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Justizopfer Harry Wörz erhält 450.000 Euro vom Land

Jahrelanger Rechtsstreit  

Justizopfer Wörz erhält 450.000 Euro vom Land

09.01.2017, 18:18 Uhr | dpa, t-online.de

Justizopfer Harry Wörz erhält 450.000 Euro vom Land. Harry Wörz bekommt vom Land Baden-Württemberg Entschädigung. (Quelle: dpa)

Harry Wörz bekommt vom Land Baden-Württemberg Entschädigung. (Quelle: dpa)

Das bekannte Justizopfer Harry Wörz erhält 450.000 Euro Entschädigung vom Land Baden-Württemberg. Darauf haben sich die beiden Parteien nach jahrelangem Rechtsstreit geeinigt, wie das Landgericht Karlsruhe mitteilte.

Beide Seiten hätten nach einer mündlichen Verhandlung im Juni 2015 außergerichtlich weiter verhandelt und sich geeinigt. Das Landgericht habe den Vergleich mit Beschluss vom 22. Dezember 2016 festgestellt.

Damit seien sämtliche Ansprüche abgegolten. Der gelernte Installateur und Bauzeichner werde mit der Summe im Wesentlichen für vergangenen und künftigen Verdienstausfall entschädigt.

Verurteilung bereits 1998

Der heute 50-Jährige aus Birkenfeld bei Pforzheim war 1998 vom Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er saß viereinhalb Jahre hinter Gittern, heute gilt er als unschuldig.

Jahrelang stritt er vor verschiedenen Gerichten, bis er im Dezember 2010 vom Bundesgerichtshof endgültig rehabilitiert wurde.

Frau mit Schal erwürgt

Jemand hatte in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1997 seine von ihm getrennt lebende Frau mit einem Schal gewürgt, bis sie bewusstlos war. Sie ist seitdem ein schwerer Pflegefall und kann sich nicht mehr äußern. Der Täter ist bis heute nicht ermittelt.

Wörz' Frau, eine junge Polizistin, hatte damals ein Verhältnis mit einem verheirateten Polizeibeamten. Gegen diesen Polizisten wurde aber nur kurz ermittelt, weil seine Ehefrau ihm ein Alibi gab. Auch der Vater von Wörz' Frau war Polizist. Trotzdem wurden die Ermittlungen damals nicht von einer unbeteiligten Polizeieinheit geführt.

Bislang hatte der Staat Wörz zirka 180.000 Euro brutto zugebilligt. Für seinen Verdienstausfall sowie als Ausgleich der Kosten für Anwälte und Möbel aus seiner wegen der Haft aufgelösten Wohnung hatte Wörz mindestens weitere 110.000 Euro gefordert - und eine Berufsunfähigkeitsrente über das Jahr 2016 hinaus.

Während des Entschädigungsverfahrens im vergangenen Jahr hatte Wörz gesagt, "die haben mein Leben kaputt gemacht". Sein Vorwurf richtete sich gegen Polizei und Justiz. Der damalige Justizminister von Baden-Württemberg, Rainer Stickelberger (SPD), äußerte Verständnis. Er bedauere "zutiefst die großen Belastungen, denen Herr Wörz ausgesetzt war und bis heute ist", sagte ein Sprecher damals.

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