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Besuch bei Papst Benedikt XVI.: So wirkt Joseph Ratzinger (92) heute

Schwach, aber hellwach  

Ein Nachmittag mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI.

06.01.2020, 16:02 Uhr
Besuch bei Papst Benedikt XVI.: So wirkt Joseph Ratzinger (92) heute. Benedikt XVI. im Gespräch mit dem Gast: BR-Journalist Tassilo Forchheimer durfte einen Nachmittag mit dem zurückgeretenen Papst verbringen, der nur selten Besuch empfängt. (Quelle: BR/Bennmann)

Benedikt XVI. im Gespräch mit dem Gast: BR-Journalist Tassilo Forchheimer durfte einen Nachmittag mit dem zurückgeretenen Papst verbringen, der nur selten Besuch empfängt. (Quelle: BR/Bennmann)

Papst Benedikt XVI. ist mit 92 Jahren körperlich schwach und empfängt kaum noch Besuch. Ein Journalist aus Bayern durfte Stunden mit ihm verbringen: ein Nachmittag bei Joseph Ratzinger.

Fast sieben Jahre nach seinem Rücktritt als Papst gibt es neue Bilder von Benedikt XVI., Joseph Ratzinger. Das emeritierte Kirchenoberhaupt aus Bayern, hat seinen Heimatsender empfangen. BR-Journalist Tassilo Forchheimer hat einen Papst erlebt, der körperlich sehr geschwächt ist, aber geistig noch hellwach ist. t-online.de hat ihn gefragt, wie er den Papst erlebt hat.

Was zu sehen ist: Beim Besuch wurde Forchheimer durch Teile des Klosters Mater Ecclesiae geführt, war mit dem 92-jährigen Papst im Empfangszimmer, auf der Dachterrasse, im Büro des Papstes, in seiner Kapelle und in den Vatikanischen Gärten. Davon sind Szenen zu sehen: der Papst auf einer Bank im Freien, der Papst an seinem Schreibtisch, der Papst im Rollstuhl in der Kapelle. Der Papst, mühsam mit dem Rollator gehend, ist respektvoll aus einiger Entfernung gefilmt, seine Würde wird nicht verletzt. Der Papst spricht in dem Beitrag auch, aber er spricht wenig.

Wie es zum Treffen kam: Forchheimer war Leiter des ARD-Studios Rom, fragte vielfach nach, warb um Vertrauen. Schließlich wurde die Bitte gewährt: Ein Treffen für einen Beitrag, der das Leben des Papstes Revue passieren und ihn noch einmal zu Wort kommen lässt. Im Bayerischen Rundfunk lief der Beitrag "Ein Besuch bei Papst Benedikt XVI. em. – Klein Bayern im Vatikan" am Montag um 11.15 Uhr, dem bayerischen Feiertag Dreikönige nach der Übertragung eines Gottesdienstes. Forchheimer kommt von Ratzingers Haussender aus der bayerischen Heimat, dem der Papst zeitlebens verbunden war. 

Besuch bei dem zurückgetretenen Papst: Tassilo Forchheimer im Gespräch mit Benedikt XVI., daneben Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein.  (Quelle: BR/Zannelli)Besuch bei dem zurückgetretenen Papst: Tassilo Forchheimer im Gespräch mit Benedikt XVI., daneben Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein. (Quelle: BR/Zannelli)

Wie das Treffen ablief: Im Dezember wurden noch einige Bilder auf dem Gelände gedreht, aber Besuch und Gespräche fanden bereits im September statt. "Wir waren zu den Gesprächen de facto einen Nachmittag bei Benedetto", so Forchheimer zu t-online.de. "Ich war selbst verwundert, wie lang er das alles mitmacht." Der emeritierte Papst kann nur noch sehr mühsam gehen, die Knie bereiten ihm große Probleme. Und auch die Unterhaltungen mit ihm waren für das Fernsehformat schwierig. Er trägt ein Hörgerät und versteht sein Gegenüber, aber die Stimme ist sehr schwach und brüchig. In dem Kloster traf Forchheimer auch auf Schwestern, die den Papst versorgen, sie wollten aber nicht vor die Kamera. Zu sehen sind viele Archivaufnahmen des Papstes und Gespräche mit Weggefährten, unter anderem Joseph Ratzingers Bruder Georg. 

