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Riesige Waldbrände in Russland – aber wer soll sie löschen?

Von t-online, mk

04.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Standbild aus einem Video, das einen Brand nahe der Stadt Omsk zeigen soll: Gelöscht werden auch in Friedenszeiten nur Brände, die Siedlungen bedrohen.
Standbild aus einem Video, das einen Brand nahe der Stadt Omsk zeigen soll: Gelöscht werden auch in Friedenszeiten nur Brände, die Siedlungen bedrohen. (Quelle: Screenshot/Twitter@omsk_ogo)
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Schon in den vergangenen Jahren sind die Feuerwehren in Sibirien kaum gegen die Waldbrände angekommen. Jetzt lodern die Flammen erneut und Hilfe von der russischen Armee ist fraglich.

In den Weiten Sibiriens brennen Wälder und Steppen ungewöhnlich heftig für diese Jahreszeit. Laut Greenpeace Russland steht im Moment doppelt so viel Fläche in Flammen wie voriges Jahr Ende April. Die Klimakrise hat die Brände in den vergangenen Jahren massiv angeheizt – jetzt könnte der Angriffskrieg gegen die Ukraine das Problem verschärfen.

Denn in Friedenszeiten schickt die russische Armee nicht nur Soldaten zur Unterstützung der Brandbekämpfer, sondern auch schweres Gerät wie Hubschrauber und Flugzeuge. "Die Brände in Sibirien lassen sich oft nur mit Militärflugzeugen genau lokalisieren und bekämpfen", sagt die US-Klimaforscherin Jessica McCarty der Nachrichtenseite "Axios". "Es ist fraglich, ob diese Kräfte im Sommer zur Verfügung stehen, wenn der Krieg weitergeht. Wenn Russland keine Soldaten und Flugzeuge von der Front nach Sibirien schickt, wird es auch mehr Brände geben."

Brände in Sibirien stoßen riesige Mengen CO2 aus

Nach Angaben von Greenpeace Russland lodern die Flammen schon jetzt auf einer Fläche von 2,2 Millionen Hektar – das entspricht mehr als drei Millionen Fußballfeldern, das Saarland fände mehr als 8,5-mal Platz auf der Fläche. Im April 2021 brannten demnach etwa 915.000 Hektar in Sibirien. Und dabei würden nicht einmal alle Brände in die Statistik einfließen, so Greenpeace Russland. Schwerpunkt der Brände ist zurzeit das südliche Zentralsibirien zwischen den Städten Omsk, Nowosibirsk und Tomsk. In 14 betroffenen Regionen dürfen Bewohner die Wälder nicht mehr betreten.

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Selbst in Friedenszeiten werden Landschaftsbrände in Russland nur gelöscht, wenn sie menschliche Siedlungen bedrohen. Brände in abgelegenen Gegenden werden sich selbst überlassen. Die unkontrollierten Feuer sind in den vergangenen Jahren zu einem der größten Treiber der Erderhitzung geworden. Nach Berechnungen des Copernicus-Programms der EU haben die Waldbrände in Sibirien allein im besonders heftigen Jahr 2020 etwa 395 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen – das entspricht mehr als 1,1 Prozent der gesamten Emissionen in dem Jahr.

Videos auf Twitter zeigen riesige Waldbrände

In der Stadt Krasnoyarsk warnen die Behörden jetzt vor Gesundheitsschäden durch die schlechte Luft. Auch die 600 Kilometer vom nächsten Brandherd entfernte Stadt Tjumen wurde Ende April von dichtem Rauch eingehüllt. Und der meteorologische Dienst von Tucson im US-Staat Arizona hat festgestellt, dass der Rauch der Brände in Sibirien inzwischen selbst das Wetter über Nordamerika beeinflusst. Problematisch sind die Waldbrände in Sibirien auch, weil sie dort den Permafrostboden auftauen und so große Menge Methan freisetzen. Der Treibhauseffekt durch Methan ist deutlich stärker als der durch Kohlenstoffdioxid.

In den sozialen Medien verbreitete Videos vermitteln einen Eindruck von der Lage in den Brandgebieten. Diese Bilder sollen Ende April nahe der Stadt Kurgan entstanden sein:

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Dieses Video soll am 19. April in der Region Omsk entstanden sein:

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Auf einer Straße bei Kemerowo soll der dichte Rauch Ende April einen Massencrash ausgelöst haben, wie aus diesem Post hervorgeht. Eine Person soll bei dem Unfall getötet worden sein:

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In der Stadt Krasnoyarsk sollen die Flammen inzwischen sogar Bahnlinien bedrohen, schreibt die Zeitung "Siberian Times" in diesem Post:

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Nun mobilisiert sich offenbar die russische Zivilgesellschaft und fordert eine stärkere Bekämpfung der Brände. Auf Twitter haben Nutzer das Schlagwort "Wir lassen unsere Leute nicht im Stich" gekapert, mit dem ursprünglich der Kreml für den Krieg gegen die Ukraine mobilisieren wollte. Der für das Copernicus-Programm arbeitende Klimaforscher Mark Perrington rechnet dennoch mit einer schlimmen Brandsaison 2022: "Im Sommer wird es auch im östlichen Sibirien und nördlich des Polarkreises wieder Brände geben", schreibt Perrington auf Twitter. "Das trockenere und wärmere Wetter im Zuge der Klimaveränderungen erhöht das Risiko, abhängig von lokalen Wetterbedingungen."

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  • Lars Wienand
Von Lars Wienand
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