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Todesfahrt in Toronto: Täter rief "Schieß' mir in den Kopf!"

Todesfahrt in Toronto  

Erschütternde Berichte: "Überall waren Körper"

24.04.2018, 10:46 Uhr | Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Todesfahrt in Toronto: Täter rief "Schieß' mir in den Kopf!". Der weiße Lieferwagen des Täters: Mit diesem Wagen ist ein Mann in Toronto über einen Gehweg gerast. (Quelle: dpa/Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press)

Der weiße Lieferwagen des Täters: Mit diesem Wagen ist ein Mann in Toronto über einen Gehweg gerast. (Quelle: Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press/dpa)

In der kanadischen Großstadt Toronto hat ein Mann absichtlich zahlreiche Menschen umgefahren, mindestens zehn von ihnen sind tot. Augenzeugen schildern dramatische Szenen. Der Täter handelte womöglich im Wahn.

Die von Trümmern und Blutspuren gesäumte Todesstrecke zieht sich über mehrere Kilometer, vorbei an Geschäften, Restaurants, Wohnhäusern. Mitten in einem belebten Geschäftsviertel Torontos hat der Fahrer eines Lieferwagens seinen gemieteten Transporter in eine Waffe verwandelt und zehn Menschen getötet. 15 weitere wurden bei der Zickzackfahrt über Gehwege verletzt, wie Polizeichef Mark Saunders sagte. Mehrere schweben noch in Lebensgefahr.

Der 25 Jahre alte Fahrer wurde festgenommen, weitere Verdächtige gibt es nach Polizeiangaben nicht. Zu Motiven oder einem möglichen terroristischen Hintergrund machen die Behörden keine Angaben. Alles sehe nach einer vorsätzlichen Tat aus, ermittelt werde in alle Richtungen, sagte Saunders. Die Sender NBC und CTV berichteten unter Berufung auf Strafverfolger und Sicherheitskreise, der Täter sei vermutlich geistig verwirrt.

Die zuvor geltende mittlere Terrorwarnstufe in der kanadischen Millionenmetropole, wo bis Montag die Außenminister der G7-Staaten getagt hatten, bleibe unverändert, sagte Ralph Goodale, Minister für öffentliche Sicherheit. Für eine erhöhte Terrorgefahr gebe es keine Hinweise. Kanadas Premierminister Justin Trudeau äußerte sich entsetzt über den "schrecklichen Vorfall" und dankte den Rettern vor Ort. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach den Überlebenden des "schrecklichen Verbrechens" sein Beileid aus, ebenso wie die US-Regierung.

Der weiße Lieferwagen des Täters: Mit diesem Wagen ist ein Mann in Toronto über einen Gehweg gerast. (Quelle: dpa/Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press)Der weiße Lieferwagen des Täters: Mit diesem Wagen ist ein Mann in Toronto über einen Gehweg gerast. (Quelle: Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press/dpa)

Menschen und Gegenstände flogen durch die Luft

Innerhalb von Minuten verwandelte sich die Geschäftsgegend im Bezirk North York, der etwa 30 Minuten nördlich von der Innenstadt liegt, in einen blutigen Tatort. Mit 60 bis 70 Stundenkilometern erfasste der weiße Wagen Fußgänger, als er um die Mittagszeit von der Straße auf den Bürgersteig fuhr und über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Gehweg wechselte.

Der Täter sei in Schlangenlinien gefahren, sagte Augenzeuge Amir Bahmeyeh dem "Toronto Star". Er habe beobachtet, wie das Auto fünf oder sechs Menschen erfasste. "Ich sah einen alten Mann durch die Luft fliegen." Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

Michele Kelman, die in der Gegend bei einer IT-Firma arbeitet, wurde auf dem Rückweg vom Mittagessen fast von dem Auto erfasst. Sie und ihre Freundin hätten hinter sich Schreie gehört und durch die Luft wirbelnde Gegenstände gesehen, sagte sie der "Globe and Mail". Der Wagen sei auf sie zugerast und habe dann ihre Freundin tödlich getroffen. "Überall waren Körper", sagte Kelman.

Der Tatort in Toronto: In dieser Straße lenkte ein Mann seinen Lieferwagen auf einen Gehweg und fuhr zahlreiche Menschen um. (Quelle: AP/dpa/Nathan Denette/The Canadian Press)Der Tatort in Toronto: In dieser Straße lenkte ein Mann seinen Lieferwagen auf einen Gehweg und fuhr zahlreiche Menschen um. (Quelle: Nathan Denette/The Canadian Press/AP/dpa)

Täter rief "Schieß' mir in den Kopf!"

Laut Polizeichef Saunders handelt es sich bei dem nicht vorbestraften Fahrer um einen 25-Jährigen namens Alek Minassian. Sein Wagen kam mit völlig demolierter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen, ehe die Polizei ihn umstellte. Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei "Töte mich!" sowie "Schieß' mir in den Kopf!" ruft. Schüsse fielen vor seiner Festnahme aber nicht. Laut Polizeichef Saunders hatte der Mann auch gar keine Schusswaffe bei sich.

"Er hat die Leben so vieler Menschen zerstört", sagte Augenzeuge Alex Shaker dem Sender CTV. "Alles, was ihm in den Weg kam." Auch jemand mit einem Kinderwagen sei vom Auto erfasst worden. Kurz nach dem Schock versuchten Augenzeugen, verletzten Opfern zu helfen. Auf dem Gehweg waren Blutspuren zu sehen, Fotos zeigten mit orangefarbenen Planen bedeckte, offenbar leblose Körper.

Der Schock sitzt tief: Ein Mann tröstet seine Frau, die in einem Cafe saß und Zeugin der Todesfahrt wurde. (Quelle: AP/dpa/Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press)Der Schock sitzt tief: Ein Mann tröstet seine Frau, die in einem Café saß und Zeugin der Todesfahrt wurde. (Quelle: Aaron Vincent Elkaim/The Canadian Press/AP/dpa)

Bürgermeister appelliert an die Bürger

Torontos Bürgermeister John Tory sprach den Bürgern Mut zu. "Die Stadt ist momentan in sicheren Händen", sagte Tory. Er bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. "Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten." Die Polizei sperrte die Gegend ab, auch der U-Bahn-Verkehr wurde unterbrochen.

In Kanada war es schon mehrmals zu Attacken mit Fahrzeugen gekommen. In Edmonton im Westen des Landes griff ein Angreifer im September einen Polizisten mit einem Messer an und rammte dann vier Menschen mit einem gemieteten Lieferwagen. 2014 fuhr ein Mann in Québec zwei Soldaten an, einer von ihnen kam ums Leben.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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