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Buschbrände in Australien: Sydney von Feuern eingekesselt

Gigantische Brände in Australien  

Kampf gegen das Inferno: Sydney von Feuern eingekesselt

22.12.2019, 15:14 Uhr | dpa

Morrison entschuldigt sich für Urlaubstrip nach Hawaii

Während in seinem Land die heftigsten Brände seit Jahren loderten, entschied sich Australiens Premierminister, mit seiner Familie nach Hawaii zu fliegen. Nun hat er seinen Urlaub abgebrochen und sich entschuldigt. (Quelle: Reuters)

"Ich empfinde Demut": Australiens Premierminister Morrison hat sich dafür entschuldigt, während der verheerendsten Buschbrände seit Jahren in den Urlaub nach Hawaii gefahren zu sein. (Quelle: Reuters)


Heftige Brände haben Australien im Griff: Eine Ortschaft nahe Sydney ist fast vollständig abgebrannt. Dazu wächst die Angst, dass sich zwei Flächenbrände zu einem verheerenden Flammenmeer vereinen.  

Inmitten einer Hitzewelle setzen die Buschfeuer in Australien ihr Zerstörungswerk fort. Besonders hart getroffen hat es den Bundesstaat New South Wales im Südosten des Landes. Die Küstenmetropole Sydney wird gleich von zwei großen Flächenbränden im Nordwesten und Südwesten der Stadt bedroht.

Die Flammen zerstörten den kleinen Ort Balmoral mit seinen rund 150 Häusern südwestlich von Sydney fast vollständig. Dort lebten etwa 400 Menschen. "Wir haben die tragische Nachricht, dass von dem Dorf Balmoral nicht viel übrig ist", sagte die Premierministerin von New South Wales, Gladys Berejiklian, am Sonntag. "Das ist sehr traurig zu hören."

Wie sich der australische Premierminister Scott Morrison öffentlich entschuldigt hat, sehen Sie oben im Video

Bei dem Versuch, das nahe gelegene Buxton zu retten, waren erst am Donnerstag zwei junge Väter ums Leben gekommen. Die beiden Dörfer wurden vom Green-Wattle-Creek-Feuer bedroht. Der andere große Brandherd ist das sogenannte Megafeuer bei Gospers Mountain im Nordwesten Sydneys, das seit Oktober mehr als 450.000 Hektar Land niedergebrannt hat. Die Anwohner fürchten, dass die beiden Flächenbrände nahe der Metropole zu einem großen Flammenmeer werden.

"Aus den Brandgebieten wurden uns weitreichende Schäden und Zerstörungen gemeldet", sagte Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons in Sydney am Sonntag zu Reportern. "Das Ausmaß der Brände auf dem Land ist noch immer ernorm."

Australien brennt seit fast drei Monaten 

Seit Oktober haben Hunderte Buschbrände in Australien nach Angaben der Behörden bereits mehrere Millionen Hektar Land vernichtet. Mehr als 1.000 Häuser wurden zerstört. Acht Menschen sind bisher umgekommen. Australien leidet seit etwa zwei bis drei Jahren unter starker Dürre, die ausgetrocknete Vegetation entzündet sich also besonders leicht.

Ein Feuerwehrauto im Einsatz südwestlich von Sydney: Aufgrund der verheerenden Buschbrände ist in Australiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat New South Wales erneut der Notstand ausgerufen worden. (Quelle: dpa)Ein Feuerwehrauto im Einsatz südwestlich von Sydney: Aufgrund der verheerenden Buschbrände ist in Australiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat New South Wales erneut der Notstand ausgerufen worden. (Quelle: dpa)

Das trockene Wetter bereite auch den Feuerwehrleuten große Probleme, sagte Fitzsimmons. "Wir erwarten bis Ende Januar oder Anfang Februar keine größeren Regenfälle, die die Bedingungen in den Brandgebieten erleichtern könnten", erklärte der Feuerwehrchef.

