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"Man kann nur weinen"

dpa, t-online, Alexander Sturm

Aktualisiert am 19.04.2019Lesedauer: 4 Min.
Rettungskr├Ąfte bergen Verletzte nach einem schweren Busungl├╝ck auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira. Mindestens 29 Menschen ├╝berlebten die Trag├Âdie nicht.
Rettungskr├Ąfte bergen Verletzte nach einem schweren Busungl├╝ck auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira. Mindestens 29 Menschen ├╝berlebten die Trag├Âdie nicht. (Quelle: dpa-bilder)
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Ostern steht auf Madeira in diesem Jahr im Zeichen der Trauer. Fast drei Dutzend Touristen, vermutlich fast alle Deutsche, sterben bei einem schrecklichen Busunfall. Viele Fragen sind noch offen.

Der Ungl├╝cksbus von Madeira ist keine 24 Stunden nach dem t├Âdlichen Unfall schon abtransportiert. Zur├╝ck bleiben an dem steilen Abhang im ├ľrtchen Cani├žo die Spuren der schrecklichen Trag├Âdie, die 29 Urlauber das Leben gekostet hat.

Der wei├če Reisebus hatte sich am Mittwochabend an einem Abhang ├╝berschlagen und war in ein Geb├Ąude am Ende der B├Âschung gekracht. Teile des roten Ziegeldaches sind eingest├╝rzt, ebenso wie ein gro├čes St├╝ck Au├čenwand. Innen ist ein gelber Sessel auszumachen, ein kleiner Tisch mit einem Computerbildschirm. Der Bewohner war zum Unfallzeitpunkt bei Verwandten ÔÇô ein Gl├╝cksfall f├╝r den Mann, den einzigen Betroffenen, der das Ungl├╝ck unversehrt ├╝berlebt hat.

Offene Fragen

"Man kann nichts tun, man kann nur weinen", sagt eine Augenzeugin, die von der Stra├če aus tief bewegt auf den Ungl├╝cksort blickt. Viele, die danebenstehen, haben ebenfalls Tr├Ąnen in den Augen. Helfer kehren derweil Scherben der Busfenster zusammen, richten ein mitgerissenes Stromkabel wieder auf. Ein eingeknicktes Verkehrsschild "40 km/h" liegt im Gras. Oben, neben der Fahrbahn, hat jemand eine Kerze und einen kleinen Blumenstrau├č aufgestellt.

Deutsche Touristen kommen nach der Trauerfeier aus einer Kirche in Funchal.
Deutsche Touristen kommen nach der Trauerfeier aus einer Kirche in Funchal. (Quelle: Reuters-bilder)
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Arbeiter holen schwere Betonbl├Âcke von einem Lastwagen und stellen sie in der langen Linkskurve auf, die dem Bus zum Verh├Ąngnis wurde. H├Ątte sich der Unfall verhindern lassen, wenn die Bl├Âcke dort schon am Mittwoch gestanden h├Ątten? Viele Fragen sind offen.

Madeira ist f├╝r viele Reisefans, gerade auch aus Deutschland, ein Sehnsuchtsziel. Kurz vor Ostern gr├╝nt und bl├╝ht schon an allen Ecken auf der Vulkaninsel im Atlantik ÔÇô nicht umsonst begeistern sich vor allem Botanikfreunde f├╝r das farbenpr├Ąchtige Kleinod. Wegen des subtropischen Klimas herrschen das ganze Jahr ├╝ber angenehme Temperaturen, die k├Ąltegeplagte Deutsche in Richtung des milden Wanderparadieses ziehen lassen. Schon Kaiserin Elisabeth von ├ľsterreich, besser bekannt als Sissi, wusste die klimatischen Vorz├╝ge zu sch├Ątzen und weilte hier 1860 zur Lungen-Kur.

Die meisten Insassen nicht angeschnallt

Zwei Tage vor Karfreitag aber gibt es auf Madeira Regenschauer, viel Wind und Temperaturen unter 20 Grad. An diesem typischen Apriltag schl├Ągt f├╝r knapp 60 Urlauber das Schicksal zu. Was ein fr├Âhlicher Ausflug in die Hauptstadt Funchal samt typisch madeirischem Dinner werden sollte, endet schon nach wenigen Minuten in einer Katastrophe. Vom schmucken Hotel "Quinta Splendida" bricht die Gruppe ÔÇô vermutlich fast alles Deutsche ÔÇô gegen 18.30 Uhr in das wenige Kilometer entfernte Lokal auf. Aber in einer abfallenden Linkskurve kommt der voll besetzte Bus pl├Âtzlich von der Stra├če ab und durchbricht ein Gel├Ąnder. 29 Menschen sterben, fast genausoviele werden verletzt.

Ein deutsches Ehepaar sagt im portugiesischen Fernsehen, es habe wohl nur deshalb leicht verletzt überlebt, weil es die Sicherheitsgurte angelegt hatte. Die meisten Insassen seien aus dem Bus herausgeschleudert worden, nur fünf von ihnen seien beim Eintreffen der Retter in dem Wrack gewesen, zitierte die Zeitung "Observador" den Koordinator der Ärzteteams, António Coelho.

Augenzeugen geschockt

Der Fahrer hatte zuvor nach Angaben von Augenzeugen mit allen Mitteln versucht, den Unfall zu verhindern und den Reisebus zum Stehen zu bringen, was ihm aber nicht gelungen sei. Davon zeugen schwarze Streifspuren an einer Betonwand weiter oben an der Stra├če, in die der Fahrer den Bus wohl zun├Ąchst gelenkt hatte.

Augenzeugen stehen minutenlang wie bet├Ąubt ├╝ber der B├Âschung. Es sei eine "ohrenbet├Ąubende Stille" eingetreten, "ein Schrei aus Stille, wie in einem Schockzustand", berichtete Rita Castro, die das Geschehen nach eigenen Angaben aus der N├Ąhe beobachtet hatte, im portugiesischen Fernsehen.

51 Fahrg├Ąste des Busses hatten ihren Osterurlaub auf der "Blumeninsel" beim Reiseveranstalter trendtours gebucht. Es habe sich nicht um eine feste Gruppe gehandelt, sondern um Urlauber aus ganz Deutschland, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels "Quinta Splendida". Einige Angeh├Ârige der Opfer waren am Freitag nach trendtours-Angaben auf dem Weg nach Madeira. Leichtverletzte h├Ątten die M├Âglichkeit, sofort die Heimreise anzutreten.

"Solidarit├Ąt kommt aus dem Herzen"

├ťberlebende und ihre Angeh├Ârigen nahmen am Karfreitag in Funchal an einem Gedenkgottesdienst hinter geschlossenen T├╝ren teil. Einige der G├Ąste h├Ątten deutliche Verletzungen am K├Ârper und im Gesicht gehabt, so berichtet es die Zeitung "Correio da Manh├ú". Eingeladen in die Kirche Igreja Presbiteriana hatte die Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf der Atlantikinsel, Ilse Everlien Berardo: "Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarit├Ąt kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen", sagt sie. "Wir sind dankbar f├╝r alle tr├Âstlichen Worte."


Madeira steht zu Ostern unter Schock ÔÇô auch wenn der Bus nicht mehr zu sehen ist und das klaffende Loch in dem besch├Ądigten Haus mit einer Plane abgedeckt wurde. Was ist geschehen? Versagten die Bremsen des relativ neuen Fahrzeugs? Und warum war die Stra├če nicht besser gesichert? Die Aufarbeitung des entsetzlichen Unfalls wird dauern ÔÇô vor allem f├╝r die, die ihn erlebt haben.

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