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Trickbetrug: Falsche Polizisten erbeuten mehrere Millionen – allein in Bayern

In nur einem Jahr  

So ergaunern falsche Polizisten Millionen

17.12.2018, 18:08 Uhr | dpa, sth, t-online.de

Trickbetrug: Falsche Polizisten erbeuten mehrere Millionen – allein in Bayern. Polizist mit Funkgerät: Wer von der Polizei angerufen wird, sollte misstrauisch sein. (Symbolfoto) (Quelle: imago/Karina Hessland)

Polizist mit Funkgerät: Wer von der Polizei angerufen wird, sollte misstrauisch sein. (Symbolfoto) (Quelle: Karina Hessland/imago)

Etliche Menschen fallen auf falsche Polizisten herein. In einem Jahr konnten Betrüger offenbar mehrere Millionen erbeuten – allein in Bayern. Darum klärt das Bayerische Landeskriminalamt über die fiese Masche auf.

Das Telefon klingelt, im Display wird die 110 angezeigt. Ein perfekt Deutsch sprechender Mann stellt sich freundlich als Polizist vor, warnt eindringlich vor Einbrechern in der Nachbarschaft und empfiehlt, Geld und Wertsachen vorsichtshalber einem demnächst vorbeischauenden Beamten zu übergeben. Im Hintergrund sind Funksprüche wie in einer Notrufzentrale zu hören. Achtung, das ist wohl eine Masche!

Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) beobachtete eine enorme Zunahme bei solchen Betrügereien. Demnach konnten falsche Polizisten allein im vergangenen Jahr mehrere Millionen Euro erbeuten. Die meisten Opfer werden ihr Geld wahrscheinlich nie wiedersehen. 

2017 wurden im Freistaat etwa 1000 solcher Fälle bekannt, in 75 davon waren die Betrüger erfolgreich. Sie erbeuteten nach LKA-Angaben rund sieben Millionen Euro. Für das laufende Jahr liegen noch keine Zahlen vor.

Für die Beamten gehört die Masche zum sogenannten Callcenter-Betrug. Darunter fallen auch falsche Rechtsanwälte, Notare und Richtern sowie Gewinnversprechen. "Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Zahl der Vorgänge seit dem Jahr 2017 sehr stark ansteigend ist und 2018 im Vergleich zum Vorjahr nochmals ein Anstieg zu verzeichnen ist", sagte eine LKA-Sprecherin in Würzburg.

Bei diesen Anrufen sollten Sie skeptisch werden

"Das ist eine von A bis Z durchorganisierte Betrugsmasche, die damit beginnt, dass von Callcentern unter anderem aus der Türkei und Osteuropa angerufen wird", sagte Polizeihauptkommissar Michael Zimmer dazu. Die Anrufe mit entsprechender Geräuschkulisse hätten gewissermaßen eine Dramaturgie, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken.

"Das sind perfekt Deutsch sprechende Mitarbeiter, die wirklich psychologisch wissen, wie sie die Menschen gezielt beeinflussen und in Angst und Schrecken versetzen können." Die Täter spielten bewusst mit den Ängsten vor allem älterer Menschen, täuschten sie und stürzten sie so zum Teil in erhebliche Existenznot.

In den meisten Fällen sprechen die falschen Polizisten am Telefon davon, dass bei einem der letzten Raubzüge in der Nachbarschaft einer der Täter gefasst werden konnte. Und dieser habe einen Zettel dabei gehabt, auf dem die Adresse des Angerufenen stand. Die Täter würden für ihre skrupellose Masche gezielt das Telefonbuch nach Menschen mit älteren Vornamen absuchen. In "regelrechten Wellen" werden so laut LKA Hunderte Personen in sehr kurzer Zeit angerufen.

Was tun, wenn das Telefon klingelt? 

Manchmal steht sogar 110 auf der Telefon-Anzeige, warnt die Polizei. Doch wie können Sie erkennen, ob sich Betrüger am Telefon als Polizisten oder Behördenmitarbeiter ausgeben? Die Polizei in Bayern rät: 

  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch wenn der Anrufer von dringenden Ermittlungen, einem Einbruch in der Nachbarschaft oder einer Anklage aus dem Ausland spricht. 
  • Die Polizei fordert nie von Ihnen Geld oder Wertgegenstände, um Sie zu schützen oder Ermittlungen durchzuführen.
  • Wollen Sie den Anrufer zurückrufen, drücken Sie nicht die Wahlwiederholung, sondern wählen Sie die 110.
  • Seien Sie misstrauisch.

Polizei setzt stark auf Aufklärung

In Unterfranken gingen bei der Polizei an einem Tag im November schlagartig etwa 50 Meldungen ein. Keiner der Betrugsversuche war erfolgreich. Doch: "Da ist mit Sicherheit die Dunkelziffer sehr hoch", sagte Polizeisprecher Zimmer weiter. Viele Menschen schämten sich, dass sie auf den Trick hereingefallen seien und blauäugig mehrere Zehntausend Euro an Fremde übergeben hätten.


Die Polizei setzt deshalb auch stark auf Aufklärung. Nicht nur, um der Verunsicherung in der Bevölkerung entgegenzuwirken. "Das Phänomen führt auch zum Vertrauensverlust der Polizei als Institution", so die LKA-Kriminalobermeisterin.

Manchmal gehen die falschen den echten Polizisten auch ins Netz, so wie kürzlich in Nürnberg. Vor Gericht drohen den Tätern hohe Strafen. Erst Anfang Dezember ist ein Mann vom Landgericht Düsseldorf zu fast vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, ein anderer bekam vom Landgericht Heidelberg fünf Jahre Haft wegen gewerbsmäßigem Betrug und Amtsanmaßung aufgebrummt.

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