit dem entt├Ąuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl und dem Umbruch an der Spitze gibt es aber inzwischen wieder mehr und auch bedeutende Gr├╝ne vom linken Fl├╝gel, die den Kurs recht grunds├Ątzlich infrage stellen.

Wenn die Kassiererin mit ihrem Laden um mehr Geld und Urlaub k├Ąmpfe, helfe es eben nicht weiter, wenn die Gr├╝nen Verst├Ąndnis f├╝r beide Seiten aufbr├Ąchten. Da m├╝sse man ├Âffentlich klar Position beziehen. Und zwar f├╝r die Kassiererin. So geht eines der Argumente.

Besonders in der Sozialpolitik finden linke Gr├╝ne ihre Partei zu zaghaft. Die Klimadebatte im Wahlkampf, die schnell zur Benzinpreisdebatte wurde und die Gr├╝nen ebenso schnell in die Defensive brachte, gilt ihnen als Negativbeispiel daf├╝r.

Omid Nouripour: Der Realo an der Parteispitze.
Omid Nouripour: Der Realo an der Parteispitze. (Quelle: imago-images-bilder)

Zumal die Beziehungen zu den Bossen aus Sicht dieser Gr├╝nen im Wahlkampf nicht viel gebracht haben. In der Tat schienen manche damals ├╝berrascht, als die Wirtschaft, mit der man sich doch gerade so nett unterhalten hatte, trotzdem gar nicht so nette Kampagnen gegen die Gr├╝nen schaltete.

Mit allen gut Freund sein, das funktioniert eben nicht, lautet diese Position in Kurzform. Die Sorge jedenfalls, nicht nur die eigenen ├ťberzeugungen, sondern auch wichtige Bewegungen wie "Fridays for Future" zu verlieren, ist real.

Die Erwartungen an sie

Und an dieser Stelle kommen Omid Nouripour und vor allem Ricarda Lang ins Spiel. Besonders auf ihr lasten n├Ąmlich die Erwartungen des linken Fl├╝gels, wenn es um das neue Profil geht. Anders als der Realo Nouripour ist Lang eine Parteilinke, eine fr├╝here Chefin der Gr├╝nen Jugend noch dazu und selbst erst 28 Jahre alt.

Der linke Fl├╝gel ist mit der Wahl wichtiger geworden. Viele Junge und Linke (was bei den neuen Gr├╝nen oft das Gleiche ist) sind in den Bundestag eingezogen. Allerdings bleibt das Realo-Lager m├Ąchtig. Das liegt zum einen am einzigen gr├╝nen Ministerpr├Ąsidenten Winfried Kretschmann und seinen Anh├Ąngern. Kretschmanns Erfolg in Baden-W├╝rttemberg gilt vielen als Beweis daf├╝r, dass sein (Ultra-)Realo-Weg ein Vorbild sein m├╝sse.

Und es liegt zum anderen an den Gr├╝nen in der Bundesregierung. Auch da sind die Realos nicht nur in der ├ťberzahl, weil Annalena Baerbock, Robert Habeck und Cem ├ľzdemir gegen Anne Spiegel und Steffi Lemke stehen. Habeck hat sich mit dem Klimaministerium auch das gr├╝ne Schl├╝sselressort gesichert, und zugleich als Vizekanzler schon rein formal die gr├Â├čte Macht.

Jede Kritik eine Kritik an sich selbst

Die Sache mit dem Profilsch├Ąrfen ist deshalb aus mehreren Gr├╝nden kompliziert. Mit anderen Parteien zu regieren und sich zugleich von diesen anderen Parteien absetzen zu wollen, ist schon an sich ein schwieriges Unterfangen. Weil eben jede Kritik an der Regierungsleistung immer auch Kritik an der eigenen Leistung in der Regierung ist. Die SPD hat das viele Jahre erfolglos ausprobiert.

Mit Robert Habeck ist dann auch noch der Erfinder des B├╝ndnispartei-Ansatzes der m├Ąchtigste gr├╝ne Regierungspolitiker. Genau wie Annalena Baerbock will er k├╝nftig im Parteirat sitzen, nach dem Bundesvorstand das wichtigste Entscheidungsgremium. Und er wird dort sicher nicht immer die gleiche Meinung vertreten wie die Parteilinken.

Wie sehr also wird Habeck weiterhin versuchen, den Gr├╝nen die Richtung vorzugeben? Zugespitzt: Werden die Gr├╝nen bald aus dem Klimaministerium gef├╝hrt? Egal wer die neuen Parteichefs sind? Es gibt diese Sorgen im linken Fl├╝gel. Und zugleich gibt es die Hoffnung, dass Habeck zu schlau ist, es auf die Spitze zu treiben.

Eine Herausforderung aber wird die Konstellation f├╝r Ricarda Lang und Omid Nouripour in jedem Fall. Denn die ├Âffentliche Aufmerksamkeit wird k├╝nftig vor allem den gr├╝nen Ministerinnen und Ministern gelten. Sie k├Ânnen regieren, w├Ąhrend die Parteispitze nur reden kann.

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Und dann w├Ąre da ja auch noch die klitzekleine Frage, wie das Profil, das man sch├Ąrfen will, denn am Ende ├╝berhaupt aussehen soll.

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Von Charlotte Zink
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