In der vergangenen Woche hatte Australien nach Angaben des Wetteramts seine heißesten Tage seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt, am Mittwoch lag die landesweite Durchschnittstemperatur bei 41,9 Grad, am Donnerstag bei 41 Grad. Mehrere Tausend Feuerwehrleute kämpfen weiterhin gegen Dutzende Buschfeuer, die in mittlerweile vier australischen Bundesstaaten außer Kontrolle geraten sind. Rund 10.000 Polizisten, Rettungskräfte, Sanitäter und Feuerwehrleute waren am Samstag allein im bevölkerungsreichsten Bundesstaat New South Wales im Einsatz.

Freiwillige greifen der Feuerwehr unter die Arme 

Zu den Helfern gehört auch Feuerwehrfrau Brigitte Lewis. Wie 95 Prozent der mehr als 200.000 Feuerwehrleute in ganz Australien ist auch die 50 Jahre alte OP-Schwester eine Freiwillige. Bis vor Kurzem war ihr eigenes Haus in Colo Heights nordwestlich von Sydney noch von den Flammen bedroht. "Die Situation ist besser geworden. Die Gefahr ist vorbei", sagt sie mit Blick auf Colo Heights, wo mehrere Häuser und Autos niederbrannten. Nun helfe sie mit ihrer Tochter in anderen Gegenden aus. "Gestern war es schlimm. Meine Tochter hat um 7 Uhr morgens das Haus verlassen und kam erst um Mitternacht wieder nach Hause, nachdem sie in dem Dorf Mount Wilson gelöscht hat", sagte Lewis der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag am Telefon.

Feuerwehrleute in Adelaide: Hunderte Feuer haben Australien seit Wochen im Griff. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz.  (Quelle: dpa)Feuerwehrleute in Adelaide: Hunderte Feuer haben Australien seit Wochen im Griff. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. (Quelle: dpa)

Die Weihnachtspläne der Feuerwehrfrau haben sich wegen der Brände geändert. "Es wird ganz anders sein. Die Buschfeuer haben uns alle betroffen. Sie werden der Hauptgesprächspunkt sein." Ob ihre Familie Weihnachten zu Besuch kommen könne, sei noch nicht klar. "Die Straßen sind zu, und sie müssen auch ihre eigenen Häuser schützen", sagte Lewis. Von Premierminister Scott Morrison erwartet sie mehr Einsicht. "Ich denke, der Premier muss eingestehen, dass der Klimawandel echt ist und nicht weiter Gott um Wunder anflehen. Er muss proaktiver sein."

Morrison entschuldigte sich unterdessen dafür, während der verheerenden Buschfeuer und der gleichzeitigen Rekordtemperaturen in seinem Land einen Familienurlaub auf Hawaii gemacht zu haben. Er wisse, dass sein Urlaub große Aufregung ausgelöst habe, sagte er am Sonntag auf einer Pressekonferenz nach seiner vorzeitigen Rückkehr. Im Nachhinein hätte er anders gehandelt. "Ich entschuldige mich bei den Australiern, die ich verärgert habe." Morrison war am Samstagabend zurückgekommen, nachdem die Kritik an seinem unangekündigten Urlaub immer lauter geworden war.

Auch beim Thema Klimawandel lenkte der Skeptiker überraschend ein. "Über die Verbindung zwischen dem globalen Klimawandel und den Wetterereignissen weltweit lässt sich nicht streiten", sagte der Premierminister. Er fügte allerdings hinzu: "Aber sicherlich werden die Menschen ebenfalls anerkennen, dass es nicht glaubwürdig ist, zu einem konkreten einzelnen Feuer eine direkte Verbindung herzustellen."

Mit welchen Worten sich der australische Premierminister Scott Morrison öffentlich entschuldigt hat und unter welchen widrigen Bedingungen die Einsatzkräfte derzeit gegen die Buschbrände kämpfen, sehen Sie oben im Video.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa 

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