Wie der Papst wirkt: Das Alter ist ihm anzusehen, er selbst sagte: "Ich bin ein Pilger auf der letzten Etappe meiner Reise." Aber er wirke hellwach, schnell im Kopf – und er verfolgt offenbar auch, wie es seinem Nachfolger ergeht und hat sich Humor bewahrt. "Ich hatte eher beiläufig erwähnt, dass der Aufzug in seinem Ruhesitz offenkundig in einem besseren Zustand ist, als der im Apostolischen Palast", erzählt Forchheimer. Benedikt musste lächeln: "Er hat den Witz sofort verstanden." Kurz zuvor war Papst Franziskus mit Verspätung zum Angelus-Gebet erschienen, nachdem ihn die vatikanische Feuerwehr aus einem stecken gebliebenen Fahrstuhl befreit hatte.

In einer Szene an seinem Schreibtisch, den der Papst seit 65 Jahren nutzt, zeigt Ratzinger vergleichsweise energisch an eine Stelle. Mit Pausen zwischen Worten erklärt er dazu: "In München musste wegen des Terrorismus, der damals war, eine Sicherheitsleitung gemacht werden. Sie ist unten drin." Die Aufnahmen in den Vatikanischen Gärten sind nicht gestellt, wenn es das Wetter zulässt, gehöre ein Spaziergang dort zu seinem Tagesablauf.

Der Papst im Gespräch mit seinem Privatsekretär Georg: Er zeigt ihm, wo an seinem 65 Jahre alten Schreibtisch eine sichere Leitung installiert wurde.  (Quelle: BR/Bennmann)Der Papst im Gespräch mit seinem Privatsekretär Georg: Er zeigt ihm, wo an seinem 65 Jahre alten Schreibtisch eine sichere Leitung installiert wurde. (Quelle: BR/Bennmann)

Was der Papst isst: Am liebsten isst er immer noch bayerische Süßspeisen, erfährt man im Beitrag. Aber auch Schweinebraten mit Nudeln stehen noch auf der Speisekarte – allerdings nicht zusammen. "Das wäre zu viel", erklärte Privatsekretär Gänswein. "Am einen Tag das eine, am anderen das andere." Gekocht wird von italienischen Schwestern – auch italienische Küche. 

Was ihn noch mit Bayern verbindet: In dem Kloster sah Forchheimer viele Dinge, die an Bayern erinnern. Fotos etwa vom Geburtstagshaus, weitere Bilder. Ein Lebkuchenherz hängt dort, in Zuckerguss steht darauf "Dahoam is dahoam". Die Schwestern haben es an einem prominenten Platz aufgehängt, es ist ein Mitbringsel und eine Erinnerung an die Wiesn. Der Papst empfängt inzwischen in dem Kloster aber keine Besuchergruppen aus Bayern mehr.

Im Gebet in der Privatkapelle des Papstes im Kloster Mater Ecclesia. Dort steht eine Nachbildung der Patrona Bavariae, der Marienstatue vom Münchner Marienplatz, ein Geschenk des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. (Quelle: BR/Bennmann)Im Gebet in der Privatkapelle des Papstes im Kloster Mater Ecclesia. Dort steht eine Nachbildung der Patrona Bavariae, der Marienstatue vom Münchner Marienplatz, ein Geschenk des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. (Quelle: BR/Bennmann)

In der Privatkapelle steht eine Nachbildung der Marienstatue vom Münchner Marienplatz, als "Patrona Bavariae" Schutzheilige Bayerns. Die war ein Geschenk des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Und er denkt offenbar häufig an seine alte Heimat. "Ich bin im Herzen mit Bayern verbunden", sagt er zum Ende des knapp 29-minütigen Beitrags.

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