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Trump-Sieg, King Kong, Pinguine: Was Hellseher für 2020 falsch vorhersagten

Kein King Kong, kein Trump-Sieg  

Hellseher lagen 2020 fast immer daneben – Pluto soll Schuld sein

30.12.2020, 17:26 Uhr | Von Oliver Pietschmann, dpa, MaM

Trump-Sieg, King Kong, Pinguine: Was Hellseher für 2020 falsch vorhersagten. King Kong in einem Film von 1986: Auf das Erscheinen eines Riesenaffen warteten die Menschen 2020 vergebens. (Quelle: imago images)

King Kong in einem Film von 1986: Auf das Erscheinen eines Riesenaffen warteten die Menschen 2020 vergebens. (Quelle: imago images)

Ein "Jahr der Extreme" – das sagten Hellseher für 2020 richtig voraus. Bei ihren Prognosen zur US-Wahl, zum Erscheinen eines Riesenaffen sowie einer Pinguin-Plage lagen sie aber daneben.

US-Präsident Donald Trump siegt bei den Wahlen – anschließend kommt es zum Weltuntergang. Ein Riesenaffe im King-Kong-Format wird auf einer einsamen Insel entdeckt. Ein Roboter überfällt eine Bank und Pinguine belästigen Menschen in einer Stadt. All das stand ebenso auf der Liste von Vorhersagen von Hellsehern für 2020 wie Vulkanausbrüche, Waldbrände oder Erdbeben – und die Sieger der Olympischen Spiele. Die fanden in diesem Jahr aber gar nicht statt, denn die globale Corona-Pandemie verhinderte viele Sportereignisse.

Keiner "sah" Lockdown oder Maskenpflicht

Die Auswirkungen des 2020 allgegenwärtigen Virus finden sich indes der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) im südhessischen Roßdorf zufolge in den Prophezeiungen nicht wieder. "Hätten Vertreter dieser Zunft Anfang des Jahres in ihren Prognosen Stichworte wie Lockdown oder Maskenpflicht erwähnt, man hätte sie zwar anfangs belächelt, aber bereits im Frühjahr hätten sie stolz auf ihre Prognosetreffer verweisen können", heißt es bei der GWUP. Wie in jedem Jahr hätten sich Wahrsager, Astrologen und Hellseher auf ganzer Linie blamiert.

Dem Mainzer Mathematiker Michael Kunkel zufolge versuchten einige Protagonisten der Szene ihre Deutungen als Hinweis auf Corona auszulegen. So sei im Januar von einer Wahrsagerin ein "schlimmes Ereignis" prognostiziert worden. "Wenn man einen Prognosetreffer nachträglich wortreich erklären muss, dann kann die Prognose nicht toll gewesen sein."

Pluto ist Schuld an den Wahrsager-Pleiten

Eine Kritik, die der Deutsche Astrologen-Verband in Heidelberg so nicht gelten lassen will. Es sei ein "Jahr der Extreme" mit "extremen Maßnahmen und Einschränkungen" vorhergesagt worden, sagt der Vorsitzende Klemens Ludwig. Auf die Pandemie sei gleichsam nicht explizit eingegangen worden. "Pluto stand in extremer Verbindung mit anderen Planeten", sagt Ludwig. "Was wir am Himmel sehen, sehen ja alle, sie ziehen nur keine Schlüsse daraus." Pluto habe ganz eng mit Saturn, Jupiter und Mars zusammengestanden. "Das bedeutet nicht unbedingt viel Gutes."

Das Sonnensystem: Zwergplanet Pluto stand in diesem Jahr zu nah an anderen Planeten – das soll Vorhersagen schwierig gemacht haben (Symboldbild). (Quelle: imago images/Science Photo Libary)Das Sonnensystem: Zwergplanet Pluto stand in diesem Jahr zu nah an anderen Planeten – das soll Vorhersagen schwierig gemacht haben (Symboldbild). (Quelle: Science Photo Libary/imago images)

Den globalen Höhepunkt der Pandemie sieht Ludwig mit dem vergangenen November überschritten. "Die Dramatik wie dieses Jahr wird es im kommenden nicht geben. Wir können optimistischer in das nächste Jahr blicken." Ganz massiv würden 2021 Konflikte zwischen Altem und Neuem sein. "Das Thema ist, wo macht Neues Sinn und woran soll man festhalten", sagte er mit Blick zum Beispiel auf Homeoffice und digitalen Unterricht an Schulen.

Viel-Vorhersager stellen Hunderte Prognosen ins Netz

Dem Mathematiker Kunkel gefallen indes die skurrilen Prognosen besser, weil sie unterhaltsamer sind. So erschien der Riesenaffe wie im vergangenen auch in diesem Jahr nicht. Weder der Banküberfall eines Roboters noch die zickigen Pinguine in einer Stadt bewahrheiteten sich bislang. Im Boulevard gab es wieder zahlreiche Prognosen über Liebe, Gesundheit, Karriere und royalen Nachwuchs.

Ein Wahrsager bei der Arbeit mit einer Kristallkugel: 2020 war kein besonders gutes Jahr für Vorhersagen. (Quelle: imago images)Ein Wahrsager bei der Arbeit mit einer Kristallkugel: 2020 war kein besonders gutes Jahr für Vorhersagen. (Quelle: imago images)

Der GWUP zufolge wurden 2020 weit über 100 prognostische Texte aus Büchern, astrologischen Almanachen, Websites, Videos, Blogs oder der Presse ausgewertet. Viel-Vorhersager stellten teils Hunderte Prognosen ins Netz. Bei der Auswertung werden die Prognosen – soweit möglich – wörtlich genommen und es wird berücksichtigt, wie wahrscheinlich ein Eintreffen ist. "Eine echte Vorhersage sollte klar formuliert sein, sollte also enthalten, was wann und wo passieren soll." Dies sei eher selten.

Ein Astrologe landet einen Börsen-Treffer

"Dass Trump das Ergebnis der Wahl in vielen Bundesstaaten vor Gericht anfechten würde, hat meines Wissens niemand prophezeit", sagt Kunkel. Dagegen blieb der Weltuntergang nach einem Wahlsieg Trumps ebenso aus wie der Sieg selber. Und entgegen anderer Vorhersagen trat Joe Biden tatsächlich an. Astrologe Ludwig kündigte im Vorfeld der November-Wahl eine Schlammschlacht an. Im September prognostizierte der Astrologe, dass das demokratische Team gewinnen werde. Anschließend werde es "unglaublich schmutzig" und es werde nicht schnell zu einem Ende kommen, sagt er in einem Beitrag bei "Youtube". "Am Ende ist Trump dann doch eben selber auch am Ende."

Kunkel hat auch ein lobendes Wort über Ludwig. Bei allen Falschvorhersagen anderer hat dieser für 2020 einen Treffer. Ludwig sah ein Abrutschen des DAX unter die Marke von 8.500 Punkten voraus. Kunkel: "Auch wenn es nur an wenigen Tagen war und es in der astrologischen Analyse um langfristige Tendenzen ging – der DAX war unter 8.500 Punkten und die Prognose damit richtig." In der Corona-Pandemie fiel der Aktienindex im März auf 8.441,71 Punkte. Mittlerweile hat sich der DAX erholt und könnte 2021 sogar sein Allzeithoch knacken.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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