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Der Kampf gegen Clans steckt noch in den Kinderschuhen

dpa, Andreas Rabenstein

Aktualisiert am 07.06.2019Lesedauer: 3 Min.
Polizisten sichern wÀhrend einer Razzia von Zoll und Polizei eine Shisha-Bar: Seit dem Sommer 2018 gab es Dutzende Razzien in Deutschland.
Polizisten sichern wÀhrend einer Razzia von Zoll und Polizei eine Shisha-Bar: Seit dem Sommer 2018 gab es Dutzende Razzien in Deutschland. (Quelle: Bernd Thissen/dpa-bilder)
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Seit den 1980er-Jahren kamen vermehrt arabischstĂ€mmige Großfamilien in deutsche GroßstĂ€dte. Obwohl die KriminalitĂ€t in ihrem Umfeld teilweise zunahm, passierte lange nicht viel – nun geht die Polizei hĂ€rter vor.

Es waren zwölf Monate des verstÀrkten Kampfes gegen die arabischstÀmmigen Clans in Deutschland. Seit dem Sommer 2018 beschlagnahmte der Staat zahlreiche HÀuser, es gab Dutzende Razzien, Politiker prÀsentierten AktionsplÀne. Bundesinnenminister Horst Seehofer trat vor die Kameras und brachte das Bundeskriminalamt gegen die Clans ins Spiel. NÀchste Woche wollen die Innenminister der BundeslÀnder ihr Vorgehen besser absprechen.

Experten der Polizeigewerkschaften warnen vor zu schnellen Erwartungen und fordern Geduld, Ausdauer und Experten fĂŒr die Kriminalpolizei, um die Macht der Clans zu brechen. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, betont: "Wir mĂŒssen mit erheblichem kriminalistischem Aufwand in abgeschottete kriminelle Strukturen vordringen." Das werde nicht schnell gehen und sei auch in fĂŒnf Jahren nicht erledigt. "Wenn wir in zehn Jahren Erfolge sehen, haben wir einiges richtig gemacht."

Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK): Der Experte fordert, mit erheblichem kriminalistischem Aufwand tief in die Clan-Strukturen einzudringen.
Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK): Der Experte fordert, mit erheblichem kriminalistischem Aufwand tief in die Clan-Strukturen einzudringen. (Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa-bilder)
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Auch die Gewerkschaft der Polizei fordert Zeit. "Das ist sehr langwierig, weil die Clans abgeschottet sind, konspirativ und auf Arabisch kommunizieren, verschlĂŒsselte Chatdienste nutzen, und Zeugen bedroht werden", sagt der Bundesvorsitzende Oliver Malchow. "Wir haben gefestigte Strukturen. Auch Razzien, Beschlagnahmungen und Verurteilungen fĂŒhren nicht sofort dazu, dass deren GeschĂ€ftsmodell endet."

DiebstĂ€hle, ÜberfĂ€lle und Drogenhandel

Bei der Innenministerkonferenz ab Mittwoch in Kiel stehen beim Thema Clans besonders Berlin, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen im Blickfeld. Dort hatten sich seit den 1980er-Jahren viele FlĂŒchtlinge aus der arabischen Volksgruppe der Mhallami niedergelassen. Sie kamen aus der TĂŒrkei ĂŒber den Libanon nach Deutschland, waren meist staatenlos und durften nicht arbeiten.

Mitglieder der abgeschotteten Großfamilien rutschten in die KriminalitĂ€t ab. Heute spricht die Polizei von Dutzenden Großfamilien besonders in west- und norddeutschen GroßstĂ€dten sowie in Berlin. DiebstĂ€hle, ÜberfĂ€lle, Drogenhandel und Schutzgelderpressung werden ihnen zugerechnet. NRW geht von 14.000 Straftaten allein in den letzten drei Jahren aus. In Berlin gab es Prozesse gegen Mitglieder verschiedener Clans wegen ÜberfĂ€llen auf ein Pokerturnier, auf Geldtransporter und das Luxuskaufhaus KaDeWe sowie wegen des Raubes einer GoldmĂŒnze.

Politik, Polizei und Staatsanwaltschaften hÀtten lange zugesehen, wie die Clans sich ausbreiteten, beklagt Fiedler vom Kriminalbeamten-Bund. "Schon vor 15 Jahren gab es einen dicken Bericht der vier BundeslÀnder und des BKA. Aber damals war es nicht opportun, sich kriminellen Organisationen, die einen Migrationshintergrund haben, öffentlich entgegenzustellen."

Ein Polizeiwagen steht vor dem Bode-Museum: Berliner Clans haben aus dem Museum eine 100 Kilogramm schwere GoldmĂŒnze gestohlen.
Ein Polizeiwagen steht vor dem Bode-Museum: Berliner Clans haben aus dem Museum eine 100 Kilogramm schwere GoldmĂŒnze gestohlen. (Quelle: Paul Zinken/dpa-bilder)

Mit diesem RĂŒckstand kĂ€mpfe die Kripo weiterhin. "Wir stehen in vielen Bereichen total am Anfang", sagte Fiedler. "Wir kennen die konkreten geschĂ€ftlichen Strukturen nicht im letzten Detail, wir wissen die Vertriebswege nicht, wir mĂŒssen die internationalen BezĂŒge und Geldströme viel mehr aufklĂ€ren."

Entscheidend sei jetzt eine neue Organisation des Vorgehens der LÀnderpolizeien und des BKA. Das sei die Aufgabe der Innenministerkonferenz, sagte Fiedler. "Wie wollen sich die BundeslÀnder koordinieren? Damit nicht mittwochs in Bremen eine Razzia stattfindet und donnerstags in NRW. Die Dinge sind derzeit nahezu gar nicht miteinander abgestimmt."

Nach Informationen der Gewerkschaften soll das Bundeskriminalamt sich bei dem Thema Clans stĂ€rker beteiligen und eine Art GeschĂ€ftsfĂŒhrung ĂŒbernehmen. Auch beim AufspĂŒren illegalen Vermögens von Clanmitgliedern im Ausland und beim Einziehen könnte das BKA fĂŒhrend sein. Nicht zuletzt Berlins SPD-Innensenator Andreas Geisel und Nordhrein-Westfalens CDU-Innenminister Herbert Reul hatten mehrfach angegeben, dass hohe Summen von illegalem Vermögen von den Clans in Immobilien angelegt wĂŒrden. Über verschiedene KanĂ€le soll Geld auch ins Ausland, etwa in die TĂŒrkei und den Libanon, transferiert werden.

Warnung vor Entwicklung wie im Rockermilieu

Laut GdP-Chef Malchow liegt die Hoffnung der Ermittler auch auf den vor zwei Jahren verbesserten Möglichkeiten, Vermögen zu beschlagnahmen. "Wenn Autos und Wohnungen eingezogen werden, das schmerzt und ist wirkungsvoller, als wenn einer ein halbes Jahr ins GefÀngnis geht." Aber auch hier sei klar: Man brauche mehr gut ausgebildete Finanzermittler.


Wenn die Politik aber keinen langen Atem hat und nicht viel Geld und Polizisten bereitstellt, drohe ein Problem Ă€hnlich wie bei der RockerkriminalitĂ€t. "Da ist viel passiert", meint Fiedler. "Aber die gesamten AktivitĂ€ten haben bis heute nicht dazu gefĂŒhrt, dass wir weniger kriminelle Rocker haben. Im Gegenteil, es entstehen immer neue Gruppen."

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