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Patientenmörder Niels H. soll 84 weitere Menschen getötet haben

Eine der größten Mordserien  

Niels H. soll 84 weitere Menschen getötet haben

28.08.2017, 12:52 Uhr | dpa , AFP

Patientenmörder Niels H. soll 84 weitere Menschen getötet haben. Der ehemalige Krankenpfleger Niels H., hier auf einem Archivbild im Landgericht Oldenburg (Quelle: dpa/Carmen Jaspersen)

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H., hier auf einem Archivbild im Landgericht Oldenburg (Quelle: Carmen Jaspersen/dpa)

Ex-Krankenpfleger Niels H. sitzt seit 2015 in Haft, weil ihm sechs Mordtaten an Patienten nachgewiesen wurden. Das Ausmaß der Verbrechen kam nach und nach ans Licht. Bald könnte H. (40) erneut vor Gericht stehen – für eine der größten Mordserien in Deutschland.

Rund drei Jahre haben Ermittler die Akte Niels H. untersucht, um herauszufinden, wie viele Menschen der bereits 2015 verurteilte Patientenmörder insgesamt ermordet hat. "Die Erkenntnisse, die wir dabei gewinnen konnten, erschrecken noch immer - ja, sie sprengen jegliche Vorstellungskraft", sagte der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme, am Montag bei einer Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen. Sie könnten „das grauenhafte Wirken von Niels H. deutlich aufhellen“.

"Erkenntnisse sprengen jede Vorstellungskraft"

Im Jahr 2015 musste sich H. vor Gericht für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten, verbüßt seitdem eine lebenslange Haftstrafe. Die Richter hatten ihn unter anderem wegen zweifachen Mordes verurteilt. Im Prozess hatte H. etwa 90 Taten gestanden. 

Nach neuen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft und Polizei hat der verurteilte Ex-Pfleger weitere 84 schwer kranke Klinikpatienten ermordet. Das haben Ermittler der Sonderkommission "Kardio" zum Abschluss ihrer Arbeit am Montag in Oldenburg bekanntgegeben. 

H. wollte "heldenhaften Retter" spielen

Erweisen sich die neuen Verdachtsfälle als wahr, hätte Niels H. 90 Menschen ermordet. Würde er dafür schuldig bekannt, wäre der heute 40-Jährige verantwortlich für eine der größten Mordserien in der deutschen Kriminalgeschichte, die größte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Laut Ermittlern ist H. bei seinen Taten wie folgt vorgegangen: Er hat Patienten im Krankenhaus Medikamente gespritzt, die Herzversagen oder einen Kreislaufkollaps auslösten. Dann belebte er die Schwerkranken wieder, um als heldenhafter Retter vor seinen Kollegen dazustehen. Das gelang aber nicht immer. 

Zahl der Opfer vermutlich noch höher

Auch an seiner früheren Arbeitsstelle am Klinikum Oldenburg soll H. Patienten getötet haben. Die Ermittler werteten zu Verdachtsfällen in Oldenburg und Delmenhorst Hunderte Patientenakten aus und ließen mehr als 100 Leichen ausgraben, um sie auf Rückstände von Medikamenten zu testen.

Die Zahl der Todesfälle, für die Niels H. verantwortlich ist, liege wahrscheinlich um einiges höher, weil viele Patienten eingeäschert worden sind, sagte der Oldenburger Polizeipräsident Kühme. Die Ermittlungen seien nicht beendet, die Ergebnisse der toxikologischen Analysen von 41 exhumierten verstorbenen Patienten stünden aus.

Vorgesetzte müssen vor Gericht

Weil auffällig viele Patienten während der Schichten von Niels H. starben, wurde an beiden Kliniken geredet. In Delmenhorst lagen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft konkrete Hinweise vor, dass er Patienten tötete. Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen.

Die Ermittlungen gegen Verantwortliche am Klinikum Oldenburg laufen. "Die Morde hätten verhindert werden können", sagte Kühme. Die damals Verantwortlichen hätten aus Sicht der Ermittler schneller handeln und Unterstützung suchen sollen. Kühme: "Im Klinikum Oldenburg wusste man um die Auffälligkeiten."

Chronologie der Ereignisse

1999-2002: Niels H. arbeitet im Klinikum Oldenburg.

2003-2005: Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt H. im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat, als er einem Patienten ein Mittel verabreichen will, das dieser nicht bekommen soll.

2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels H. wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

Juni 2008: Im Revisionsprozess verurteilt das Landgericht Oldenburg den Mann zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs.

Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen H., der Prozess beginnt im September.

November 2014: Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt. Sie geht inzwischen mehr als 200 Verdachtsfällen nach.

Januar 2015: Niels H. gesteht vor Gericht etwa 90 Taten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels H. wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft.

Juni 2016: Die Ermittler geben bekannt, dass Niels H. für mindestes 33 Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich ist. Niels H. habe gestanden, auch am Klinikum Oldenburg Patienten getötet zu haben.

August 2017: Niels H. hat nach neuen Angaben der Ermittler 84 weitere Menschen auf dem Gewissen - neben sechs Fällen, für die er bereits verurteilt wurde. Die Zahl der Todesfälle liege vermutlich weit höher, sagen Ermittler. Viele Patienten seien eingeäschert worden und können nicht mehr untersucht werden. Die Sonderkommission soll Ende des Monats aufgelöst werden.

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